Microsoft Surface Go 2: Schick für die Schule

Autor: Klaus Länger

Microsoft bietet das Surface Go 2 als spezielle Education-Version an. Wir haben uns im Hands-on-Test die fast identisch ausgestattete Consumer-Variante des kleinen 2-in-1-Tablets mit Intel Pentium Gold und NVMe-SSD angesehen.

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Die zweite Auflage des Surface Go ist erwachsener geworden: Das Display misst nun 10,5 Zoll in der Diagonale und die Prozessoren haben in der Leistung zugelegt.
Die zweite Auflage des Surface Go ist erwachsener geworden: Das Display misst nun 10,5 Zoll in der Diagonale und die Prozessoren haben in der Leistung zugelegt.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Das Surface Go 2 übernimmt im Microsoft-Portfolio den Part des Einstiegsmodells. Der Hersteller hat das 10,5-Zoll-Gerät ­Mitte des Jahres als Ablösung für das erste Surface Go mit 10-Zoll-Panel auf den Markt gebracht. Mit dem nun 10,5 Zoll durchmessenden Pixelsense-Panel erhöht sich die Auflösung von zuvor 1.800 x 1.200 auf nun 1.920 x 1.280 Pixel. Das Tablet selbst, es misst 245 mm x 175 mm x 8,3 mm, ist dadurch aber nicht größer geworden, denn nur die Ränder um das Panel sind geschrumpft.

Die zweite große Neuerung beim Surface Go 2 sind die Prozessoren: Hier stehen nun ein Intel Pentium Gold 4425Y oder ein Core m3 aus der achten Generation zur Wahl. Die erste Ausgabe des Surface Go gab es nur mit einem Pentium-Prozessor. Das gegen Aufpreis auch mit LTE lieferbare Core-m3-Spitzenmodell bleibt aber Firmenkunden vorbehalten. Für private Endkunden und auch für den Bildungssektor wird es nicht angeboten. Die Pentium-Variante wird in zwei Ausstattungsstufen angeboten: Mit 4 GB RAM und 64 GB eMMC-Flash oder mit 8 GB Arbeitsspeicher und einer 128-GB-SSD. Diese Variante ist unser Testgerät.

Pentium-Gold-CPU für Education und Consumer

Den Namen „Pentium” verwendet Intel für zwei ganz verschiedene Prozessorlinien: Die eine besteht aus Modellen mit einer vom Intel Atom abgeleiteten Prozessor­architektur. Diese Pentium J- oder N-CPUs findet man oft in sehr günstigen Einsteigernotebooks oder Convertibles. Dann gibt es die Pentium G- oder Gold-Modelle, zu denen auch der Prozessor in unserem Testgerät zählt. Sie sind Ableger der Core-Prozessoren und damit komplexer und kostspieliger als ihre Atom-Vettern, auch wenn sie nur über zwei statt vier Cores verfügen.

Der Pentium Gold 4425Y im Surface Go 2 gehört zu Intels Amber-Lake-Familie, deren Mitglieder auf eine niedrige Leistungsaufnahme hin ausgelegt sind. Der Dualcore-Prozessor mit Hyperthreading und bis zu 1,7 GHz Taktfrequenz kommt im Surface Go 2 ohne aktive Kühlung per Lüfter aus. Im Gegensatz zu den Core-Prozessoren ­beherrscht er keinen Turbo-Boost, und der Smartcache ist nur 2 MB groß. Bei dem Surface Go 2 im Test kann die CPU auf 8 GB LPDDR3-1867 zugreifen. Als Massenspeicher ist eine 128 GB große Kioxa-SSD mit NVMe-Interface eingebaut. Deren Leistung liegt zwar mit 984 MB/s weit über der von SATA-SSDs, aber unter der von PCIe-SSDs in leistungsfähigeren Rechnern.

Bei der Messung der Anwendungsperformance mit Futuremark PCMark 10 erreicht das kleine Surface 1.864 Zähler. Auch das ist etwa die halbe Leistung eines Notebooks mit Core i5-10210U. Für normale Office-Anwendungen, einfache Bildbearbeitung, Websurfen oder auch Lernprogramme ist das Surface Go 2 damit auf jeden Fall schnell genug. Beim Spielen ist das Gerät mit seiner integrierten Intel-HD615-GPU für Casual-Games aus dem Microsoft-Store oder ältere Games gut geeignet. Grafisch anspruchsvollere Spiele sind nicht möglich. Bei der Akkulaufzeit macht das ohne Keyboard nur 546 Gramm schwere Tablet eine sehr gute Figur: Im Benchmark PCMark 8 reichte eine Batterieladung für fast 7,5 Stunden im Dauerbetrieb. Im Alltag sollten damit mindestens zwölf Stunden möglich sein.

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Tolles Display und ordentliche Akkulaufzeit

Verpackt ist die Hardware in ein robustes Gehäuse aus Magnesium. Die Scharniere des stufenlos ausklappbaren Kickstand auf der Rückseite des Surface Go 2 machen ­einen soliden Eindruck. Das Touchdisplay ist durch Gorilla Glass 3 geschützt. Mit seinem 3:2-Seitenverhältnis kann das kompakte Tablet auch gut hochkant wie ein Block genutzt werden. Durch die gegenüber dem erste Surface Go gestiegene Auflösung passen nun Full-HD-Videos in der Breite ohne Skalieren auf das Display. Wie bei Surface-Geräten üblich, ist die Darstellungsqualität des Panels sehr gut. Dass es spiegelt, wird bei der Nutzung im Freien bei Sonnenlicht wenigstens teilweise durch die helle Hintergrundbeleuchtung wett­gemacht.

