Trendupdate: Der SaaS-Markt in Q1/2021 Mikro-SaaS: Das Ende der vollintegrierten All-In-One-Plattformen?

Autor / Redakteur: Julian Riedlbauer / Heidemarie Schuster

Zum Jahresbeginn liest man ungezählte Vorhersagen für das kommende Jahr. Welche Trends zurzeit einen Aufschwung erleben und welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen, zeigt der aktuelle Quartalsbericht der Tech-M&A-Beratung und Investmentbank GP Bullhound.

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Der Software-Sektor befindet sich infolge des Digitalisierungs-Booms durch Covid-19 im Aufschwung.
Der Software-Sektor befindet sich infolge des Digitalisierungs-Booms durch Covid-19 im Aufschwung.
(Bild: Feodora – stock.adobe.com)

Die Zeichen im globalen SaaS-Markt stehen laut Gartner weiter auf Wachstum: Während der Markt im Jahr 2020 einen Umsatz von 104 Milliarden US-Dollar generiert hat, soll er 2021 um weitere 15 Prozent wachsen. Dieses Wachstum spiegelt sich sowohl im größeren Angebot am Markt als auch in der steigenden Zahl der Nutzer insgesamt wider. Doch mittlerweile erkennen immer mehr Unternehmen das Problem ausufernder Technologie-Stacks und bemühen sich um ein effizienteres Management. Die Unternehmen arbeiten nun daran, ihre verschiedenen SaaS-Lösungen zu integrieren oder zu verbinden, um Synergien zu realisieren und gleichzeitig einen konsolidierten, vereinfachten und nahtlosen Technologie-Stack zu schaffen. Für IT-Dienstleister bietet sich somit eine gute Gelegenheit Kunden bei dieser Aufgabe zu unterstützen und entsprechende Services zu entwickeln und zu verkaufen.

Kunden-Onboarding wird zum Differenzierungsmerkmal für SaaS

Da SaaS-Lösungen in modernen Unternehmen mittlerweile in fast allen Bereichen zum Einsatz kommen, ist der Markt in den letzten Jahren immer wettbewerbsintensiver geworden. Dieser Wettbewerb hat auch dazu geführt, dass SaaS-Anbieter nach immer neuen Wegen suchen, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Ein neues Feld zur Differenzierung entsteht aktuell auf dem Gebiet des Software-Onboardings. Gerade der Siegeszug von Virtual Work und die aufgrund der Pandemie eingeschränkten Interaktionsmöglichkeiten haben gezeigt, dass die etablierten Onboarding-Maßnahmen, wie Produkt-Touren, Kunden-Messaging und Helpdesk-Dienste oft nicht ausreichen, um Kunden optimal mit der Software vertraut zu machen. Das ist auch ein wichtiger Hinweis für Reseller, denn ein qualitativ hochwertiges Onboarding hilft gleichzeitig auch dabei, die Anforderungen der Kunden besser zu verstehen und auf sie zugeschnittene Lösungsansätze anzubieten. Dies ermöglicht eine höhere Kundenzufriedenheit und führt letztlich zu einer höheren Kundenbindung.

KMUs digitalisieren allmählich ihre Personalabteilung

Bisher haben sich kleinere und mittlere Unternehmen auf Software-Optimierungen in den Bereichen Vertrieb oder Marketing konzentriert und nur in geringem Umfang mit HR-Softwarelösungen befasst. Allmählich macht sich jedoch die Erkenntnis breit, dass die Suche nach neuen Talenten und ein effizientes Management der personellen Ressourcen im Mittelpunkt stehen sollten und hier noch großes Optimierungspotenzial besteht. Die veränderten Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie haben diese Einsicht weiter verstärkt, da die Aufrechterhaltung der Produktivität und des Mitarbeiter-Engagements in Virtual-Work-Settings wichtiger denn je geworden sind. HR-Tech ermöglicht es den Unternehmen, Personalprozesse zu digitalisieren und im Personalwesen effizienter zu agieren. Zudem werden Mitarbeiter in den Personalabteilungen entlastet und können sich stärker auf strategische und wertschöpfende Aufgaben konzentrieren.

Mikro-SaaS auf dem Vormarsch

Das Interesse an „Mikro-SaaS“-Lösungen wächst. Diese zielen auf einen Nischenmarkt ab und benötigen minimale Ressourcen für die Entwicklung und den Betrieb. Die Anbieter konzentrieren sich auf spezialisierte Plattformen und Tools, die zum Beispiel die Anforderungen bestimmter Branchen erfüllen, und Schnittstellen für die Anbindung externer Plattformen und Dienste bieten. Die Vorherrschaft vollintegrierter All-In-One-Plattformen scheint ein Ende zu finden. Kunden schätzen an Mikro-SaaS die Möglichkeit auch mit kleinen Budgets Tech-Stacks zu realisieren, die gleichzeitig individuell, kostengünstig und dezentral sind, auch wenn die Komplexität der IT dadurch zunehmen kann. Es lohnt sich also, als ITK-Anbieter eine kuratierte Auswahl von solchen flexiblen Lösungen ins Portfolio aufzunehmen.

Fazit: Kunden priorisieren stärker bei Software-Projekten

Zusammengefasst befindet sich der Software-Sektor infolge des Digitalisierungs-Booms durch Covid-19 auch im ersten Quartal von 2021 weiterhin im Aufschwung. Allerdings lässt sich aus den Trends insgesamt eine stärkere Fokussierung bei Software-Projekten ableiten. Anstelle großer, prestigeträchtiger Digitalisierungsoffensiven, setzen die Kunden verstärkt dort an, wo die Herausforderungen aktuell am größten sind: bei der effektiven Nutzung des vorhandenen Tech-Stacks, beim War for Talents und dem Erfüllen des konkreten Technologie-Bedarfs in den Unternehmen.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier.

Julian Riedlbauer
Julian Riedlbauer ist Partner und Leiter der deutschen Niederlassung des global führenden Technologie-M&A-Beraters und -Investors GP Bullhound. Bevor er die Leitung des deutschen Büros übernahm, war er Geschäftsführer bei Corporate Finance Partners, einer internationalen M&A-Beratungsfirma mit den Schwerpunkten Internet, Medien und Technologie. Vor seinem Wechsel auf die Beraterseite sammelte Riedlbauer als Gründer, Unternehmer und Manager mit mehreren M&A-Deals im Internet-, IT- und TK-Sektor umfassende Erfahrung.

Bildquelle: GP Bullhound

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