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T-Com bringt erste VDSL-Anwendung

Mit T-Home startet Fernsehen via DSL

16.10.2006 | Redakteur: Harry Jacob

Sieben Wochen nach dem Start der Bundesliga nimmt die Deutsche Telekom nun einen neuen Anlauf, das schnelle VDSL-Netz mit einem Triple-Play-Angebot zu vermarkten.

Seit Dienstag, 17. Oktober, bietet T-Com das schnelle VDSL-Netz wieder aktiv an, in Verbindung mit dem „T-Home“ genannten Service, der Fernsehen, Telefonieren und Internet-Zugang als Triple-Play-Angebot kombiniert. VDSL (Very High Speed DSL) ist derzeit in zehn Städten erhältlich, nämlich in Berlin, Düsseldorf, Raum Frankfurt/Offenbach, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Raum Nürnberg/Fürth und Stuttgart. Es bietet anfangs eine Übertragungsrate von 25 MBit/s, später sollen mindestens 50 MBit/s ereicht werden. Beim „gewöhnlichen“ DSL-Anschluss muss sich der Anwender je nach lokaler Gegebenheit mit ein bis 16 MBit/s begnügen.

Content zählt

VDSL ist aber nur die Übertragungstechnik, für die Kunden viel interessanter sind Services und Contents, die im Paket als „T-Home“ vermarktet werden. Internet-Zugang, Telefonieren via DSL und Fernsehen bringt die Telekom mit ihrem Angebot unter einen Hut. Wobei „Fernsehen“ eine ganze Latte an Angeboten umfasst: das laufende Programm von 60 frei empfangbaren Basis- und Premium-Kanälen, Zugriff per Archiv-Funktion auf die Sendungen der vergangenen Tage bei ausgewählten Sendern, sogenannte „Zubuchoptionen“, also Pay-TV-Sender wie Premiere oder Auslandssender und ein kostenpflichtiges Video-on-Demand-Angebot mit derzeit 1 200 Filmen aller großen Labels (außer Disney).

Der dafür nötige Receiver T-Home X 300T, der von Linksys geliefert wird und auf dem Kiss Mediamate beruht, bietet darüber hinaus Videorecorder und Time-Shifting mittels integrierter 80-Gigabyte-Festplatte sowie Zugriff auf den elektronischen Programmführer. Für HD-Fans gibt es immerhin 30 Filme im VoD-Angebot, die wenigen deutschen HD-Sender sowie ein Bundesligaspiel pro Spieltag im hochauflösenden Format.

T-Home Complete Plus kostet im Monat 39,90 Euro und unterscheidet sich vom Paket Complete Basic (29,90 Euro) durch die integrierten Premium-Sender und eine gedruckte Fernsehzeitschrift. Wer auf der Website www.t-home.de die Verfügbarkeit des Angebots für sein Zuhause prüft, der wird außerhalb der VDSL-Versorgungsgebiete auf das Paket T-Home Classic für monatlich 19,90 Euro verwiesen. Dafür bedarf es nur einer DSL-Leitung der Telekom mit mindestens 6 MBit/s, der Service ist aber auf den Zugang zum Video-on-Demand-Angebot und zum Archiv ausgewählter Basic-Sender beschränkt – also kein Live-TV. Für die VoD-Nutzung sind pro Film ein bis vier Euro fällig, für Bundesliga- und Premiere-Pakete kommen jeweils 10 Euro monatlich.

Die genannten Preise umfassen nur die T-Home-Angebote. Für den VDSL-Anschluss sind monatlich 35 Euro zu bezahlen, bei T-Home Classic für den 6- oder 16-MBit/s-DSL-Zugang sind es 25 beziehungsweise 30 Euro. Voraussetzung für DSL und VDSL wiederum ist ein Festnetzanschluss von T-Com, wahlweise analog oder ISDN. Wer sich inzwischen auf einen reinen Mobilfunkanschluss verlegt hatte, muss deshalb noch einmal mit 16 oder 24 Euro zusätzlich rechnen.

