Neue Produktkategorien aus China Lenovo startet Server-Geschäft mit Think-Servern

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Der chinesische IT-Riese Lenovo liefert seit Ende September Server an den Fachhandel aus, die kleinere und mittelgroße Unternehmen adressieren. Der chinesische Mutterkonzern hat noch mehr Produktkategorien auf Lager. Die Deutschland-Chefs von Lenovo, Intel und Microsoft zeigten auf einer Launch-Veranstaltung, wohin die Reise geht.

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Lenovo-Deutschland-Chef Marc Fischer will in zwei bis drei Jahren mindestens 10 Prozent vom deutschen Server-Markt für sich verbuchen können.
Lenovo-Deutschland-Chef Marc Fischer will in zwei bis drei Jahren mindestens 10 Prozent vom deutschen Server-Markt für sich verbuchen können.
( Archiv: Vogel Business Media )

Seit dem 30. September liefert Lenovo Server aus. Der Einstieg in die neue Produktkategorie erfolgt über den Brand »Think-Server«. Lenovos Server-Linie umfasst zunächst fünf Modelle. Drei der x86-Server sind Tower-, zwei sind Rack-Modelle. Die Rechner adressieren kleine und mittelgroße Unternehmen in der Größe zwischen einem und 500 Mitarbeitern. Think-Server werden entweder mit dem Betriebssystem Microsoft Windows Server oder mit Novells Suse Linux Enterprise angeboten. Oberflächlich betrachtet tritt Lenovo mit dem Server-Portfolio erstmals in direkte Konkurrenz zu IBM – dem Konzern, dem Lenovo die PC-Sparte und die Marke »Think« abgekauft hat. Bislang wurde der Eindruck erweckt, die beiden Unternehmen hätten sich arrangiert, sich im Westen nicht gegenseitig auf die Füße zu treten. Immerhin zählt Lenovo zu den bevorzugten Lieferanten an Notebooks in IBM-Projekten. Zudem herrscht eine Kooperation in Sachen Service. Und zu guter Letzt sind viele Lenovo- und IBM-Mitarbeiter ehemalige Kollegen aus der Zeit, bevor das chinesische Unternehmen die PC-Sparte von Big Blue übernommen hat.

Lenovo und IBM sind Freunde

Wenn man genauer hinsieht, steht der Freundschaft IBM-Lenovo aber auch weiterhin nichts im Weg: Wie Intels Deutschland-Chef Hannes Schwaderer auf einer Launch-Veranstaltung in München ausführte, hält IBM bei Ein-Wege-Servern nur fünf Prozent Marktanteile im SMB-Markt und bei den Zwei-Wege-Servern 10,7 Prozent in diesem Marktsegment, das Lenovo nun adressiert. Marc Fischer, der das Lenovo-Geschäft in Deutschland verantwortet, erläuterte dazu, dass IBM den Erfolg von Lenovo im SMB-Markt durchaus zur Kenntnis genommen habe. »Deswegen haben IBM und Lenovo ein Lizenzabkommen über IBM-Servertechnologie getroffen.« Dieses Abkommen habe IBM schon Anfang des Jahres kommuniziert, um ein Signal zu setzen und sich früh an Lenovo zu binden.

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Zu den Zielen sagte Fischer, dass in einem überschaubaren Zeitraum, etwa zwei bis drei Jahre, ein signifikanter Marktanteil, also in einer Höhe von mindestens zehn Prozent erreicht werden soll.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, mit welchen Tools im Channel gepunktet werden soll.

Tools für den Channel

Lars Henkel, Business Development Manager bei Lenovo, erläuterte, wie der SMB-Servermarkt erobert werden soll. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Support. Zwei Zeiträume im Leben eines Servers bereiten den SMB-Kunden erfahrungsgemäß Kopfzerbrechen. Die ersten Wochen mit der Inbetriebnahme und Konfiguration sind schwierig, dann laufen die Server meist »ohne Probleme durch«, bis nach vier bis fünf Jahren die Materialermüdung ihren Tribut fordert. Den kompletten ersten »Sorgenzeitraum« deckt Lenovo dadurch ab, dass jeder Rechner mit 90 Tagen »Think-Plus Priority Support« mit Reaktion am nächsten Tag, 24 Stunden Soft- und Hardware-Telefon-Support an sieben Tagen der Woche geliefert wird. Das Paket kann noch ausgebaut werden, beispielsweise um Vor-Ort-Service innerhalb von vier Stunden.

