Maxdata stoppt kurzfristig den Kauf von Yakumo

Autor / Redakteur: Harry Jacob, Redaktion IT-BUSINESS NEWS / Harry Jacob

Zwei Monate ist es her, dass der Marler PC- und Bildschirmhersteller Maxdata die Übernahme des Wettbewerbers Yakumo ankündigte. Die plötzliche Absage wirft Fragen auf.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Fast euphorisch klang die Mitteilung von Anfang Oktober: Maxdata werde in das Privatkundensegment einsteigen, hieß es da, und zu diesem Zweck werde die Yakumo GmbH übernommen. Der Hersteller, der von Dr. Jürgen Rakow geleitet wird, sollte mit seinen Kunden nicht nur den schnellen Zugang zum anvisierten Marktsegment verschaffen, sondern auch Synergien in der Herstellung bringen. Eine gemeinsame Produktion hätte durch Skaleneffekte, wie bessere Konditionen beim Einkauf und höhere Auslastung der Produktionsbänder in Marl, beiden Marken Preisvorteile verschafft.

Doch nun ist alles aus. Wie Maxdata-Chef Thomas Stiegler vorigen Montag bekannt gab, wird Marler Konzern die Yakumo GmbH und die entsprechende Marke nicht übernehmen. Im Laufe der Übernahmeverhandlungen habe man zusätzliche Informationen erhalten, die erkennen ließen, dass zum einen die Synergieeffekte nicht so hoch ausfallen würden wie ursprünglich erwartet, zum anderen das angestrebte Wachstum von Yakumo mehr Liquidität binden würde als geplant, teilte Stiegler mit.

Wege und Mittel

Der Vorstand von Maxdata habe daher den Beschluss gefasst, den im Oktober angekündigten Kauf zu stoppen. Stiegler gab gegenüber der Fachpresse an, dass man auch künftig an dem Plan festhalte, ins Privatkundensegment einzusteigen. „Unsere Strategie ist weiterhin richtig, nicht richtig aber ist das Mittel, dies über einen Einstieg bei Yakumo zu tun“, so der Maxata-Chef. Man werde nun überlegen, wie Maxdata diese Strategie anderweitig umsetzen könne.

Er trat aber auch Spekulationen entgegen, dass es einen Liquiditätsengpass bei Maxdata gebe. „Das Unternehmen selbst ist hinreichend finanziert und hat gute Kreditlinien.“ Der Vorstand habe aber neue Erkenntnisse bezüglich Yakumo in einen „angemessenen Entschluss“ umgesetzt und sich darauf verständigt, die vorhandenen Ressourcen nicht im Übermaß durch den Kauf zu binden, sondern in die Kernbereiche von Maxdata zu investieren.

Viele Fragen bleiben offen

Yakumo-Chef Rakow wollte sich zum Verhalten Maxdatas nicht äußern, sondern verwies auf die Kommunikationspolitik der Marler: „In dieser Sache hat bisher Maxdata das Wort geführt, das sollen sie auch weiter tun.“ Bei Yakumo ändere sich nach der Absage nichts, man werde weitermachen wie bisher. Zum Thema Liquiditätsbedarf, den Maxdata ins Spiel gebracht hatte, antwortete Rakow ebenfalls sibyllinisch: „Wir hatten dafür bisher eine Lösung, warum sollen wir die jetzt nicht mehr haben?“

Undurchsichtig ist auch die Rolle des Aufsichtsrats-Chefs Siegfried Kaske. Er ist an beiden Unternehmen beteiligt und hat möglicherweise versucht, aus zwei Verlustbringern eine Erfolgsfirma zu schmieden.

Offen bleibt die Frage, wie es nun bei Maxdata weitergeht. Die starken Umsatzeinbrüche im laufenden Jahr – 86,5 Millionen in den ersten drei Quartalen – haben das Problem der Überkapazitäten in der Marler Produktion verschärft. Unter dem Eindruck der geplanten Übernahme hatte Stiegler im Oktober noch erläutert, dass die Absatzschwäche hauptsächlich dem fehlenden Retail-Kanal geschuldet sei, und der Yakumo-Kauf daher gleich mehrere Probleme zugleich löse. Die bleiben Maxdata nach der jüngsten Entscheidung erhalten.

Update: Yakumo beendet im Sommer 2007 das operative Geschäft

Wie Ende Januar 2007 bekannt wurde, will der HErsteller Yakumo das operative Geschäft herunterfahren - vermutlich auf null -, und die „Pause“ nutzen, einen neuen Investor zu finden. Marktgerüchten hat Kaske auch hier die Entscheidung befördert. Er sei nicht länger bereit gewesen, die Produktion vorzufinanzieren, hieß es aus unternehmensnahen Kreisen. Dies wirft natürlich ein neues Licht auf seine Rolle bei der versuchten Zusammenlegung von Maxdata und Yakumo.

Kommentar: Das Gegenteil von Win-Win

Kaum hatte Maxdata bekanntgegeben, Yakumo übernehmen zu wollen, gab es Kritik: Zu wenig Bekanntheit des Brands, sinkende Umsätze, hoher Liquiditätsbedarf. Wie kann das jetzt ein „neuer Informationsstand“ sein? Einleuchtend klingt das nicht, und es beschädigt beide Unternehmen. Maxdata, weil sich der Vorstand fragen lassen muss, ob er blauäugig war, und Yakumo, weil der Eindruck entsteht, dass die Geschäfte schlechter laufen als vermutet.

Eine plausiblere Erklärung wäre ein Szenario, nach dem Aufsichtsrats-Chef Siegfried Kaske – Miteigentümer beider Firmen –, dem Maxdata-Vorstand den Deal schöngeredet hat. In Kenntnis aller Details mussten die Vorstände am Ende aber die Notbremse ziehen. Alles nur Spekulation...?

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