EU Chips Act Mehr Sicherheit durch Chips „made in EU“?

Die Europäische Kommission schlägt mit dem EU Chips Act ein Maßnahmenpaket vor, um die Versorgungssicherheit, Resilienz und technologische Führungsrolle der EU im Bereich Halbleitertechnologien und -anwendungen zu sichern.

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Die EU-Kommission schlägt ein Chip-Gesetz vor, um die Halbleiterknappheit anzugehen und Europas technologische Führungsrolle zu stärken.
Die EU-Kommission schlägt ein Chip-Gesetz vor, um die Halbleiterknappheit anzugehen und Europas technologische Führungsrolle zu stärken.
(© EU/Mauro Bottaro)

Dank des Europäischen Chip-Gesetzes wird die EU über die erforderlichen Instrumente, Kompetenzen und technologischen Fähigkeiten verfügen, um sich bei Entwurf, Fertigung und Packaging fortgeschrittener Chips an die Spitze zu setzen, ihre Versorgung mit Halbleitern zu sichern und ihre Abhängigkeiten zu verringern, so die EU-Kommission.

Margrethe Vestager, die für das Ressort „Ein Europa für das digitale Zeitalter“ zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin, erklärte: „Wir sollten uns nicht auf ein einziges Land oder ein bestimmtes Unternehmen verlassen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wir müssen gemeinsam mehr tun – in Forschung, Innovation, Entwurf und Produktion – um sicherzustellen, dass Europa als wichtiger Akteur in der globalen Wertschöpfungskette gestärkt wird.“

Die neuen Maßnahmen sollen Europa dabei helfen, bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent am Chip-Weltmarkt zu erobern. Die Mitgliedstaaten sind nun gehalten, unverzüglich mit Koordinierungsbemühungen im Einklang mit der Empfehlung für den EU Chips Act zu beginnen, um die aktuelle Lage in der Halbleiter-Wertschöpfungskette in der gesamten EU zu verstehen, möglichen Störungen vorzugreifen und Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, um die derzeitige Knappheit bis zur Annahme der Verordnung zu überwinden.

Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten werden den Vorschlag der EU-Kommission für das Europäische Chip-Gesetz im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren erörtern. Sobald die Verordnung verabschiedet ist, wird sie unmittelbar in der gesamten EU gelten.

Folgen aus dem EU Chips Act

Zu den Folgen, die der EU Chips Act haben soll, gehören:

  • eine Stärkung der Halbleiter-Wertschöpfungskette, um die Versorgungssicherheit für europäische Unternehmen zu gewährleisten, die Chips in ihren Produkten verwenden. In dieser Hinsicht wird die Annahme von in der EU als vorrangig eingestuften Aufträgen, wie auch im vorgeschlagenen Chip-Gesetz vorgesehen, eine Rolle spielen.
  • ein positiver Beitrag, um qualifizierte Arbeitskräfte nach Europa zu holen.
  • positive Auswirkungen auf Innovationen in Europa, die für KMU und Endnutzer vorteilhaft sind. In dieser Hinsicht wird die im vorgeschlagenen Chip-Gesetz als Voraussetzung für die Anerkennung von „offenen EU-Fertigungsbetrieben“ und „integrierten Produktionsstätten“ festgelegte Verpflichtung, in Innovationen zu investieren, eine Schlüsselrolle spielen.

Doch hat der EU Chips Act auch Vorteile für das Ziel der EU, die Cybersicherheit zu stärken?

Was die deutsche Wirtschaft darüber denkt

Bitkom-Präsident Achim Berg.
Bitkom-Präsident Achim Berg.
(Bild: Till Budde)

„Der EU Chips Act ist ein wichtiger Meilenstein, um die Halbleiterindustrie in Europa zu stärken“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Für Europa und Deutschland muss es darum gehen, im Wettbewerb um Technologien und Innovationen auf Augenhöhe mit globalen Vorreitern wie den USA und Asien zu gelangen – als starker, selbstbewusster, digital souveräner Player. Wichtig ist dabei, die Offenheit gegenüber dem Weltmarkt und komplexen globalen Lieferbeziehungen zu bewahren.“

Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.
Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.
(Fotograf: Christian Kruppa)

Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, betont: „In der Chipherstellung unabhängiger zu werden, ist integraler Bestandteil einer auf Resilienz ausgerichteten europäischen Industriepolitik. Mit zunehmenden geopolitischen Spannungen und hohen staatlichen Subventionen in die Halbleiterfertigung durch Staaten wie China und die USA verschärft sich der technologische Wettkampf. Die europäische Halbleiterstrategie muss diesen Entwicklungen und dem Bedarf der Industrie in Europa Rechnung tragen.“

Das sagen Security-Experten

eco Vorstand IT-Sicherheit Prof. Dr. Norbert Pohlmann.
eco Vorstand IT-Sicherheit Prof. Dr. Norbert Pohlmann.
(Bild: eco)

„Der Chips-Act wird positive Auswirkungen auf die Bereiche KI und Edge-Computing sowie Cybersicherheit in Europa entfalten“, ist sich eco Vorstand IT-Sicherheit Prof. Dr. Norbert Pohlmann sicher. „Aus der mit dem Act geförderten Produktion sollen unter anderem moderne und leistungsfähige Leading-Edge-Chips hervorgehen sowie die Souveränität der IT in der EU gestärkt werden“. Prof. Pohlmann ergänzt: „Das industriepolitische Vorhaben antizipiert eine Nachfrage in Europa und damit eine unabhängigere Gestaltung unserer digitalen Zukunft. Darüber hinaus haben sich die Mitgliedstaaten bereits vor der Veröffentlichung des Acts darauf verständigt, gemeinsame Standards für die Zertifizierung vertrauensvoller Elektronik von beispielsweise kritischen Infrastrukturen zu erarbeiten und diese auch bei der öffentlichen Beschaffung zu berücksichtigen. Damit kann eine vertrauenswürdige IT-Infrastruktur aufgebaut werden, die zu einer höheren Akzeptanz führen wird."

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Dr. André Kudra, Leiter des TeleTrusT-Arbeitskreises "Secure Platform".
Dr. André Kudra, Leiter des TeleTrusT-Arbeitskreises "Secure Platform".
(Bild: TeleTrusT)

André Kudra, Leiter des TeleTrusT-Arbeitskreises "Secure Platform", sieht ebenfalls Security-Vorteile: „Der EU Chips Act ist ein beherzter, wichtiger Schritt auf dem Weg zur Digitalen Souveränität. Seine Ausrichtung auf die gesamte Produktionskette, d. h. Design, Fabrikation und Assembly, ist konsequent und richtig. Die Produktionskapazität wird beherrschbarer, Lieferengpässe lassen sich vermeiden“, meint André Kudra. „Zusätzlich ist verbesserte Cybersicherheit eine wünschenswerte Folgewirkung. Dazu ist eine „Inhaltskompetenz“ unabdingbar: Um Schwachstellen oder unter Umständen sogar Backdoors in Chips entdecken und beheben zu können, ist mindestens eine Auditierung der Designs und Fertigungsprozesse erforderlich. Chipdesigns für massenwirksame Anwendungen kommen heute nicht aus Europa. Idealerweise kommen perspektivisch durch den Chips Act europäische, offene und breit einsetzbare Designs zustande.“

Das Risiko der Hardware-Schwachstellen

Offensichtlich könnte der EU Chips Act gleich mehrfach die Security stärken, durch die Erhöhung der digitalen Souveränität und Versorgungssicherheit, aber auch durch eine hoffentlich bessere Umsetzung von Security by Design bei der Chip-Produktion.

Der Bedarf für eine höhere Chip-Sicherheit liegt auf der Hand, wenn man an die Risiken durch Hardware-Schwachstellen denkt. Man erinnere sich zum Beispiel an eine Warnung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus dem Jahr 2019: „Das BSI stellt derzeit eine Vielzahl an kritischen Schwachstellen fest, nicht zuletzt in aktueller Chip-Hardware. Es zeigt sich erneut, wie wichtig Software-Qualität ist und welche Bedeutung Security by Design und Security by Default einnehmen müssen.“

Bleibt zu hoffen und zu erwarten, dass der EU Chips Act auch in dieser Hinsicht Fortschritte für die Sicherheit in der EU bringen wird.

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