Erleichterung im Tagesgeschäft soll zudem ein Online-Server-Konfigurator bieten, der nur sinnvolle Konfigurationen zulässt. Wenn beispielsweise eine bestimmte Raid-Stufe angestrebt wird, muss auch die richtige Anzahl an Festplatten geordert werden. Für jede Konfiguration wird eine einmalige Server-Konfigurationsnummer erstellt. Diese soll später in die Order-Tools der Distribution berücksichtigt werden.

Achim Berg kündigt neue Server-Software an

Deutschlands Microsoft-Oberster Achim Berg verriet, dass zum 13. beziehungsweise 31. Oktober auch von Microsoft neue Produkte für den SMB-Server-Markt verfügbar sein sollen. Unternehmen mit fünf bis 50 Nutzer adressiert dann das Produkt »Small Business Server 2008«; Firmen mit 25 bis 300 Nutzer und eigener IT-Abteilung soll der »Essential Business Server 2008« ansprechen. Beide Versionen werden von Lenovo über das Konfigurations-Tool für die SMB-Server erhältlich sein, neben Windows Server 2008 und Suse Linux Enterprise Server in der Version 10.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Lenovo im chinesischen Portfolio hat und mit welchen Modellen und Software-Tools der deutsche Markt eröbert werden soll.

Das Portfolio aus China

Lenovo hat sein Portfolio in den vergangenen Monaten sukzessive erweitert. Consumer-PCs, Netbooks, Server – was kommt als nächstes? Immerhin erwartete die IT-Branche bereits kurz nach der Übername der PC-Sparte von IBM eine fernöstliche Produktschwemme. In den ersten Ankündigungen der damals frisch von IBM übernommenen Lenovo-Manager war anfangs stets die Rede von bisher ungeahnten Möglichkeiten – mit Blick auf die breite Produktpalette des Konzerns in China. Riesige Stückzahlen an Consumer-Rechnern setzt Lenovo als Marktführer im heimatlichen China bis heute ab. Server rollen in China vom Band. Beide Bereiche wurden nun auch auf westliche Gefilde übertragen. Doch das chinesische Lenovo-Portfolio ist noch breiter und umfasst beispielsweise Drucker, PDAs und Mobiltelefone. Insbesondere im Projektgeschäft gilt es als Verkaufsargument »alles aus einer Hand« liefern zu können. Man darf also gespannt sein, was Lenovo den Kunden in Deutschland noch alles anbieten wird.

Die Modellauswahl

Das Tower-Modell TS100 und die Platz sparende Rack-Variante RS110 sind für kleine Unternehmen konzipiert, die einen Server für den eMail-Verkehr, die Datenspeicherung oder einen Webserver benötigen. Beide Server-Modelle sind mit Intel-Core-2-Duo-, Xeon-3000- oder Xeon-3200-Prozessoren bestückt. Bis zu acht Gigabyte Speicher sind vorgesehen.

Der TD100 Tower sowie die Variante TD100X und das Rack-Modell RD120 verfügen über Intel-Xeon-3000 oder -5000-Prozessoren. Ihr Speicher umfasst bis zu 48 Gigabyte. Sie ermöglichen neben den genannten Standardaufgaben eines Unternehmens-Servers auch rechenintensivere Anwendungen wie beispielsweise Virtualisierung oder Datenbankanwendungen.

Server-Management-Software von Lenovo

Die ersten Lenovo-Server in westlichen Gefilden werden mit einem Management-Tool-Paket ausgeliefert. Dieses umfasst:

  • Think-Server Easy-Startup: ein Hardware-Konfigurationstool für die Erstinstallation.
  • Think-Server Easy-Update: Diese Update-Hilfe dient der Identifikation, dem Download und der Installation von Firmware-Updates.
  • Think-Server Easy-Manage: ein Tool, das zusammen mit Landesk entwickelt wurde und zur Leistungskontrolle der eingesetzten Server dient.

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