Weltweite Partnerkonferenz in Houston Microsoft schnürt SaaS-Bundles und feilt am Partnerprogramm

Redakteur: Philipp Ilsemann

Mit zwei Software-as-a-Service-Paketen (SaaS) will Microsoft kleinen und mittelständischen Kunden das Thema Collaboration näher bringen. Die Online Deskless Suite und die Online Business Productivity Suite liefern Exchange, Sharepoint & Co. »aus der Steckdose«. Händler können sich über Provisionen freuen und werden künftig vielleicht von den Partnerleveln Certified und Gold Certified Abschied nehmen.

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Robert Helgerth, Direktor Mittelstand und Partner bei Microsoft, kündigte im Vorfeld der weltweiten Partnerkonferenz zwei SaaS-Pakete an.
Robert Helgerth, Direktor Mittelstand und Partner bei Microsoft, kündigte im Vorfeld der weltweiten Partnerkonferenz zwei SaaS-Pakete an.
( Archiv: Vogel Business Media )

Zum Start der weltweiten Partnerkonferenz in Houston hat Microsoft zwei Software-as-a-Service-Bundles (SaaS) angekündigt. Kernzielgruppe sind kleine und mittelständische Unternehmen, die nach einem kostengünstigen Einstieg in die Themen Messaging und Collaboration suchen.

Die Online Deskless Suite stellt Mitarbeitern, die nur selten am PC arbeiten, aber dennoch mit Kollegen und Partnern kommunizieren müssen, Basisfunktionen wie eMail, Kalender, Antivirus oder Antispam zur Verfügung. Neben dem Dienst Exchange Online Deskless kann mittels Sharepoint Online Deskless zudem auf das Sharepoint-Portal des Unternehmens zugegriffen werden.

Information Worker, die intensiv am PC arbeiten, adressiert die Online Business Productivity Suite. Dieses Bundle beinhaltet neben Funktionen des Exchange Servers 2007 (Exchange Online) und einem Sharepoint-Portal (Sharepoint Online) auch die Services Communications Online und Office Live Meeting.

Deutschland muss noch warten

Beide Pakete, deren Services auch einzeln gebucht werden können, sind in Nordamerika ab sofort verfügbar. Deutsche Kunden müssen sich noch bis zur ersten Jahreshälfte 2009 gedulden. Bis dann sollen auch die deutschen Preise feststehen. In den USA zahlen Firmen für die Online Deskless Suite drei US-Dollar pro Mitarbeiter im Monat und für die Online Business Productivity Suite 15 US-Dollar pro Mitarbeiter und Monat. Laut Mittelstands- und Partnerchef Robert Helgerth sollen sich die deutschen Preise auch in dieser Dimension bewegen.

Gleichzeitig betonte Helgerth, wie wichtig die Partner auch für das Online-Geschäft sein werden. Zwar hostet Microsoft die Dienste, etwa in dem sich derzeit im Bau befindlichen Rechenzentrum in Irland, der Verkauf der Bundles wird jedoch ausschließlich über Händler erfolgen.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Konditionen Microsoft vorgesehen hat, um das Modell für den Handel attraktiv zu gestalten.

Feste Provisionen für Reseller

Händler können von festgeschriebenen Provisionen profitieren. So erhalten Reseller nach erfolgreichem Vertragsabschluss gleich zwölf Prozent auf die Auftragssumme für das erste Jahr gutgeschrieben. Im gleichen Jahr folgen weitere sechs Prozent, die auch jedes weitere Jahr ausgezahlt werden, in dem der Kunde den Service nutzt. Im Laufe der Zeit hinzugekommene Seats werden dabei stets berücksichtigt. Die Verträge sind monatlich kündbar, zum Start muss sich der Kunde jedoch auf ein Jahr Mindestlaufzeit binden.

Abwicklung über Microsoft

Um die Rechnungsstellung bei diesen Online-Services kümmert sich Microsoft selbst. Die so genannte Adviser Fee, die an den Partner gezahlt wird, ist für den Kunden nicht sichtbar. Auf diese Weise kann der Händler zwar keine Rabatte gewähren, die 18 Prozent Marge im ersten Jahr sind ihm jedoch sicher.

