Channel gibt Gas Mittelstand bringt Virtualisierungsmarkt auf Touren

Redakteur: Regina Böckle

Die Virtualisierung der IT-Systeme in Unternehmen hat der Branche einen neuen Hype beschert. Im Gegensatz zu früheren Hypes lässt sich damit auch richtig Geld verdienen, wenn das nötige Know-how im Hause ist. Hersteller, Distributoren und Systemhäuser wissen sich vor Aufträgen nicht zu retten. Ein Stimmungsbild.

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( Archiv: Vogel Business Media )

»Wir haben nicht genug Kapazitäten, um alle anstehenden Projekte abzuwickeln«, so der Vertreter eines Systemhauses, das seit Jahren im Bereich Virtualisierung tätig ist. »Unsere Consultants sind für die nächsten Monate einfach ausgebucht. Die Nachfrage übersteigt unsere Ressourcen, die Wartelisten sind lang«, pflichtet ein anderer bei.

»Wir können derzeit unsere hausinternen Kapazitäten gar nicht so schnell ausbauen, wie es nötig wäre, aber wir arbeiten dran«, gibt auch VMware-Marketingmanagerin Sonja Reindl-Hager zu. Ähnlich prekär sieht die Lage in den Virtualisierungs-Abteilungen der Value-Added-Distributoren (VAD) Azlan, DNS, Eld und Magirus aus.

Das Geschäft mit der Virtualisierung brummt. Dabei gab es vor Jahren noch durchaus kritische Stimmen. »Als wir den Hersteller VMware vor dreieinhalb Jahren an Bord nahmen, hielten uns manche Leute de facto für verrückt. Damals hatte kaum einer eine genaue Vorstellung, was diese Lösung überhaupt macht«, berichtet beispielsweise Azlan-Chef Marc Müller. VAD Azlan, der zu diesem Zeitpunkt noch Tech Data Midrange hieß, war einer der ersten VMware-Partner für Deutschland, Österreich und die Schweiz, und heute zeigt sich: Wer früh auf den Virtualisierungszug aufgesprungen ist, tat gut daran.

Jährlich verdoppeln

Denn noch immer sind die Wachstumsraten üblicherweise dreistellig, bei Herstellern wie Distributoren – und das bei gesunden, im Schnitt zweistelligen Margen. So konnte VMware den Umsatz 2006 im Vergleich zum Vorjahr auf 709 Millionen US-Dollar nahezu verdoppeln. Mitbewerber SWsoft wuchs im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge sogar um 133 Prozent, besonders im Enterprise-Segment.

Entsprechend stark fielen auch die Umsatzzuwächse bei den Distributoren aus. Azlan verdoppelte seinen Umsatz mit VMware, DNS berichtet ebenso von »überproportionalen Wachstumsraten. Der Slogan »just double« gelte hier uneingeschränkt, so DNS-Development-Manager Dieter Hahn. VMware-Distributor DNS hat 2006 den Umsatz im Virtualisierungsbereich verdreifacht, rechnet man die angrenzenden Lösungen wie Platespin und Vizioncore mit ein. Magirus meldet ebenfalls Steigerungsraten von mehr als 100 Prozent.

Motor Mittelstand

Damit ist das Ende der Fahnenstange nach Ansicht der Experten noch lange nicht in Sicht. IDC rechnet im Jahr 2009 mit Umsätzen in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar.

„Kleine und mittelständische Unternehmen werden die Hardware-Virtualisierung für sich entdecken, wenn der Markt leicht zu bedienende und hoch performante Server-Produkte zu einem attraktiven Preis bietet, wie Parallels sie in naher Zukunft herausbringen wird“, präzisiert Uli Keller, Director Enterprise Sales EMEA bei SWsoft, die Zahlen. »Firmen, die sich bisher mit Virtualisierung schwer tun, werden die Technologie für sich entdecken – oder die Kunden werden sie darauf stoßen«, so Keller. VMware schlägt mit dem vergangene Woche angekündigten Spezialangebot für SMB-Kunden in die selbe Kerbe: Die Kombination aus kostenlosem VMware-Server, VirtualCenter for VMware Server samt Support ist zum empfohlenen Verkaufspreis von 1.500 US-Dollar (1.160 Euro) zu haben.

Noch lange kein Verdrängungsmarkt

Angesichts dieses Wachstumspotenzials geht Keller davon aus, dass »zunächst kein Verdrängungswettbewerb stattfinden wird«. Thomas Kühlewein, Regional Sales Manager Zentraleuropa bei VMware, sieht dies ähnlich. Er rechnet zwar damit, dass »weitere Firmen versuchen werden, am schnell wachsenden Virtualisierungsmarkt zu partizipieren«. Dennoch befürchtet er hier keine Verdrängung sondern erwartet im Gegenteil eher einen »zusätzlichen Push für Virtualisierung auf x86-Hardware«, den VMware zu seinen Gunsten nutzen könne.

Dennoch – Microsoft wird sich nach Meinung der VMware-Distributoren ab 2008 zum gewichtigen Player mausern – in aller Munde ist der Software-Riese diesbezüglich schon heute. »VMware reagiert darauf mit der Entwicklung in Richtung Lösungsthemen, wie Disaster-Recovery und Hochverfügbarkeit – auch über Allianzen mit Hardware-Herstellern und großen ISVs wie Novell, Oracle, SAP – und bietet Zusatztechnologien zu ihrem Kernprodukt VI3 Virtual Infrastructure3 an. Dazu zählen insbesondere die Software-Management-Produkte«, so Azlan-Marketingleiterin Marion Protschka.

Desktop-Virtualisierung als treibende Kraft

Zudem ist der jüngste, vielversprechende Spross der VMware-Familie – die Desktop-Virtualisierung – erst im Werden begriffen. Auf ihn richtet der Hersteller verstärkt sein Augenmerk: »Für das Rechenzentrum haben wir VMware-Virtualisierung bereits als Standard etabliert. Unser Ziel ist es, das gleiche auch auf dem Client zu erreichen«, stellt Vertriebschef Kühlewein klar. Die Desktop-Virtualisierung wird den nächsten Schub für den Virtualisierungsmarkt bringen, darin ist sich der Anbieter mit all seinen Distributoren einig.

Managementtools kommen

Daneben werden sich die Managementtools als antriebsstarker Motor erweisen. An ihrer Entwicklung arbeiten sämtliche Hersteller derzeit mit Hochdruck. Cassatt hat sich auf diesem Gebiet inzwischen einen Namen gemacht, allerdings gibt es hierzulande momentan weder eine eigene Niederlassung, noch einen Distributionspartner. Aber das kann sich schnell ändern.

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