Hören, was die ITK-Branche bewegt – Folge 77 IT-BUSINESS Podcast: Stechuhrurteil und Vertrauensarbeitszeit

Von Dr. Stefan Riedl

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Systeme zur Arbeitszeiterfassung haben Hochkonjunktur, denn das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass Arbeitszeiten erfasst werden müssen. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Stefanie Prehm, erläutert die Details in Hinblick auf Vertrauensarbeitszeit.

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(Bild: Vogel IT-Medien GmbH)

Der Europäische Gerichtshof entschied schon 2019, dass Arbeitgeber in der EU ein Arbeitszeiterfassungssystem zur Verfügung stellen müssen – ungeachtet dessen, ob dies von Arbeitnehmern und Arbeitgebern überhaupt gewünscht ist. Denn im Sinne von Homeoffice- und Vertrauensarbeitszeitregeln wurden vielerorts flexible Regelungen gefunden, mit denen sich alle Beteiligten angefreundet haben. Das Bundesarbeitsgericht urteilte, dass eben solche Arbeitszeiterfassungssysteme in Deutschland eingeführt werden müssen – zunächst in einer Pressemitteilung, später mit einer ausformulierten Begründung.

Vertrauensarbeitszeit im Homeoffice

Stefanie Prehm, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Kanzlei Linde Steffan Prehm
Stefanie Prehm, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Kanzlei Linde Steffan Prehm
(Bild: Kanzlei Linde Steffan Prehm)

Stefanie Prehm, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin bei der Kölner Kanzlei Linde Steffan Prehm Rechtsanwälte, erläutert die Details und geht insbesondere darauf ein, wie künftig noch Vertrauensarbeitszeit umgesetzt werden kann.

Handlungsdruck für Arbeitgeber sei deswegen gegeben, weil die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung durch den Arbeitgeber grundsätzlich bejaht und sich zur Ausgestaltung auf ein Urteil des EuGH bezogen wurde. Demnach müssen Arbeitszeiterfassungssysteme drei Kriterien erfüllen: Sie müssen objektiv, für jeden zugänglich und verlässlich sein.

Das könne eine Stempeluhr sein, ein Handzettel-System, eine Excel-Datei oder ein modernes softwarebasiertes System.

Debatte über die Umsetzungsmöglichkeiten

Inwieweit hierdurch Vertrauensarbeitszeit nicht mehr umgesetzt werden kann, darüber wird laut Prehm derzeit diskutiert – die Meinungen gehen hier auseinander. Bundesregierung und Bundesarbeitsminister vertreten den Standpunkt, dass Vertrauensarbeitszeit nach wie vor umgesetzt werden kann. Aus juristischer Perspektive sei das wohl letztlich eine Definitionsfrage, führt die Juristin aus und erläutert im Gespräch die Details und inwieweit sowie in welchem zeitlichen Rahmen vom Gesetzgeber Klarstellungen zu erwarten sind.

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Weiterführende Artikel

  • „Paukenschlag“ beim Stechuhr-Urteil – Nun ist es höchstrichterlich entschieden: Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) besteht in Deutschland eine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung, über die in der Ampel-Regierung, in der Wirtschaft und unter Arbeitsrechtlern derzeit noch heftig diskutiert wird.
  • Arbeitszeit und Vertrauen – Systeme zur Arbeitszeiterfassung haben Hochkonjunktur, denn das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass Arbeitszeiten erfasst werden müssen. Nichtsdestotrotz können bewährte Abmachungen in ­Hinblick auf Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit fortgeführt werden.
  • Arbeitnehmer sind im Homeoffice glücklich – Nach über einem Jahr Homeoffice ist die Bilanz durchweg positiv. So das Ergebnis einer Umfrage von ClickMeeting. 66 Prozent der Befragten arbeiten gerne in den eigenen vier Wänden und über die Hälfte wünscht sich ein hybrides Arbeitsmodell für die Zukunft.

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