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Komsa: Unternehmensführung auf die schwedische Art

| Autor: Michael Hase

Gunnar Grosse hat den Distributor Komsa - rechts das Hauptgebäude in Hartmannsdorf - gegründet, aufgebaut und auf dem Weg zu einem 1,2-Milliarden-Euro-Unternehmen geführt.
Gunnar Grosse hat den Distributor Komsa - rechts das Hauptgebäude in Hartmannsdorf - gegründet, aufgebaut und auf dem Weg zu einem 1,2-Milliarden-Euro-Unternehmen geführt. (Bilder: Komsa)

Gunnar Grosse hatte eine erfolgreiche Karriere in Schweden hinter sich, als er nach dem Fall der Berliner Mauer einen Neuanfang in Sachsen wagte. In der Kultur des von ihm gegründeten Distributors Komsa lässt sich ein skandinavischer Einfluss deutlich wahrnehmen.

Politische Ereignisse lenken eine Biografie mitunter in eine andere Richtung. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, arbeitete Gunnar Grosse, damals 50 Jahre alt, im Vorstand von Folksam, einer der größten Versicherungen Schwedens. Im Ende des Sozialismus erkannte der Topmanager für sich die Chance, sein Glück als Entrepreneur in der Region seiner Vorfahren zu suchen. Sein Vater, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Schweden ausgewandert war, stammte aus Hartmannsdorf in Sachsen.

Grosse traf 1990 die Entscheidung, in die 4.500-Seelen-Gemeinde bei Chemnitz zu ziehen und dort etwas aufzubauen. Diesem außergewöhnlichen Schritt verdankt die Kommunikation Sachsen AG, kurz Komsa, heute einer der größten ITK-Distributoren in Deutschland, ihre Entstehung. Bis Mitte 2017 stand der Gründer als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Konzerns, der mehr als 1.500 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro erzielt. Auch wenn er sich mittlerweile aus der ersten Reihe zurückgezogen hat, begleitet er die Entwicklung von Komsa weiterhin aktiv als Aufsichtsrat.

Auf seinen Anteil am Erfolg des Unternehmens angesprochen, vergleicht Grosse die Organisation gern mit einem Orchester, dem die Aufführung eines Werks nur dann gelingt, „wenn alle Mitwirkenden ihre Kraft und ihr Können einsetzen und dem Ganzen Leben einhauchen“. In dem Bild drückt sich ein sympathischer Charakterzug vieler Schweden aus, die ungern eigene Leistungen herausstellen, um sich von anderen abzuheben.

Flache Hierarchien

Ein schwedischer Einfluss lässt sich auch in der Kultur des Unternehmens wahrnehmen. Bis heute redet man sich bei Komsa, vom Azubi bis zum Vorstand, gegenseitig mit „du“ an. Auf Visitenkarten gab es anfangs keine Titel. Flache Hierarchien, viel Verantwortung bei Einzelnen und geringe Distanz zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern bestimmen den Umgang miteinander. „Man darf nicht den Fehler machen, in deutsches Hierarchiedenken zu verfallen“, erläutert Grosse, warum er eine solche Kultur für sinnvoll hält. „Je weiter eine Ebene vom Kunden entfernt ist, desto weniger weiß sie von ihm.“ Deshalb liegt bei Komsa ein hohes Maß an Entscheidungskompetenz auf Ebene der Einheiten, die in direktem Kontakt zu den Fachhändlern stehen. Der Vorstand entwickelt die Visionen und bestimmt die Strategie.