Über dem Display sitzt die Windows-Hello-­fähige Webcam mit 5MP-Sensor und 1080p-Auflösung, die es so schon beim ­ersten Surface Go gab. Neu ist dagegen das zweite Mikrofon, das für eine bessere Tonaufnahe bei Videokonferenzen sorgt. Auf der Rückseite sitzt zusätzlich noch eine 8MP-Kamera für Schnappschüsse.

Bei den Schnittstellen waren die Microsoft-Hardwareentwickler sehr sparsam. Auf der rechten Seite des Tablets sitzen ein USB-C-Port, eine Kopfhörerbuchse und der Surface-Connect-Anschluss für das Netzteil oder Surface-Docks. Unter dem Kickstand verbirgt sich noch ein MicroSDXC-Kartenleser. Die USB-C-Buchse mit USB-3.1-Gen1-Unterstützung dient auch als DisplayPort und kann für die Spannungsversorgung des Tablets genutzt werden. Als WLAN-Adapter ist ein schneller Intel WiFi 6 AX200 mit Bluetooth 5.0 eingebaut. Das bei den Consumergeräten vorinstallierte Windows 10 Home im S-Modus kann jederzeit kostenlos in ein normales Windows 10 umgewandelt werden.

Keyboard und Stift gehören nicht zu Liefer­umfang des 605-Euro-Tablets. Das in verschiedenen Farben lieferbare und für seine Größe sehr gute Type Cover kostet knapp 130 Euro extra, der ebenfalls farbige Stift mit 4.069 Druckstufen und Neigungs­erkennung 110 Euro. Allerdings gibt es immer wieder etwas günstigere Bundle-Angebote, in denen zusätzlich noch Microsoft 365 enthalten ist. Für Schüler, beziehungsweise deren Eltern, für Studenten und Lehrkräfte gibt es einen Bildungsrabatt. In den Klassenzimmer-Paketen, die Microsoft mit verschiedenen Vertriebspartnern geschnürt hat, ist das Surface Go 2 noch nicht erhältlich, sondern bisher nur das erste Go.

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Microsoft Surface Neo: Auf die lange Bank geschoben?

Im Oktober 2019 hat Microsoft angekündigt, dass zum Jahresende 2020 das Dual-Display-Tablet Surface Neo auf den Markt kommen soll. Das Gerät mit zwei 9-Zoll-Displays und einem raffinierten dünnen Keyboard, das für den Notebook-Modus auf dem unteren Display aufgesetzt wird, soll mit Windows 10X als Betriebssystem arbeiten. Bei dieser Windows-Version mit einer neu gestalteten Oberfläche sollen herkömmliche Windows-Programme in Containern laufen, was für mehr Sicherheit sorgen soll. Als Prozessor soll eine Lakefield-CPU von Intel dienen, die als Kombination aus vier Atom-Cores und einem Ice-Lake-Core besonders sparsam ist. Ein solches Gerät wäre konzeptionell für den Bildungssektor äußerst interessant. Laut einem internen Microsoft-Memo soll das Gerät allerdings erst einmal verschoben und Windows 10X für Single-Screen-Geräte vorgezogen werden. Es wird damit zu einer Konkurrenz für Googles ChromeOS und ist damit nicht zuletzt für den US-amerikanischen Bildungsmarkt bestimmt. Auch die Containerfunktion kommt wohl erst mit Verspätung. Stattdessen könnten die Geräte Windows 10 per Cloud-Streaming für herkömmliche Windows-Software nutzen.

Das Surface Neo verfügt über zwei Touchscreens mit jeweils 9 Zoll Diagonale, die durch ein 260-Grad-Scharnier verbunden sind.
Das Surface Neo verfügt über zwei Touchscreens mit jeweils 9 Zoll Diagonale, die durch ein 260-Grad-Scharnier verbunden sind.
( Bild: Microsoft )

Fazit: Gelungene Modellpflege aber teures Zubehör

Der Hersteller hat mit dem Surface Go 2, dem kleinsten seiner Serie, eine gelungene Frischzellenkur verpasst. Es bietet ein ­etwas größeres Display, ist aber immer noch genauso kompakt wie der erste Generation. Dass der Rand um das Panel immer noch relativ breit ist, liegt zwar nicht im Notebook-Trend, sorgt aber dafür, dass man es als Tablet noch gut in der Hand halten kann, ohne ständig ins Display zu fassen. Die Leistung des Pentium-Modells ist für die Anwendungsbereiche des Go 2 absolut ausreichend, wenn man die Konfiguration mit 8 GB RAM und SSD wählt. Die Qualität des Displays ist sehr gut, ebenso wie die des Gehäuses, des Keyboards und des Stifts. Dran gemessen ist auch der Preis für das Tablet angemessen. Ein Kritikpunkt sind allerdings die unverhältnismäßig ­hohen Preise für das Zubehör.

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