Aufgedeckt Microsoft Xbox One

Redakteur: Peter Koller

Einen Blick ins normalerweise versteckte Innenleben technischer Geräte und Apparaturen werfen die Kollegen der Redaktion ELEKTRONIKPRAXIS in der Rubrik „Aufgedeckt“. Dieses Mal: Microsofts Spielkonsole Xbox One.

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Das steckt in der Xbox One.
Das steckt in der Xbox One.
(Microsoft/IT-BUSINESS)

Acht Jahre nach dem Start der Spielkonsole Xbox 360 hat Microsoft den Nachfolger Xbox One vorgestellt, der im November 2013 für 499 Euro auf den Markt kommen soll – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Der Erfolg der neuen Xbox ist für Redmond von großer Bedeutung. Schließlich stellen die Spielkonsolen einen weltweiten Markt im Volumen von 27 Milliarden US-$ dar. Die gesamte Spielebranche kommt auf etwa 65 Milliarden US-$.

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Dementsprechend hat Microsoft bei der Entwicklung der Xbox One tief in die Trickkiste gegriffen. Xbox-Chef Don Matrick: „Unsere Mission: ein All-in-One-Gerät zu enwickeln, um eine neuen Generation des Spielens, des Fernsehens und der Unterhaltung zu gestalten.“

Bei den technischen Details hält sich Microsoft noch ein wenig bedeckt, manches Detail könnte sich bis zum Marktstart noch ändern, aber nach heutigem Stand ist folgendes bekannt:

Die inneren Werte

Kern der neuen Spielekonsole ist ein System on Chip von AMD: Es handelt sich dabei um ein in 28nm-Technik gefertiges Die, das einen Achtkern-Prozessor mit einer Grafikeinheit ähnlich einer Grafikkarte vom Typ Radeon 7790 koppelt. Der Arbeitsspeicher beträgt 8 GB DDR3-RAM, den sich die beiden Prozessoren teilen.

Als Massenspeicher steht eine nicht näher definierte 500GB-Festplatte zur Verfügung, als optisches Laufwerk kommt ein Blu-ray-System zum Einsatz.

An Schnittstellen gibt es 4K HDMI Aus- und Eingang (letztere etwa zum Anschluss von TV-Settop-Boxen), zweimal USB 3.0 sowie Gigabit Ethernet. Dazu kommt eine dreifach ausgelegte 802.11n WLAN-Schnittstelle, für einen möglichst latenzfreien Anschluss von Xbox-Controller, Heimnetzwerk und Mobilgeräten.

Die Latenzfreiheit ist wichtig, da bei der Xbox One bestimmte Rendering-Funktionen in die Cloud ausgelagert sind. Laut Microsoft-Manager Matt Booty handelt es sich dabei um die Berechnung etwa von Hintergrundszenen, die eine hohe Rechenleistung erfordern, aber sich nicht ständig verändern. Als Beispiel nannte er einen virtuellen Wald.

Sprach- und Bewegungssteuerung

Ein weitere Besonderheit der Xbox One ist die nun vollständige Integration mit der Bewegungs- und Sprachsteuerung Kinect. Ohne angeschlossene Kinect 2.0 funktioniert die Xbox One nicht. Auch bei der Kinect gab es bedeutende Veränderungen.

Durch leistungsfähigere Hardware wuchs der erfasste Bildwinkel um rund 60 Prozent, so dass nun bis zu sechs Personen statt bislang zwei erfasst werden – und zwar in HD mit 1080p und 60 Bildern pro Sekunde. Dank Infrarot-Kamera ist die Erfassung sogar in völliger Dunkelheit möglich.

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Die Kinect wird neben dem Controller zum zentralen Steuerelement der Xbox One und ist aus diesem Grund ständig aktiv – zumindest in Form der Spracherkennung, die auf Kommandos wartet.

Datensammlung?

Das löste einiges an öffentlicher Kritik aus, da auf diese Weise theoretisch die Möglichkeit bestünde, die Personen im Raum ständig zu belauschen. Nicht gerade zur Beruhigung dieser Bedenken trägt bei, dass Microsoft ein umstrittenes Patent angemeldet hat: Es beschreibt, wie die Kinect die Zahl der Personen erfasst, die sich über die Xbox einen Film ansehen und sich dementsprechend der Preis für das Film-Streaming verändert.

Kritisiert wird auch, dass die Xbox One nur dann funktioniert, wenn sie mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden Kontakt zum Internet hat. Wozu dieser Kontakt genau notwendig ist, hat Microsoft nicht offengelegt. Allerdings kann vermutet werden, dass es dabei um digitales Rechtemanagement für die installierten Spiele und Anwendungen geht. Zumal Microsoft bei dem Modell One auch dediziert auf Fernsehkonsum als Anwendung zielt. So kann die Kinect als Sprachsteuerung genutzt werden, um zum Beispiel TV-Kanäle umzuschalten.

Vergleich zu Sony Playstation PS4

Heftige Konkurrenz dürfte der Xbox One aus der Play Station 4 von Sony erwachsen, die ebenfalls zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommt. Allerdings für rund 399 Euro und damit rund 100 Euro weniger als das Microsoft-Produkt. Fast ebenso entscheidend dürft ein anderer Faktor sein: Auf eine Online-Authentifizierung der Spiele, wie sie Microsoft vorgesehen hat, will Sony verzichten. Die PS4 muss nicht alle 24 Stunden ins Internet, um auch Offline zu funktionieren.

Bei den technischen Daten hingegen sind sich die Konkurrenten sehr ähnlich: Auch die PS4 wird von einem achtkernigen AMD-System angetrieben, ebenso wie die Xbox One gibt es eine 500-GB-Festplatte und ein Blu-ray-Laufwerk.

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