Bei allem skandinavischen Understatement, um das er sich bemüht, ist und bleibt der gebürtige Stockholmer eine starke Führungspersönlichkeit, die das Unternehmen tief geprägt hat. In Sitzungen redet er nach wie vor gern und viel – nicht aus Geltungsdrang, sondern um andere für seine Vision zu begeistern und um sie von Werten, die er für richtig hält, zu überzeugen. „Predigen“ nennt Grosse das. Greift man das von ihm bemühte Bild auf, dann füllte er im Komsa-Orchester die Rolle des Dirigenten aus, der seine Musiker 25 Jahre lang mit profundem Wissen und großer Erfahrung geleitet hat. Und er hat diese Rolle genossen: „Wenn die Scheinwerfer angingen, stand ich im Licht.“

Ergänzendes zum Thema
 
Begnadeter Netzwerker in Sachen Komsa

In der Belegschaft ist man sich durchaus bewusst, dass der Distributor ohne die Fähigkeiten Grosses, ohne sein unternehmerisches Geschick und ohne sein Talent als Netzwerker (siehe „Ergänzendes zum Thema“) nicht den Erfolg gehabt hätte. Nicht zuletzt daraus erklärt sich die große Wertschätzung, die man ihm in Hartmannsdorf entgegenbringt – und ihm deutlich zeigt wie erst Anfang März, als die Komsa-Familie den 80. Geburtstag des Gründers feierte.

Kaufmannstugenden

Bevor er 1990 nach Deutschland kam, hatte der Diplomkaufmann in seinem Heimatland nicht nur den Vertrieb eines Versicherungskonzerns verantwortet. Er hatte auch 20 Jahre lang Unternehmen strategisch beraten und einige davon eine Zeitlang als Problemlöser begleitet. Aus Naturverbundenheit wollte Grosse ursprünglich Bauer werden. Doch die Prägung durch das Elternhaus war offenbar stärker. Sein Vater, der mit Handelsgeschäften in Schweden zu Wohlstand gekommen war, hatte ihm früh „das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns“ vermittelt.

Etwas Glück war anfangs in Sachsen auch nötig. Denn so einfach, wie sich der Skandinavier den Start dort vorgestellt hatte, verlief er nicht. Ursprünglich wollte er von der Treuhand einen ehemaligen Staatsbetrieb der DDR erwerben. Doch sämtliche Objekte, für die sich der Neubürger aus dem Norden interessierte, wurden ihm vor der Nase weggeschnappt. Schließlich gründete er am 1. Dezember 1992 gemeinsam mit drei IT-Experten, die er zufällig kennengelernt hatte, den Distributor. Durch seine Tätigkeit als Berater hatte er Kontakte zu Ericsson und war mit Plänen des Herstellers vertraut. Als 1992 in Deutschland der digitale Mobilfunk startete, war für die Schweden die Zeit gekommen, mit ihren Handys auf den hiesigen Markt zu drängen, und Komsa baute von 1993 an ein Händlernetz dafür auf. In der Folge wuchsen das Portfolio, die Belegschaft und die Umsätze.

Nachhaltigkeit

Neben der Tätigkeit als Aufsichtsrat führt Grosse die Geschäfte der Beteiligungsgesellschaft DerOssi Invest, die ostdeutsche Unternehmen fördert. Schwerpunkte legt er nicht nur auf die ITK-Branche, sondern auch auf Land- und Forstwirtschaft, wobei es ihm um nachhaltige und umweltverträgliche Produktion geht. Nach seiner Überzeugung zählt Nachhaltigkeit, bei Komsa ein Kernwert, zu den Schlüsselthemen der Zukunft. Gerade bei der Jugend beobachtet er ein wachsendes Bewusstsein dafür und veränderte Prioritäten. Ob es Zufall ist, dass mit der jungen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg eine Symbolfigur der Nachhaltigkeitsbewegung ebenfalls aus Schweden kommt?

Komsa führt TK und IT zusammen

Wegbegleiter der Konvergenz

Komsa führt TK und IT zusammen

20.12.17 - In Zeiten von All-IP gehören Kommunikations- und Netztechnik zusammen. Der TK-Distributor Komsa hat sich darauf eingestellt und vertreibt in seiner B2B-Sparte ein breites Sortiment an Netzwerk- und UCC-Produkten. Mit der Ausrichtung auf Cloud, Security und Managed Services positioniert sich Komsa als Partner, der den ITK-Fachhandel in die digitale Zukunft begleitet. lesen

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