eMail aus der Redaktion Ist das Umweltengagement der Hersteller nur ein Feigenblatt des Marketings?

Redakteur: Harry Jacob

Immer mehr Firmen stellen ihre Produkte als klima- und umweltschonend dar - inzwischen auch in der IT- und CE-Branche. Ist das ernst gemeint oder nur eine Marketingmasche? IT-BUSINESS fragte nach beim stellvertretenden Panasonic-Geschäftsführer Werner Graf.

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Werner Graf, Deputy Managing Director Panasonic Deutschland
Werner Graf, Deputy Managing Director Panasonic Deutschland
( Archiv: Vogel Business Media )

Sehr geehrter Herr Graf,

Sie haben die »Umweltwochen« bei Panasonic ausgerufen. Als Freund der Natur bin ich natürlich begeistert, dass zumindest für eine bestimmte Frist jeder verkaufte Plasmafernseher mit einer Spende für den Umweltschutz verbunden wird. Aber irgendwie habe ich den leisen Verdacht, dass das nur ein grünes Feigenblatt ist.

Zuviele IT- und CE-Unternehmen haben plötzlich ihr Herz für Klima- und Naturschutz entdeckt. Jeder Videokonferenz-Hersteller rechnet die CO2-Einsparung seiner Lösungen vor, die Chiphersteller reden nicht mehr von der Energie, die verbraucht, sondern nur noch von jenem Strom, der von der neuen CPU-Generation eingespart wird, und am Ende kommt noch ein Schuss Angst dazu, wenn USV-Hersteller und Datenretter darauf hinweisen, dass der Klimawandel zu mehr Blitzschlägen und Überflutungen führt.

Ist man bei Panasonic denn wirklich der Meinung, dass nach der Phase des »Höher, schneller, weiter«, in der die Produktspezifikationen das alleinige Maß der Dinge waren, und der aktuellen »Geiz ist geil«-Mentalität nun ein fundamentaler Schwenk in Richtung »Grüner Konsum« bevorsteht? Wird der Deutsche künftig für den Umweltschutz glotzen, nebenbei ein oder zwei Bierchen für den Regenwald trinken und dazu Vollkorn-Kekse für die deutsche Bio-Bäuerin knabbern?

Mit freundlichen Grüßen

Harry Jacob

Redaktionsleiter IT BUSINESS

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Antwort an die Redaktion

Sehr geehrter Herr Jacob,

haben Sie vielen Dank für Ihre eMail. Wir geben Ihnen Recht, dass in der Werbe- und Marketingwelt derzeit auffällige »Umwelt-Konzentrationen« auftreten. Umwelt ist – wie Fußball 2006 – das Trendthema des Jahres und damit für viele Marketingexperten ein Apfel der Versuchung.

Wir sehen darin allerdings mehr als einen kurzatmigen Trend. Nach einer »Was kostet die Welt?«-Haltung der 1970er- und 80er-Jahre, tritt seit den 90er-Jahren ein neuer Moralismus auf den Plan. Immer mehr Konsumenten wollen mit gutem Gewissen konsumieren und Genuss/Lifestyle mit Nachhaltigkeit verbinden. Schätzungen gehen davon aus, dass dies für annähernd 50 Prozent der europäischen Bevölkerung gilt. Die Konsumenten erwarten, dass auch Unternehmen sich ethisch-moralisch korrekt verhalten.

Wir schwimmen übrigens nicht auf dem Trend, sondern bereits seit den 1920er-Jahren die meiste Zeit dagegen. Schon 1929 wurde nämlich der Codex unseres Mutterkonzerns Matsushita formuliert, dass ein Industrie-Unternehmen nicht nur Motor des Fortschritts ist, sondern auch Teil der Gesellschaft mit Verantwortung für Mensch und Umwelt. Wie es im Allgemeinen Panasonic-Art ist, haben wir dies über die Jahrzehnte vergleichsweise recht leise getan. Handeln ist wichtiger als Reden. Schauen Sie gern einmal unter www.panasonic.net herein.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Graf

Stellvertretender Geschäftsführer CE, Panasonic Deutschland

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