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FIT-Kongreß „Frauen in der IT - Future of IT“ Kleine Philosophie der Macht

| Autor / Redakteur: Dr. Rebekka Reinhard / Sylvia Lösel

Der FIT-Kongress dient dem Erfahrungsaustausch von Frauen in der IT. Die Keynote der Philosophin Dr. Rebekka Reinhard steht unter dem Motto: Frauen, fürchtet Euch nicht vor Macht.

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Dr. Rebekka Reinhard, Philosophin und Buchautorin
Dr. Rebekka Reinhard, Philosophin und Buchautorin
(Bild: Tanja Kernweiss)

„Es steht fest , dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes“, schrieb der britische Philosoph und Frauenfreund John Stuart Mill 1869. „Ich weiß, dass ein Mann, der mehrere menschliche Gehirne gewogen (hat), erklärt hat: das schwerste, welches man bis dahin gefunden… sei das einer Frau gewesen.“ Inzwischen hat die Forschung einige Fortschritte gemacht. Wir wissen heute, dass die Frau nicht nur zu erstaunlichen Denkleistungen fähig ist. Sondern zu weit mehr. Es gibt heute Konzernlenkerinnen, Bundeskanzlerinnen, Nobelpreisträgerinnen.

Was ist die moderne Frau?

Ein hochkomplexes Lebewesen mit zahlreichen Interessen. Viele davon beginnen mit „M“: Mode, Makeup, Muffins, Marathon, Männer. Macht gehört eher nicht dazu. Warum eigentlich nicht? Das lateinische Wort für Macht ist „potentia“. Macht meint die Potenz, etwas bewirken und verändern zu können. Seine Beziehungen zu den Dingen und den Menschen, sein Leben insgesamt. Macht ist der Schlüssel zu Glück und Freiheit. Und doch fürchten wir uns auch heute noch vor ihr. Vor der Macht der anderen, vor allem aber vor unserer eigenen Macht. Wenn wir daran etwas ändern wollen, sollten wir die Ohnmacht-Position in Richtung Macht verlassen. Zu diesem Zweck benötigen wir weder Algorithmen noch Militärorden noch eine Pumpgun. Wir brauchen bloß die richtigen Machtmittel. Hier eine Auswahl:

  • Machtmittel Nr. 1: Machen Sie sich frei vom übersteigerten Perfektionismus, bei dem das Wort „Müssen“ eine zentrale Rolle spielt. Denken Sie nicht länger „Eigentlich möchte ich dies, eigentlich will ich das… doch leider muss ich jenes tun.“ Stellen Sie sich stattdessen die philosophische Grundfrage: „Wofür lebe ich?“ Versuchen Sie erst gar nicht, die perfekte Antwort zu finden. Lassen Sie die Frage auf sich wirken – werden Sie unabhängig von der Meinung anderer und übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben.
  • Machtmittel Nr. 2: Hetzen Sie nicht länger, schreiten Sie durchs Leben. Das rasche Marschieren leistungsbereiter Frauen ist kein Zeichen von Macht, sondern von Ohnmacht. Tun Sie alles, was Sie tun, langsamer. Stellen Sie die Schnappatmung ab. Entdecken Sie die Vorteile der Langsamkeit. Pflanzen wachsen nicht schneller, wenn man an ihnen zieht! Geben Sie Dingen und Menschen – auch sich selbst – Zeit zu wachsen und zu reifen. Und finden Sie Möglichkeiten und Problemlösungen, die im Zustand des Dauer-Stresses verborgen bleiben. Machtvoll ist nicht die Frau, die alles möglichst noch gestern zu erzwingen sucht. Sondern die, die die Souveränität besitzt, zu warten und zu vertrauen.
  • Machtmittel Nr. 3: Lassen Sie sich von überkommenen geschlechtsspezifischen Stereotypen (z. B. „Frauen sind artig und schweigsam“) nicht unterjochen. Zeigen Sie Ihre Potenz – vor allem, wenn Sie dort arbeiten, wo Männer das Sagen haben. Signalisieren Sie in jeder Konferenz und jedem Meeting Leuten, die noch in den 1950er Jahren leben, Zero Tolerance. Seien Sie eine der ersten, die das Wort ergreifen. Und: Beharren Sie auf dem Urheberrecht für Ihre Gedanken. Seien Sie mutig. Tun Sie es für sich. Und für Ihre Kolleginnen, Freundinnen, Töchter. Macht ist gut.

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