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Der BND wird ausgesperrt

IT-Security-Hersteller polieren ihr Image nach der Bundestrojaner-Debatte

15.11.2007 | Redakteur: Stefan Riedl

Dennis Monner ist Vorstand von Gateprotect und Sprecher der Fachgruppe Netzwerksicherheit in der Initiative »IT-Security made in Germany« des Bundeswirtschaftsministeriums.
Dennis Monner ist Vorstand von Gateprotect und Sprecher der Fachgruppe Netzwerksicherheit in der Initiative »IT-Security made in Germany« des Bundeswirtschaftsministeriums.

Einige deutsche Hersteller aus dem Bereich IT-Security haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, wonach ihre Firewalls keine verdeckten Zugangsmechanismen enthalten dürfen. Zu diesen Bundestrojaner-Verweigerern zählt auch die Gateprotect AG, die den Vorsitz in der Initiative führt. Gateprotect-Chef Dennis Monner sprach mit IT-BUSINESS über das Image deutscher IT-Sicherheitsprodukte und angemessene Reaktionen auf die Wunschlisten von BND, NSA und Co.

ITB: Das Unternehmen Gateprotect leitet die Fachgruppe »Netzwerksicherheit« in der Initiative »IT-Security made in Germany« vom Bundesministerium für Wirtschaft – einer Initiative, die den Verkauf deutscher IT-Lösungen im Ausland vorantreiben will. Nun haben deutsche Security-Unternehmen lange Zeit einen hausgemachten Heimvorteil gegenüber US-amerikanischen Unternehmen – insbesondere im arabischen Raum. Oft wird US-Unternehmen eine Zusammenarbeit mit amerikanischen Geheimdiensten wie der NSA unterstellt. Sehen Sie diesen Zusammenhang auch?

Monner: Dass amerikanischen Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst unterstellt wird, ist ja nicht ganz ohne Grund. Die NSA hatte erste auftauchende Gerüchte selbst bestätigt. Auch wenn diese später widerrufen wurden, hält sich bei arabischen Unternehmen die Überzeugung, sich mit dem US-Produkt auch gleich ein Einfallstor für den amerikanischen Geheimdienst ins Haus zu holen. Daher werden US-Produkte prinzipiell gemieden. Alternativen aus europäischen Ländern gibt es ja zur Genüge, allen voran stehen Lösungen deutscher Unternehmen und die »deutsche Ingenieurskunst« hoch im Kurs. Der Markt für IT-Sicherheitslösungen ist auf der arabischen Halbinsel gerade dabei, richtig in Fahrt zu kommen. Daher wäre es fatal, wenn wir unseren guten Ruf verlieren würden. Amerika ist da ein abschreckendes Beispiel.

ITB: Welche Auswirkungen hat dann die Diskussion rund um den Bundestrojaner auf das gute Image von »IT-Security made in Germany«? Nun wird auch gegenüber deutschen Security-Anbietern der Verdacht geäußert, Backdoors für Geheimdienste offen zu halten?

Monner: Es ist tatsächlich so, dass wir Kundenanfragen erhalten, die dieses Thema ansprechen. Arabische Länder lehnen oft grundsätzlich alles Amerikanische ab, daher hat sie die aktuelle Diskussion besonders hellhörig gemacht. Dabei geht es nicht darum, ob es tatsächlich Backdoors geben wird: Der gute Ruf ist das A und O. Im Zweifel werden sich nun arabische Unternehmen mitunter gegen deutsche Lösungen entscheiden und nach Alternativen umsehen, Frankreich etwa oder auch Skandinavien bieten gute Sicherheitsprodukte. Arabien ist für uns deshalb so wichtig, weil dort der Markt derzeit rasant wächst und wir die Marktführerschaft zu verlieren haben. Als Sprecher der Fachgruppe Netzwerksicherheit betonen wir deshalb, dass deutsche Anbieter nicht die Absicht haben, Backdoors in ihre Lösungen einzubauen. Die ITSMIG, also die »IT-Security Made in Germany« hat darauf ja auch bereits reagiert und die Mitglieder aufgerufen, eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung zu unterschreiben. Ich denke, das war ein notwendiger Schritt.

ITB: Der Bundestrojaner muss vor Ort am Rechner installiert werden. Um einen klassischen Trojaner handelt es sich also gar nicht. Wird das ganze Thema nicht ein Stück weit zu aufgebauscht diskutiert?

Monner: Theoretisch hängt das Thema Backdoors nicht mit dem Bundestrojaner zusammen, das ist richtig. In der Praxis jedoch werden beide Thematiken in einen Topf geworfen. Es geht um den geheimen »Lauschangriff« der Regierung beim ahnungslosen Anwender. Ich denke daher, dass der eigentlich Grund für die Heftigkeit der Diskussion woanders zu suchen ist: Nämlich in der Befürchtung, dass der Bundestrojaner nur als der erste Schritt zu sehen ist und es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Regierung von den Herstellern Backdoors fordert. Derzeit können wir noch für abhörsichere Lösungen garantieren, aber wie lange noch? Diese Frage beschäftigt mit Sicherheit nicht nur potenzielle ausländische Käufer deutscher Produkte, sondern uns alle. Wir sollten uns die Frage stellen, inwieweit wir mit den neuen Methoden der Informationsbeschaffung einverstanden sind.

ITB: Wie wird es jetzt weitergehen?

Monner: Die Gemüter haben sich wieder beruhigt, was vor allem der schnellen Reaktion der ITSMIG und der Selbstverpflichtungserklärung fast aller der Initiative angeschlossenen Unternehmen zu verdanken ist. Für die Zukunft sind wir guter Hoffnung, dass die Bundesregierung die Sorgen der Exportinitiative und der deutschen Unternehmer ernst nimmt und ihre Pläne bezüglich der Sicherheitslücken nicht umsetzt. Nur dann kann das Gütesiegel »Made in Germany« auf deutschen Sicherheitslösungen auf Dauer Bestand haben.

Die Selbstverpflichtung der ITSMIG

Für Gateprotect und andere Security-Firmen, die in der Initiative »IT-Security Made in Germany« organisiert sind, führt der »Bundestrojaner« zu »unbefugten Zugriffen Dritter«. Das ist eine Einstellungssache, an der viel Image hängt. Wer ein deutsches Sicherheitsprodukt kauft, soll auch weiterhin sicher sein, kein verstecktes Hintertürchen in seiner Software mitgeliefert zu bekommen, so das Kredo der Initiative. Sie will sich das Qualitätsprofil deutscher Sicherheitsprodukte klarer gegen den Wettbewerb abgrenzen und den international guten Ruf retten.

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