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Hören, was die ITK-Branche bewegt – Folge 23 IT-BUSINESS Podcast: Microsoft versus Gebrauchtsoftwarehandel

Autor: Dr. Stefan Riedl

Zum 1. Mai 2020 hat Microsoft seine Volumenlizenzbestimmungen geändert. In bestimmten Fällen beim Umstieg in die Cloud ist seither der Weiterverkauf gebrauchter Lizenzen ausgeschlossen. Will Microsoft den Gebrauchtsoftwarehandel austrocknen? IT-BUSINESS hat nachgefragt.

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Der IT-BUSINESS Podcast informiert schnell und unterhaltsam über die spannendsten Themen der Schlüsselbranche der Digitalisierung.
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(Bild: Vogel IT-Medien)

Wurden On-Premises-Lizenzen (früher auch „ewige Lizenzen“ genannt) mit Software Assurance (SA) erworben, also dem Recht auf Upgrades, gibt es Möglichkeiten, auf Abonnement-Lizenzen und damit „in die Cloud“ umzusteigen. Solch eine vergünstigte Umstiegsoption läuft unter der Begrifflichkeit „From SA“ (Software Assurance). Meist geht es dabei um Microsoft 365 mit „From SA“-Option. Während bislang gebrauchte On-Premises-Lizenzen bei so einem Umstieg verkauft werden konnten, geben das die neuen Lizenzbestimmungen nicht mehr so ohne Weiteres her.

Zusammenfassung der Problematik

Als Beweggründe wird Microsoft – zurecht oder zu unrecht – unterstellt, damit den Gebrauchtsoftwarehandel austrocknen zu wollen. Immerhin ist das Brot und Buttergeschäft der Gebrauchtsoftwarehändler – vor allem wegen der Angebotssituation – der Handel mit Office-Lizenzen, die bei der "From SA"-Option betroffen wären. Die meistgekaufte Gebrauchtsoftware ist Office 2019 von der Nachfrage her, und gespeist wird das Angebot hauptsächlich aus ­gebrauchten Office-2016-Lizenzen, die im Rahmen von Volumenlizenzverträgen mit Software Assurance gekauft werden, um dann von der Upgrade-Möglichkeit auf Office 2019 Gebrauch zu machen.

Sven Langenfeld im Gespräch

Sven Langenfeld ist Senior Commercial Category Lead bei Microsoft.
Sven Langenfeld ist Senior Commercial Category Lead bei Microsoft.
(Bild: Microsoft)

Will Microsoft den Gebrauchtsoftwaremarkt trockenlegen? IT-BUSINESS hat über diese Frage mit Sven Langenfeld, Senior Commercial Category Lead bei Microsoft, diskutiert. Ziel des Gesprächs war es nicht zu klären, wer mit seiner juristischen oder moralischen Bewertung in dieser Kontroverse im Recht liegt, sondern den Microsoft-Standpunkt – oder besser gesagt den von Langenfeld – zu dokumentieren.

Neben den Änderungen in den Volumenlizenzverträgen ging es zudem über die Zukunft des Gebrauchtsoftwarehandels, wenn irgendwann dessen Kernhandelsware – das Office-Paket – voll auf Cloud umgestellt wird. Immerhin halten es Branchenkenner für ein realistisches Szenario, dass es noch ein Office-2021-Paket auf On-Prem-Basis geben wird. Möglicherweise wird danach voll auf Cloud-Produkte umgestellt. Und spätestens dann hat sich der Gebrauchtsoftwarehandel so wie er heute besteht – also mit dem Kernprodukt Office – überholt, denn quasi gemietete Cloud-Produkte kennen keine Gebrauchtlizenz.

Zu Hören gibt es den IT-BUSINESS Podcast aktuell auf Spotify, Deezer, iTunes, Google Podcasts und YouTube. Also hören Sie gleich rein, hier direkt auf der Seite, oder abonnieren Sie den Podcast am besten bei Podigee oder SoundCloud.

Weiterführende Artikel

  • Dunkle Clouds über dem Gebrauchtsoftwarehandel – „Alles neu macht der Mai“, heißt es so schön. Neuerungen in den Lizenzbestimmungen von Microsoft bringen derzeit jedoch so manchen Akteur im Gebrauchtsoftwarehandel zum Schwitzen: Denn steigt ein Kunde auf ein Abo-Modell in Cloud-Manier um, soll es ihm untersagt sein, Gebrauchtlizenzen der On-Premises-Software weiterzuveräußern.
  • Gebraucht-Software in der Cloud-Zukunft? – Der Siegeszug der Cloud geht am Gebrauchtsoftwarehandel nicht spurlos vorbei. Was wird aus ihm, wenn das Haupthandelsprodukt, nämlich Office, voll in die Cloud gewandert ist?
  • Mythos Gebrauchtsoftware – Software verschleißt nicht, und Gebrauchtsoftware darf gehandelt werden. Dennoch fassen viele das Thema nicht mal mit der Zange an. Ein Grund sind Mythen rund um ­rechtliche Unsicherheiten. Antworten geben Händler mit Audit-sicheren Dokumentationen.
  • Die Krux mit der Gebrauchtsoftware – Am Thema Gebrauchtsoftware scheiden sich die Geister. Die einen beharren auf der gültigen Rechtsprechung und finden gut, dass Software nicht verschleißt; die anderen fassen das Thema nicht mal mit der Zange an.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur