Finanzierungsmonitor 2018

Keine Sicherheiten, keine Vorfinanzierung

| Autor: Heidemarie Schuster

Oftmals bekommen Handelsunternehmen keine Vorfinanzierung von Banken, weil ihnen die Sicherheiten fehlen.
Oftmals bekommen Handelsunternehmen keine Vorfinanzierung von Banken, weil ihnen die Sicherheiten fehlen. (Bild: Pixabay)

Der Handel braucht in der Regel kurzfristige Kredite, beispielsweise für Betriebsmittel und die Vorfinanzierung von Waren. Doch Geld gibt es von den Banken oft nur gegen Sicherheiten. Der digitale Mittelstandsfinanzierer Creditshelf zeigt im „Finanzierungsmonitor“ die Situation des Handels auf.

Der Finanzierungsmonitor 2018 von Creditshelf hat ergeben, dass Handelsunternehmen bei kurzfristigen Spitzen – zum Beispiel im Saisongeschäft – erheblich unter Druck stehen, die nötigen finanziellen Mittel zu erhalten, um dementsprechende Waren zu kaufen. Zumal 72 Prozent der befragten Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen im laufenden Jahr eine noch restriktivere Kreditpolitik der Banken erwarten.

„Wenn Handelsunternehmen größere Warenmengen günstig ergattern können, benötigen sie meist sehr schnell eine Vorfinanzierung. Doch Betriebe, die bereits stark mit Sicherheiten für Kreditgeber belastet sind, haben kaum eine Chance auf neue Darlehen. Unsere Befragung zeigt, dass derzeit zum Beispiel branchenübergreifend nur jedes zehnte Unternehmen überhaupt die Aussicht auf unbesicherte Betriebsmittelkredite hat“, erklärt Dr. Daniel Bartsch, Geschäftsführer bei Creditshelf. Dabei würden laut dem „Finanzierungsmonitor 2018“ mehr als drei Viertel der Handelsbetriebe dafür auch etwas höhere Zinsen in Kauf nehmen.

Der Handel ist im Branchenvergleich noch recht gut darin aufgestellt, sich aus dem eigenen Cash Flow zu finanzieren. 78 Prozent der Unternehmen sind in der Lage, bis zu 50 Prozent ihrer Betriebsmittel mit Eigenmitteln zu stemmen. Das bedeutet aber auch, dass sie zur Hälfte auf externe Finanzierung angewiesen sind. Nur sechs Prozent der Firmen bedienen mehr als drei Viertel ihrer Betriebsmittel aus dem Cash Flow.

„Dass der Handel sich vergleichsweise gut aus Eigenmitteln finanzieren kann, liegt zu einem großen Teil an der Geschwindigkeit, in der Umsätze erzielt werden. Investitionsgüter, die sich über lange Zeit amortisieren müssen, spielen in dieser Branche eine weit geringere Rolle als etwa in der Industrie“, erläutert Prof. Dr. Dirk Schiereck, Leiter des Fachbereichs Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Doch die hohe Schlagzahl in Handelsunternehmen hat auch eine Kehrseite. „Die hohe Volatilität des Geschäfts ist ohne eine rasche und unkomplizierte externe Finanzierung oft nur unter großen Schwierigkeiten zu leisten.“

Gerade der Wunsch nach schnellen Kreditentscheidungen bestimmt daher die Suche nach alternativen Finanzierungswegen. 53 Prozent der Unternehmen erhoffen sich laut der Studie diesen Vorteil bei Online-Plattformen zur Kreditvermittlung. „Acht von zehn Handelsunternehmen erwägen, solche Angebote zu nutzen“, so Bartsch, „Wichtigste Voraussetzung: Die Lösung ist einfach, schnell und innovativ.“

Über die Studie

Die Studie „Finanzierungsmonitor 2018“ beruht auf einer Befragung des digitalen Mittelstandsfinanzierers Creditshelf im Dezember 2017. Insgesamt nahmen 200 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen an der Befragung per Online-Erhebung durch ein Marktforschungsinstitut teil. Die Studie wurde wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Dirk Schiereck, Leiter des Fachbereichs Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt.

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