„Corporate Social Mind“-Report Jeder noch so kleine Schritt zählt

Von Ann-Marie Struck

Kennen Sie das, die Ohnmacht beim Umweltschutz? Im Vergleich zur Wirkung von Politik und Unternehmen ist der Verbraucher, der regional einkauft und das Fahrrad nutzt, klein. Doch die kleinen Schritte zeigen Wirkung, wie eine Studie nun zeigt.

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Mit dem Rad zur Arbeit fahren und das Auto öfter stehen lassen, hilft der Umwelt.
Mit dem Rad zur Arbeit fahren und das Auto öfter stehen lassen, hilft der Umwelt.
(Bild: Kzenon - stock.adobe.com)

Das Henne-Ei-Problem gibt es auch bei der Nachhaltigkeit. Wer trägt die Verantwortung: Politik, Unternehmen oder Verbraucher? Jeder schiebt sie dem anderen zu. Wenn Verbraucher nun vermehrt das Rad nehmen, weniger fliegen und Fleisch konsumieren, schlägt das wirklich zu Buche im Vergleich zum CO2-Verbrauch eines produzierenden Unternehmens?

Das fragen sich viele Menschen, die versuchen, umweltbewusster und nachhaltiger zu leben. Denn das Engagement der Verbraucher ist im Vergleich zur Wirkmacht der anderen genannten Parteien im ersten Moment klein. Doch der Einfluss des Einzelnen wird oft unterschätzt. Immerhin bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt. Wenn also mehr Verbraucher auf gewisse nachhaltige Parameter achten, werden sich Unternehmen langfristig anpassen müssen.

Diese Entwicklung trägt bereits Früchte. Zum einen betreten immer mehr nachhaltige Unternehmen in den unterschiedlichsten Brachen den Markt, zum anderen ist das Angebot in puncto Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren gewachsen. Ein Beispiel aus dem Alltag: Vor fünf Jahren war das Angebot an Milchersatzprodukten außer in großen deutschen Metropolen in Cafés durchaus überschaubar, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Die Nachfrage ist wohl da.

Deutsche fordern mehr Haltung von Unternehmen

Anlass zur Hoffnung gibt nun eine Studie von Wider Sense. Der „Corporate Social Mind“-Report zeigt deutlich: Verbraucher haben ihr Verhalten geändert. Sie setzen sich mit Unternehmen kritisch auseinander und fordern eine Veränderung entsprechend ihrer Werte. Demnach sind 57 Prozent der Befragten der Ansicht, dass sich die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, von denen sie etwas kaufen, gesellschaftlich engagieren sollten.

Dabei reicht den Befragten allgemeines soziales Engagement schon nicht mehr aus. Auf die Frage, ob Unternehmen auch eine soziale oder politische Haltung einnehmen und sich dafür aktiv einsetzen sollten, bejahen dies 45 Prozent .

Deutsche sind bereit, mehr zu zahlen

Laut der Studie sind deutsche Konsumenten auch bereit, für ein Engagement von Unternehmen tiefer in die eigene Tasche zu greifen. Gefragt wurde nach zwei konkreten Beispielen: Einem Softdrink und einem Pullover. Für ein Getränk mit Informationen zum guten Zweck auf dem Etikett würden 54 Prozent der Befragten mehr ausgeben als für ein Getränk ohne diese Angaben. Im Vergleich zum Report von 2020 sind es nun 17 Prozent mehr.

Bei Kleidung sind die Befragten sogar gewillter noch mehr zu zahlen. 67 Prozent geben an, mehr für ein Produkt auszugeben, wenn die Firma sich engagiert. Das sind fast 30 Prozent mehr als noch 2020.

Im konkreten Fall diente ein Pullover für 30 US-Dollar als Beispiel. Informierte das Etikett darüber, welche gemeinnützigen Organisationen die Pullover-Marke unterstützte, waren 37 Prozent der Befragten bereit, 7,50 Dollar mehr zu zahlen. Bei zusätzlich Angaben zur Unternehmensführung wie beispielsweise dem Anteil von Mitarbeitenden mit diversem Hintergrund oder von Frauen in Führungspositionen, stiegt die Preisbereitschaft sogar noch weiter: 30 Prozent antworteten, dass sie für den Pulli dann sogar 50 Dollar bezahlen würden.

Im Hinblick darauf, dass Konsumenten nun vermehrt auch bei IT-Produkten drauf achten, wie diese produziert werden, wird sich der Trend dort sicher auch zeigen.

Umwelt im Fokus

Zu den Top 5 Themenbereichen, die deutschen Verbrauchern gemäß der Studie besonders wichtig sind, belegt Umwelt den ersten Platz, gefolgt von Tieren sowie Tierrechten. Den dritten Platz bekommt die Bekämpfung der Klimakrise. Des Weiteren sind der Hunger in der Welt, die Corona-Pandemie sowie Armut / Obdachlosigkeit den Deutschen wichtig.

„Die Menschen wollen vermehrt wissen, wie sich ein neues Produkt oder eine Dienstleistung auf Umwelt und Gesellschaft auswirken,“ erklärt Studieninitiator Michael Alberg-Seberich. „Zwar achten viele natürlich immer noch vor allem auf den Preis. Aber die Bereitschaft, auch für sozial nachhaltigen Konsum mehr Geld in die Hand zu nehmen, beeindruckt schon.“

Über die Studie

Der„ Corporate Social Mind“-Report ist zum zweiten Mal erschienen und untersucht die Erwartungen deutscher und US-amerikanischer Verbraucher gegenüber dem gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen. Erstmals erschien er 2020. Die Analyse wurde per Online-Umfrage Ende 2021 erhoben. Dabei haben weltweit aus den USA und Deutschland 1.000 Personen teilgenommen.

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