Deutliches Entgegenkommen im Kartellstreit vor dem geplanten Windows-7-Verkaufsstart Microsoft macht der EU weitreichendes Angebot im Browser-Streit

Redakteur: Harry Jacob

Um sich nicht der Gefahr neuer Kartellstrafen auszusetzen, hat Microsoft den Kartellwächtern der Europäischen Union ein neues Angebot unterbreitet. Nun könnte die von der Politik gewollte Wahlfreiheit bei der Browser-Installation doch noch Wirklichkeit werden.

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So könnte, laut der von Microsoft bei der EU-Kommission eingereichten Unterlagen, künftig das Auswahlfenster während der Windows-Installation aussehen, in dem der Nutzer seinen Wunschbrowser auswählt.
So könnte, laut der von Microsoft bei der EU-Kommission eingereichten Unterlagen, künftig das Auswahlfenster während der Windows-Installation aussehen, in dem der Nutzer seinen Wunschbrowser auswählt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Bereits 1,7 Milliarden Euro Bußgelder hat die EU wegen Kartellrechtsverstößen gegen Microsoft verhängt. Fast immer ging es um die Koppelung bestimmter Anwendungen an das Betriebssystem, wie dem Windows Media Player oder dem Internet Explorer. Und auch bei der kommenden Betriebssystem-Generation Windows 7, die ab dem 22. Oktober in den Handel kommen soll, drohte dem Software-Riesen wieder Ärger mit der EU. Nun hofft Microsoft, die Wettbewerbswächter zufrieden stellen zu können.

Der erste Vorschlag, den Internet Explorer 8 vorzuinstallieren, dem User aber über einen Menüpunkt die Möglichkeit zu eröffnen, den Browser ein- oder auszuschalten, war von der EU-Kommission abgelehnt worden. Danach entschloss sich Microsoft zur Radikalkur: es sollte eine Version „E” (für Europa) geben, die überhaupt keinen Webbrowser enthielt. Das verstanden die Brüsseler aber auch nicht unter Wahlfreiheit, denn mit dieser Version hätte man nicht einmal einen Browser aus dem Internet nachladen können.

Endlich Entgegenkommen

Nun kommt der „Ballot Screen” ins Spiel, ein Auswahlfenster, in dem bei der Installation oder bei der ersten Nutzung von Windows 7 eine Auswahl der gängigsten Browser zum Download beziehungsweise zur Installation angeboten wird. Die Reihenfolge soll sich an den Marktanteilen in Europa orientieren, allerdings nur ein Browser pro Hersteller zugelassen sein. Die Zahl der Angebote soll zudem auf zehn beschränkt werden. Diverse Interface- und Bibliotheks-Dateien aus dem Umfeld des Internet Explorer werden aber auch dann installiert sein, wenn der IE 8 abgewählt wurde. So soll sichergestellt werden, dass Anwendungen von Dritthersteller, die gewöhnlich auf den Microsoft-eigenen Webbrowser aufsetzen, auch weiterhin lauffähig sind. Details zu dem Angebot des Software-Konzerns an die Europäische Kommission finden sich auf der dieser Microsoft-Website. Eine deutschsprachige Zusammenfassung der wichtigsten Punkte liefert dieser österreichische Windows-Blog.

Zustimmung steht noch aus

Die Antwort der Kartellwächter ließ nicht lange auf sich warten: man habe das neue Angebot wohlwollend zur Kenntnis genommen. Nun müsse man prüfen, ob der Vorschlag in der Praxis dafür geeignet ist, die gewünschte Wahlfreiheit bei der Browser-Installation zu gewährleisten, heißt es aus Brüssel. Microsoft hofft nun auf eine schnelle Entscheidung, damit die möglichen Änderungen noch rechtzeitig vor dem Verkaufsstart von Windows 7 umgesetzt werden können. Ansonsten müsste Microsoft das Feature per Windows-Update nachliefern.

Diesen Weg muss Microsoft auf alle Fälle beschreiten: die ersten Installationen werden bei den PC- und Notebook-OEMs bereits aufgespielt. Und auch für Nutzer mit installiertem Windows XP und Windows Vista könnte der jetzt von Microsoft gemachte Vorschlag noch per Windows-Update kommen. Ihnen würde die nun vorgeschlagene Version zudem eine direkte Upgrade-Möglichkeit zu Windows 7 eröffnen - ein browserloses Windows 7 "E" hätte auf jeden Fall eine komplette Neuinstallation bedeutet. Würden sich Microsoft und die EU auf den neuen Vorschlag einigen, könnten sie einige besonders dicke Akten schließen.

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