Prognose des Bitkom zum Mobilfunkmarkt Mobile-Umsätze wachsen langsamer als die Handy-Zahlen

Redakteur: Katrin Hofmann

Die Mobiltelefon-Umsätze sollen einer Prognose des Bitkom zufolge dieses Jahr weiter steigen: allerdings nicht so stark wie die Verkaufszahlen. Über Absatztreiber und Techniktrends referierte Dr. Rudolf Gröger, Mitglied des Bitkom-Präsidiums, auf der Systems.

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Dr. Rudolf Gröger, Mitglied des Bitkom-Präsidiums: »Das Surfen per Handy wird sich durchsetzen«.
Dr. Rudolf Gröger, Mitglied des Bitkom-Präsidiums: »Das Surfen per Handy wird sich durchsetzen«.
( Archiv: Vogel Business Media )

Um zwei Prozent, von 4,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,2 Milliarden Euro, sollen die Umsätze mit Mobiltelefonen hierzulande bis Ende 2007 steigen. Diese Prognose gab der Branchenverband Bitkom auf der Systems in München bekannt. Bezüglich der Zahl der verkauften Geräte wird das Wachstum allerdings sechs Prozent betragen. 37 Millionen Handys gehen demnach bis zum Jahreswechsel über die Ladentheken. 2006 konnten die Händler 34 Millionen, 2005 31 Millionen Stück absetzen.

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland damit bezüglich der Handy-Ausstattung zu den Spitzenreitern. Während hierzulande Ende 2006 auf 100 Einwohner 104 Mobilfunk-Anschlüsse kamen, waren es im westeuropäischen Durchschnitt nur 98 Anschlüsse. Weiter vorn lagen lediglich Italien mit 124 Anschlüssen und Schweden mit 116. Bis Ende des Jahres rechnet der Verband mit 109 Mobilfunkanschlüssen je 100 Bundesbürger, 2008 mit 114.

»Handys waren, sind und bleiben ein Verkaufsschlager«, zeigte sich Dr. Rudolf Gröger, Mitglied des Bitkom-Präsidiums, auf der Messe überzeugt. Das neue Allzeithoch bei den Verkäufen sei in erster Linie verursacht durch fallende Verbindungspreise und neue Funktionen. Beispielsweise eigneten sich mittlerweile nahezu sämtliche Neugeräte zum Surfen im Internet.

»Handysurfen ist nicht zu teuer«

Laut Bitkom ist es ein Vorurteil, dass das Surfen per Handy zu teuer sei. »Schon für monatlich zehn Euro erhalten Kunden heute einen mobilen Datentarif, der bereits ein Freivolumen von 250 Megabyte umfasst. Eine große Menge übertragener Daten ist also bereits durch den Grundpreis abgedeckt,« so Gröger. Vor diesem Hintergrund sagt der Verband voraus, dass UMTS-Geräte und -Karten künftig eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Bis Ende 2007 sollen 10,5 Millionen UMTS-Verträge existieren. 2004 waren es erst 0,2 Millionen.

Auch das durch eine Forsa-Studie belegte Interesse der Verbraucher an weiteren mobilen Diensten wie Wegbeschreibungen, Stauhinweisen, Fahrplänen oder Wetterinformationen fürs Handy-Display, betrachtet der Bitkom als Indiz für einen weiteren Schub für Geräte der dritten Generation in Verbindung mit passenden Services. Besonders in drei Bereichen bei den Datendiensten erwartet der Bitkom Wachstum: Beim Handy-Banking, der Telemedizin – dass Handynutzer beispielsweise mittels einer speziellen Notruftaste direkt den Kontakt zur Rettungsstelle herstellen können – und beim Handy-Ticketing.

Neue Geschäftsmodelle dank »Near Field Communication«

Auf technologischer Seite sieht der Branchenverband einen starken Trend hin zu Geräten mit GPS-Ausstattung. Gröger: »Die Chips erlauben standortbezogene Dienste einer neuen Qualität. So können sich Handynutzer anzeigen lassen, welche Freunde gerade in der Nähe sind oder wo sich das nächste Kino befindet«.

Außerdem ist Gröger davon überzeugt, dass immer mehr Mobiltelefone über integrierte Videoplayer verfügen werden. Als dritten Techniktrend hob der ehemalige O2-Geschäftsführer auf der Systems Lesegeräte für die so genannte »Near Field Communication« hervor. Solche Leseeinheiten sollen immer mehr Mobiltelefone haben. Genutzt werden kann die Technik unter anderem für interaktive Plakate. Intressiert den Kunden ein Produkt, kann er sein Mobiltelefon am Plakat vorbeiführen und erhält eine zusätzliche Info auf sein Display, beispielsweise die Webadresse des Herstellers.

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