Urgesteine aus der IT-Branche Knut Löschke findet das „Bildschirm, Tastatur, Maus – wie vor 30 Jahren“ ist

Redakteur: Sarah Gandorfer

Im Jahr der deutschen Wiedervereinigung gründete Dr. Knut Löschke den IT-Dienstleister PC-Ware. Doch der Grundstein für seine IT-Affinität wurde mit Großrechnern während seines naturwissenschaftlichen Studiums gelegt. Ein Gespräch, das Computer-Veteranen verzücken wird.

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ITB: Herr Löschke, wann kamen Sie das erste Mal mit IT in Berührung?

Löschke: Wie Sie wissen, bin ich Physiker. Ohne Großrechner wäre ich gar nicht in der Lage gewesen zu studieren oder gar zu promovieren. Deshalb habe ich mich mit der Programmierung von Großrechnern beschäftigt sowie mit kleineren Geräten, welche die großen unterstützten. Das ist immerhin fast 40 Jahre her. Bereits 1972 habe ich Vorlesungen über EDV gehört. Eigentlich war es damals auch nicht viel anders als heute.

ITB: Nicht viel anders?

Löschke: Man vergisst häufig, dass bereits damals die Programmiersprache für die Großrechner schon sehr ausgefeilt war.

ITB: Aber hätten Sie damals schon gedacht, dass in absehbarer Zeit jeder Haushalt einen PC haben würde?

Löschke: Nein. Doch der eigentliche Wandel in der IT geht still und leise vor sich. So leitet sich Cloud Computing eigentlich von den Blockschaltbildern der Großrechner ab. In solch einer Skizze verbargen sich hinter der Wolke die Leitungen. Wenn man heute ein Kind bittet, einen Computer zu malen, wird es immer Bildschirm, Tastatur und Maus zeichnen. Das sind jedoch nur zehn Prozent der IT. Der Großteil umgibt uns unbemerkt. Radio, Fernseher, HiFi-Anlage, Digitaluhren, Küchengeräte oder Autos funktionieren nicht mehr ohne IT.

ITB: Und was war Ihr erster Computer?

Löschke: Ich war 1987 einer der glücklichen Nutzer eines der ersten Compaq 386. Das waren auch schon Geräte, die ein MegabyteRAM, 20-Megabyte-Festplatte und zwei Laufwerke hatten. Die konnten knapp eine Million Operationen pro Sekunde leisten. Zudem lief darauf über MS-DOS ein grafisches System namens Windows 2.0. Eigentlich finde ich es recht beleidigend, dass die PCs heute noch fast genauso aussehen wie vor 30 Jahren.

ITB: Können Sie sich noch an den damaligen Kaufpreis erinnern?

Löschke: Nicht von dem Compaq, aber von einem IBM-PC (XT), den mein Arbeitgeber damals für 11.700 DM anschaffte. Der hatte schon einen Grafik-Bildschirm. Das waren tolle Kisten, die konnte man noch richtig anfassen. Als Techniker habe ich die Geräte und auch die Software auseinander genommen und wieder re-assembliert. Wenn Sie vermutlich heute jemanden fragen, der programmiert, wie das alles von innen aussieht, wird er sie mit großen Augen angucken.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Knut Löschke über den Wandel in der IT sagt und was ihn besonders überrascht hat.

ITB: Was hat sich in der IT gewandelt?

Löschke: Die IT ist heute zu einer ganz normalen Dienstleistungsbranche geworden. Eine echte Revolution bezogen auf den PC sehe ich nicht. Wir haben bisher beispielsweise auch keine eigenständige, künstliche Intelligenz geschaffen. Ich finde jedoch die mit der IT zusammenhängende gesellschaftliche Entwicklung sehr interessant. In unserem recht konservativen Schulsystem wird Wert darauf gelegt, Informatik zu unterrichten. Dabei muss man kaum noch programmieren, da die PC-Bedienung mittlerweile recht einfach ist. Fahrunterricht, der meines Erachtens wichtiger wäre, weil jeder am Straßenverkehr teilnimmt und so die Straßen sicherer wären, gibt es hingegen nicht.

ITB: Gibt es etwas, was Sie in der Informationstechnologie sehr überrascht hat?

Löschke: Das Comeback von Macintosh. Und das simple Herangehen, auf einem tragbaren Telefon Kleinst-Computer-Programme laufen zu lassen – so genannte Apps. Das ist Cloud Computing hoch fünf. Ich garantiere, dass in der nächsten Zeit – vielleicht schon in wenigen Quartalen – sehr viele professionelle Programme eingeführt werden, die den Apps ähneln. Somit wird Cloud Computing über die Hintertür eingeführt. Das treibt die Entwicklung an, obwohl es keine wesentliche Neuerung ist. Es ist nur schöner, einfacher zu bedienen und einfach „in“.

ITB: Gab es für Sie ein persönliches Highlight im IT-Bereich?

Löschke: Ich denke, das ist für mich der Sinneswandel hinsichtlich der Kopierfähigkeit und des Urheberrechts bei Software. Der Schritt weg von der Idee ,eine Diskette oder CD zu kaufen und das als Software zu betrachten, hin zur Nutzungserlaubnis, also dem Lizenzvertrag. Das ist zwar eine ganz leise, aber dennoch große Revolution, wenn man sich den Beschaffungsmarkt ansieht. Leider muss ich immer wieder feststellen, dass selbst die großen Software-Entwickler noch nicht verstanden haben, was Software eigentlich bedeutet. Entsprechend antiquarisch sind ihre Lizenzverträge, denn dort geht es oft noch um Kopier- und nicht um Nutzungsrechte. Das werden die Hersteller überdenken müssen, vor allem beim Cloud Computing. Hier geht es nur noch um Nutzungsrechte und eine faire Bezahlung dafür. Davor scheuen sich die Hersteller wie der Teufel vor dem Weihwasser, da ein hoch-margiges Geschäftsmodell scheinbar angegriffen wird. Ich denke, die kleinen Entwickler werden in diesem Punkt demnächst die schnelleren sein.

Auf der nächsten Seite erzählt Knut Löschke noch eine kleine Anekdote am Rande.

Eine Anekdote am Rande

PC-Ware war 1992 / 93 Marktführer bei branchenspezifischer Software für Zahnärzte. „Wir versendeten einmal ein Update des Programms auf zwei 5,25-Zoll-Disketten“, erzählt Löschke. „Uns rief dann tatsächlich ein Zahnarzt an, der uns folgendes Problem schilderte: Die erste Diskette ging in das Laufwerk rein, jedoch die zweite kann er nicht laden. Wir erklärten ihm, dass er aber beide Disketten brauche. Bis wir dahinter kamen, dass er versucht hatte, alle beide Disketten gleichzeitig in den Slot zu schieben.“

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