SDN-Anbieter bauen Security-Funktionen aus Mobiles Arbeiten und Homeoffice kurbeln SDN-Markt an

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Der Markt für SD-WAN-Lösungen zählt zu den am schnellsten wachsenden Technologiemärkten in Deutschland. Dabei hat die pandemiebedingte Zunahme von mobilem Arbeiten und Homeoffice den SDN-Anbietern zusätzliche Umsätze beschert. Dies ergab eine aktuelle ISG-Studie.

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Im SDN-Markt spielen neben dem Homeoffice-Boom auch Sicherheitsaspekte eine immer größere Rolle.
Im SDN-Markt spielen neben dem Homeoffice-Boom auch Sicherheitsaspekte eine immer größere Rolle.
(Bild: © – Funtap – stock.adobe.com)

In ihrer Studie „ISG Provider Lens Networks – Software Defined Solutions and Services Germany 2021“ beziffert die Information Services Group (ISG) Deutschlands Anteil am weltweiten SDN-Markt auf rund acht Prozent, während Kontinentaleuropa auf einen Anteil von rund 31 Prozent kommt. Das jährliche Marktwachstum liege bei rund 30 Prozent.

„Es gibt eine Reihe von Gründen, die den SDN-Markt derzeit immer schneller wachsen lassen“, sagt Heiko Henkes, Director & Principal Analyst bei ISG. „Neben dem Homeoffice-Boom spielen auch Sicherheitsaspekte eine immer größere Rolle.“ Wer sein Netzwerk vom Kern bis in die Peripherie voll absichern wolle, komme um SDN-Lösungen heute nicht mehr herum. „Mithilfe von SDN lassen sich die Unternehmens- und Sicherheitsrichtlinien auch bis an den entferntesten Netzwerkrand ausrollen“, so Henkes. Auch der Übergang vieler Unternehmen zu Cloud- und Multi-Cloud-Umgebungen spiele SDN in die Karten. Zumal es das Cloud-Architekturmodell SASE (Secure Access Service Edge) ermögliche, Netzwerk- und Security-as-a-Service-Funktionen zu bündeln und als gemeinsamen Cloud-Service bereitzustellen.

Der ISG-Studie zufolge gehen SDN-Anbieter für Do-it-yourself-Implementierungen ihrer Kunden zunehmend Partnerschaften mit lizenzierten Telekommunikations- und Serviceanbietern ein. Außerdem würden sie gemeinsam verwaltete Lösungen anbieten. In diesem Fall behält das jeweilige Kundenunternehmen die volle Kontrolle über die wichtigsten Netzwerkabschnitte, während es das Management und die Verantwortung für die anderen Teile an seinen Provider abgibt. Eine vom Kunden und Serviceanbieter gemeinsam genutzte Orchestrierungs-, Management- und Schnittstellenplattform verzahnt dabei alle Netzwerbereiche. „Gemeinsam mit dem Kunden gemanagte Netzwerklösungen sehen wir seit ein bis zwei Jahren bei immer mehr Providern im Angebot“, sagt ISG-Analyst Henkes. „Sie beleben das Geschäft in diesem Marktsegment deutlich.“

Zugleich verzeichnet ISG, dass die führenden SDN-Anbieter immer mehr Sicherheitsfunktionen in ihre Lösungen integrieren. Es handle sich dabei um hoch entwickelte End-to-End-Sicherheitsprodukte. Sie seien über alle Netzwerkkomponenten hinweg in die Gesamtlösung integriert und würden vom Kern bis an die Ränder des Netzwerks hohe Sicherheitslevels bieten.

Im Teilmarkt „SD-WAN Equipment and Service Suppliers (DIY)“ untersuchte ISG insgesamt 27 Anbieter, wovon sich acht als „Leader“ und einer als „Rising Star“ positionieren konnten.

Die Studie „ISG Provider Lens Networks – Software Defined Solutions and Services Germany 2021“ bewertet die Leistungen von 53 Anbietern in sechs Marktsegmenten (Quadranten): Neben „SD-WAN Equipment and Service Suppliers (DIY)“ sind dies „Managed (SD) WAN Services“, „SDN Transformation Services (Consulting and Implementation)“, „Technology and Service Suppliers (Core – 4G/5G)“, „Edge Technology and Services“ sowie „Enterprise 5G Solutions“.