One Face to the Customer

Das Paket aus Festnetzanschluss, Internetzugang inklusive Internet-Telephonie (beides per Flatrate) und Fernsehgenuss kommt so auf monatlich 80 (Complete Basic) bis 100 Euro (Complete Plus, ISDN-Anschluss), zuzüglich individueller kostenpflichtiger Optionen. Im Kostenvergleich sind die Gebühren für Telefon-, Internet- und Kabelanschluss zu sehen, die sich oft auch noch auf verschiedene Anbieter verteilen. Beim T-Home-Angebot soll dagegen der Kunde nur noch einen Ansprechpartner haben. Für das kommende Jahr kündigte die Telekom an, das Angebot auf weitere 40 Städte auszudehnen. Außerdem sollen zusätzliche Services geschaffen und die Bandbreite erhöht werden.

Das sagt der Wettbewerb

Für Stephan Albers, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation und Vorstandsbüro bei Arcor, ist der Fall klar: „VDSL ist keine Innovation, sondern Physik“. Da die Telekom mittels Kabelverzweiger zwischen Haushalten und Hauptverteiler die Strecke verkürzt, die das DSL-Signal über eine Kupferleitung zurücklegen muss, kann sie höhere Bandbreiten anbieten. Doch die Telekom verweigert den Mitbewerbern, auf der Strecke zwischen Hauptverteiler und Kabelverzweiger die Glasfaserleitungen der Telekom zu nutzen oder eigene Stränge durch Telekom-Leerrohre ziehen zu lassen.

Sie verweist auf den „innovativen Markt“ VDSL und Triple-Play, um sich der Regulierung zu entziehen, die ansonsten den diskriminierungsfreien Zugang zum Telekom-Netz vorschreibt. Da das Thema Regulierung letztlich eine politische Frage ist, die bereits im Sommer zwischen Bundesregierung und EU-Kommission kontrovers diskutiert wurde, ohne eine Entscheidung nach sich zu ziehen, hat Arcor nun bei der zuständigen Bundesnetzagentur beantragt, Zugang zu den Kabelverzweigern zu erhalten, um eigene VDSL-Services anbieten zu können. Jetzt muss die Aufsichtsbehörde eine Entscheidung treffen, die auch für weitere Wettbewerber der Telekom maßgeblich sein wird.

Kommentar: Triple Pay statt Triple Play

Die Telekom bekommt es einfach nicht hin, ihre Angebote klar zu strukturieren. Nur beim „gewöhnlichen“ DSL-Tarif hat sich der TK-Riese von den Fußnotenorgien der vergangenen Jahre verabschiedet – nachdem Arcor erfolgreich das „Ein-Preis-Paket“ erfolgreich im Markt platziert hat.

Mit dem T-Home-Angebot geht das Versteckspiel in eine neue Runde. Denn wer T-Home bestellen will, braucht einen (V)DSL-Anschluss und dafür den T-Festnetzanschluss, den sich immer mehr Kunden dank Mobile-Flatrate sparen. Diese Kosten sind aber nicht in den Preisen berücksichtigt, die die Telekom nun groß proklamiert.

Das ist aber noch nicht alles. Wer es ganz genau wissen will, sollte sich auf der T-Home-Website nicht nur die Tabelle mit den drei Paket-Angeboten lesen, sondern auch die darunter zu findenden Fußnoten ausgeführt bis Nr. 20. Dort findet man beispielsweise – auf verschiedene Fußnoten verteilt – die Information, dass die DSL-Telefonie, die bereits in die T-Home-Paketpreise eingerechnet ist, nur optional ist und nicht mit ISDN-Anschluss funktioniert.

Wenigstens hat der Kunde nicht mehr unter den unfreundlichen Umständen der DSL-Einführung zu leiden. Damals musste der Anschluss bei T-Com beantragt werden, der Internet-Zugang bei T-Online. Kündigen musste man bei beiden Vertragspartnern separat. Für T-Home ist nun allein T-Com zuständig und will hier endlich ein „One Face to the Customer“-Konzept umsetzen.

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