Um die Services verkaufen zu dürfen, muss zuvor ein Online-Training mit anschließendem Test erfolgreich absolviert werden. Microsoft schätzt den Aufwand dafür auf etwa einen halben Tag. Robert Helgerth rechnet zudem damit, dass etwa 70 Prozent der Kunden, die sich für die Services entscheiden, Neukunden sein werden, die bislang nicht gewillt waren, in große Serversysteme zu investieren. »Gerade diese Kunden werden Microsoft-Partnern in Zukunft große Chancen für den Absatz von Softwarelösungen bieten«, ist sich Helgerth sicher.

Massive Änderungen im Partnerprogramm

Microsoft-Händler müssen sich nicht nur auf neue Vertriebsmodelle einstellen, auch das Partnerprogramm dürfte in Kürze »massive Änderungen« erfahren, wie Wolfgang Brehm, oberster Planer des Partnerprogramms in Deutschland, verrät. Das Motto lautet dabei »Evolution statt Revolution«. So sollen künftig neben der technischen Qualifikation der Partner Themen wie Vertrieb, Marketing und Projektmanagement eine wichtigere Rolle spielen. Bei den Referenzen, die für das Erreichen einer Kompetenz im Partnerprogramm Pflicht sind, will Microsoft zudem noch stärker den Aspekt der Kundenzufriedenheit berücksichtigen.

Details dürften die 7.500 Händler, die zur Partnerkonferenz nach Houston gekommen sind, in den nächsten Tagen erfahren. Doch auch langfristig wird es einige Änderungen geben.

Lesen Sie auf Seite 3, wie es mit Certified und Gold Certified Partnern weitergeht.

Das Ende von Gold und Certified?

So spielt Microsoft derzeit mit dem Gedanken, die bisherigen Partnerlevel Certified und Gold Certified durch ein neues Modell zu ersetzen. Unter dem Projektnamen »Good, Better, Best« wird derzeit ein Konzept erarbeitet, dessen Ziel es ist, die Expertise eines Partners in einer bestimmten Kompetenz für Kunden transparenter zu machen.

So kann ein Händler in der Information-Worker-Kompetenz »good« sein, im Bereich Unified Communications jedoch zu den besten seiner Klasse gehören. Auf diese Weise will Microsoft die Spezialisierung der Händler noch weiter vorantreiben und gleichzeitig das Engagement der Partner belohnen. Bis es so weit ist, kann jedoch noch einige Zeit ins Land gehen. »Das Projekt ist auf Jahre ausgelegt«, erklärt Wolfgang Brehm, der gleichzeitig einige neue Zahlen zum Channel auf den Tisch legte.

Security und Unified Communications boomen

So konnte Microsoft die Zahl der deutschen Certified- und Gold-Certified-Partner im vergangenen Jahr noch einmal steigern – von 2.200 auf 2.300. Förmlich explodiert ist mit einem Wachstum von jeweils über 200 Prozent dabei die Zahl der Partner in den Kompetenzen Security und Unified Communications, die beide nun annähernd 200 Reseller führen. Ebenfalls zulegen konnte der Bereich Systems Management, der um 73 Prozent auf 57 Partner anwuchs.

Eine Erfolgsbilanz zieht Brehm auch für die Karriereplattform MS Employ. Das im Herbst ins Leben gerufene Recruitment-Portal konnte in der vergangenen Woche die Marke von 5.000 Bewerbern knacken. Rund 54 Prozent davon sind derzeit bei einem Unternehmen beschäftigt. Mit über 700 Certified- und Gold-Certified-Partnern nutzt mehr als ein Drittel des deutschen Channels bereits die Plattform.

IT-BUSINESS vor Ort

Und auch die deutsche Teilnehmerzahl an der weltweiten Partnerkonferenz steigt permanent an. Mit 341 Resellern nehmen zehn Prozent mehr Händler als im Vorjahr an der Veranstaltung in Texas Teil. IT-BUSINESS.de ist für Sie vor Ort und hält Sie auch in den kommenden Tagen über die News des Microsoft-Events auf dem Laufenden.

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