Managed (SD) WAN Services

Die ISG-Studie verzeichnet, dass SDN-Anbieter zunehmend als Managed-Service-Provider aktiv sind, indem sie komplett verwaltete SD-WAN-Lösungen anbieten. Dies schließe hybride Ansätze wie MPLS/IP, MPLS/SDN oder SDN über die Cloud bis hin zum Netzwerkrand (Edge) ein. Die SDN-Provider würden dabei oft gar nicht selbst als Anbieter gegenüber dem Kunden auftreten, sondern im Rahmen von „White-Label-Services“, also als Unterauftragnehmer von Telekommunikationsanbietern oder Integratoren.

SDN Transformation Services (Consulting and Implementation)

Der Marktreife bei SDN-Transformationsservices ist ISG zufolge mittlerweile sehr hoch. Es gebe zahlreiche erfolgreiche Anwendungsbeispiele, integrierte Designs, vordefinierte Prozesse und Technologien. Transformations-Provider würden zudem geeignete Partnerprodukte und -services konsequent nutzen – sei es in Form von Managed Services, Do-it-yourself-Lösungen oder gemeinsam gemanagte Lösungen.

Technology and Service Suppliers (Core – 4G/5G)

In diesem Marktsegment (Quadrant) analysiert der ISG-Anbietervergleich alle Provider von SDN-Kernservices, die entweder direkt von Unternehmen oder von anderen Serviceanbietern für Unternehmensprojekte gekauft werden. Er umfasst auch spezifische auf die 4G-/5G-Mobilfunkstandards ausgerichtete Dienste oder Lösungen, Anwendungen, Managementsysteme und -methoden sowie die SDN-Endgerätesteuerung und -verwaltung sowie zugehörige Dienste.

Edge Technology and Services

Das sogenannte Edge Computing mit seinen Technologien und Services stellt einen aktuell prägenden Trend beim IoT (Internet of Things) und IIoT (Industrial IoT) dar. Der mittlerweile flächendeckend verfügbare 4G-/LTE-Mobilfunkstandard erfüllt ISG zufolge dabei 85 Prozent aller Industrie-4.0-Anforderungen, wodurch dieser Teilmarkt derzeit kontinuierlich wachse. Zudem hätten die durch Anbieter zusätzlich eingebauten Sicherheitsfunktionen viele Bedenken von Führungskräften hinsichtlich des Einsatzes solcher Lösungen zerstreut. Der derzeit erfolgende Roll-out privater und öffentlicher 5G-Netzwerke lassen einen weiteren Schub für das Edge Computing erwarten, so die ISG-Studie weiter.

Enterprise 5G Solutions

Im Zuge des 5G-Rollouts verzeichnet ISG zahlreiche „private“ 5G-Lösungen bei Unternehmen, die in der Regel nur auf das Unternehmensgelände (Campus) beschränkt und nicht öffentlich zugänglich sind. Diese privaten 5G-Lösungen seien vor allem auf flexible Konnektivität, mobile Hochgeschwindigkeitsdaten und IoT ausgerichtet. Sie seien zwar keine öffentlich lizenzierten Netzwerke, könnten aber als Zubringer oder Zugangspunkte zu solchen verwendet werden, etwa in Richtung von VPN-/WAN-Lösungen am Unternehmensstandort oder von WAN-Verbindungen für den Datentransport außerhalb des Campus.

Der ISG-Anbietervergleich nennt Deutsche Telekom, IBM, Orange Business Services und Vodafone in fünf Quadranten und Extreme Networks in vier Quadranten als Leader. Cisco, Computacenter und Wipro werden in drei Quadranten und Apcela, Juniper Networks und NTT in zwei Quadranten als Leader bezeichnet. Axians, BT, Colt, Damovo, Ericsson, GTT, HPE Aruba, Logicalis, Nokia Networks, Riedel Networks und Verizon werden jeweils in einem Quadranten als Leader genannt.

Darüber hinaus wird Wipro in drei Quadranten als Rising Star bezeichnet – was nach Definition von ISG ein Unternehmen mit „vielversprechendem Portfolio“ und „hohem Zukunftspotenzial“ ist. Cancom, HCL und Infosys werden jeweils in einem Quadranten als Rising Stars aufgeführt.

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