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Bitkom: IT-Mittelstandsbericht 2019

Mehr Arbeitsplätze, weniger Umsatz im IT-Mittelstand

| Autor: Sarah Gandorfer

Der Mittelstand schafft neue Arbeitsplätze.
Der Mittelstand schafft neue Arbeitsplätze. (Bild: vegefox.com - stock.adobe.com)

Der IT-Mittelstand beurteilt die Geschäftslage aktuell als sehr gut. Im Laufe eines Jahres sind 20.000 Arbeitsplätze geschaffen worden. Ein Wermutstropfen jedoch ist der leichte Umsatzrückgang.

Der Bitkom vertritt mehr als 2.600 deutsche Unternehmen der digitalen Wirtschaft, unter ihnen gut 1.000 Mittelständler, über 500 Startups und einige Global Player. Nun hat der Digitalverband seinen „IT-Mittelstandsbericht 2019“ veröffentlicht. In einer monatlichen Konjunkturumfrage gemeinsam mit dem Ifo-Institut wurden die Erwartungen des Mittelstands an ihr Geschäft ermittelt. Diese verbesserten sich von April auf Mai 2019 zwar um 5,7 auf 50,2 Punkte, gehen aber seit etwa Mitte 2017 im Durchschnitt zurück und liegen noch unter dem Niveau der Jahre 2014 bis 2017.

Für die Entwicklung von Beschäftigung (33,0 Punkte) und Preisen (13,5 Punkte) liegen die Erwartungen für die nächsten sechs Monate jeweils nahe am langjährigen Maximalwert. Das bedeutet, dass eine deutliche Mehrheit der Unternehmen für die kommenden Monate von steigenden oder zumindest stabilen Umsätzen ausgeht.

Tausende neue Arbeitsplätze

Innerhalb eines Jahres haben mittelständischen IT-Unternehmen rund 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze hierzulande geschaffen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Firmen mit zehn bis 499 Mitarbeitern stieg um vier Prozent auf gut 495.000. Allerdings gingen gleichzeitig die Umsätze leicht um ein Prozent auf 73 Milliarden Euro zurück. Nach Angaben des Verbands stehen die 11.162 mittelständischen IT-Unternehmen für 35 Prozent des Umsatzes und 56 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der deutschen Informationstechnik.

„Der IT-Mittelstand schafft jedes Jahr Tausende neuer Jobs. Aber die immer schwieriger werdende Suche nach qualifiziertem Personal begrenzt bei vielen Unternehmen das Wachstum“, erklärt der Mittelstandssprecher des Bitkom, Dirk Röhrborn. Der Verband schätzt die Zahl der fehlenden IT-Spezialisten auf 82.000.

Um dem Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken, pocht der Verband bereits in der Schule auf die Förderung digitaler Kompetenzen. Zudem sollte in der Berufs- und Studienorientierung intensiver für IT-Berufe geworben werden. Auch das Angebot an Informatik-Studiengängen sollte ausgebaut werden, etwa in Kombination mit Ingenieur- und Sozialwissenschaften. Aber er nimmt auch die künftigen Arbeitgeber in die Pflicht. Diese müssen die duale Berufsausbildung und das duale Studium stärken. Noch dazu wünscht der Bitkom eine verbesserte Zuwanderungspolitik bei Fachkräften.

Des Weiteren stellt der Bitkom Forderungen an die Politik: Das Arbeitsrecht müsse an die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters angepasst werden, etwa um dem zunehmenden Wunsch nach mehr selbstbestimmtem Arbeiten gerecht zu werden.So kollidiert beispielsweise die vorgeschriebene elfstündige Ruhepause mit den Tagesabläufen vieler Homeworker. Sinnvoll sei zudem die Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

Forderungen an die Politik

Neben den fehlenden Fachkräften bemängelt der Bitkom zudem die schlechte Infrastruktur in ländlichen Gebieten und fordert den zügigen Ausbau von Breitband- und 5G-Mobilfunknetzen. Bis 2025 sollten Gigabit-Infrastrukturen auf Basis eines Technologiemixes verfügbar sein. In Gebieten, in denen sich ein privatwirtschaftlicher Ausbau nicht rechnet,sei die öffentliche Hand gefragt. Um die Mobilfunknetze auf den neuesten Standard aufzurüsten und Funklöcher zu schließen, brauche es einfachere, standardisierte Antrags- und Genehmigungsverfahren.

Die von Rechenzentren komplett abhängige Internetwirtschaft erzielt allein in der Bundesrepublik einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Euro jährlich. Dabei sind Rechenzentren aufgrund der extrem hohen Strompreise hierzulande gegenüber Standorten im Ausland deutlich benachteiligt. Die zunehmende anteilige Verlagerung dieser wichtigen Dienstleistung ins Ausland gefährdet mittelfristig die digitale Souveränität Deutschlands.

Damit Rechenzentren internationalen Wettbewerb schritthalten können, braucht es niedrigere Strompreise in Deutschland. Eine Befreiung der Rechenzentren von der EEG-Umlage soll die Chancengleichheit im europäischen Umfeld verbessern. Zumal Rechenzentren einen deutlichen Beitrag zur CO₂-Reduktion bei der Wärmeversorgung leisten könnten. Dafür sollten die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Nutzung industrieller Abwärme, auch solcher mit niedrigeren Temperaturen, günstiger als die Nutzung von Primärenergie ist.

Gefordert wird außerdem eine Entlastung bei der digitalen Betriebsprüfung für Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und eine mittelstandsfreundliche Anwendung des Vergaberechts für mehr Chancengleichheit bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.

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