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Cebit 2018

Ist das Kunst oder kann das weg?

| Autor / Redakteur: Achim Heisler / Sarah Nollau

Die Frage, ob das Kunst ist oder ob das weg kann, lässt sich auch bei der neuen Cebit stellen.
Die Frage, ob das Kunst ist oder ob das weg kann, lässt sich auch bei der neuen Cebit stellen. (Bild: Pixabay / CC0)

Über diese Frage kann man ja in vielen Fällen vortrefflich streiten. Auch wenn ich jetzt ein wenig spoilere, war das Ergebnis für mich (und auch für anwesende Kollegen) diesmal leider eindeutig: Die Cebit in der neuen Form kann für uns weg.

Vorab gab es umfangreiche Diskussionen über die neue Ausrichtung der Cebit. Dies schlug sich nicht nur in der Auswahl der Aussteller und des vermeintlichen Zielpublikums nieder, sondern auch im Aufbau der Hallen und dem Messeprogramm. Im Vorfeld habe ich mir alles angeschaut und war in vielen Punkten verunsichert. Sehr viele Ankerpunkte und für mich wichtige Hersteller waren gar nicht oder nur rudimentär vertreten. Dafür tauchten Punkte auf, die meinen Interessen nicht wirklich entgegen kamen (zum Beispiel Konzerte oder Events). Aber in den 30 Jahren im Job habe ich immer gepredigt, dass man sich doch gefälligst selbst ein Bild der Sache machen solle, über die man später urteilen wolle beziehungsweise in meinem Fall kommentieren möchte.

Kein Stau – entspanntes Ankommen

So ging es wie immer (nein, ein paar Monate später) nach Hannover. Im Gegensatz zu früher war mein Messeplan allerdings merklich leerer. Sonst war die Cebit Kontaktmesse und es gab sehr viel „Meet and Greet“ mit mehr oder weniger wichtigen Personen aus der Branche. Die waren diesmal aber gar nicht mehr vor Ort. Nun gut, dann habe ich mehr Luft für die innovativen Highlights der Messe und kann diese in Ruhe auf mich wirken lassen.

Das Ankommen war wirklich sehr entspannt, denn es gab keinen Stau mehr. Weder bei der Anfahrt noch am Eingang hatte man den Eindruck, hier in einer Menschenmenge unterzugehen. Dies setzte sich dann auch in den Hallen fort. Zu Hochzeiten der Cebit hätte man sich diese Raumfülle und den Platz im Gang sicherlich an mancher Stelle gewünscht. Hier machte die aktuelle Cebit aber leider den Eindruck einer leeren Großraumdisko in den achtziger Jahren. Unter einer gefühlten Menge hat niemand den Eindruck dort sein zu müssen.

Verkleinerte Hallen

Nun kann man sich auch noch über die wenigen und zudem noch künstlich verkleinerten Hallen verwundert zeigen. Aber als ich dann das Gefühl hatte, dass jede Halle den üppigen Leerplatz auch noch mit undefinierten chinesischen „Fachhändlern“ gefüllt hat, war ich von dem neuen Konzept völlig überfordert. Das neue Konzept bekamen wir aber im Verlauf der Messe in fast allen Hallen zu spüren. Schon immer gab es die recht zurückhaltende Art der Ansprache durch Messehostessen oder mutige/motivierte Mitarbeiter des jeweiligen Ausstellers. Auf dieser Cebit fühlten wir uns aber teilweise wie auf Ibiza oder Mallorca im Hochsommer wenn die Animateure der Veranstalter einen am Strand oder in der Fußgängerzone anspringen. Und in beiden Situationen fühle ich mich erheblich gestört. Teilweise liefen die Leute hinter einem her und redeten wie Versicherungsvertreter auf einen ein. Das hat auf der Cebit für mich keinen Wert. Somit war der Ausstellungsteil für uns durchgefallen.

Gefühl des Aufbruchs

Gab es auch einen positiven Ansatz? Ja, in dem Teil der Messe, wo Innovationen und Startups ihren Platz fanden. Auch hier gab es vom Hallengefühl die gleichen Probleme, aber inhaltlich fanden wir hier den Teil der neuen Cebit, den ich erwartet hätte. Allerdings vermisste ich dann schnell die branchenspezifische Ausrichtung der Stände. Eine gut sortierte Cebit in der Cebit hätte viel gebracht. Ein Problem von Startups ist, dass oftmals nur über Projekte und Prototypen berichtet wird. Für reale Kunden, die fertig einsetzbare Produkte/Lösungen suchen, ist es schwer, als Testkunde herhalten zu müssen. Man sah es zum Beispiel im VR-Bereich, dass viele dieser Brillen nie den täglichen Einsatz überleben würden. Auch erfährt man, dass zum Beispiel benötigte Sensorik noch in Kleinstserie kundenspezifisch gefertigt wird. Dies treibt den Preis aber gewaltig nach oben. Trotz allem hatte ich in diesen Hallen das Gefühl des Aufbruchs und der Erneuerung.

Dies alles wird aber am Ende nicht reichen. Für alle jene, die am Abend eine Mischung aus Kirmes und Event-Happening gesucht haben, mag es eine erfolgreiche Messe gewesen sein. Die wenigen wirklichen Entscheider und Aussteller kamen sich wohl recht einsam vor. Niemand, den ich getroffen habe, hatte die Cebit für das nächste Jahr auf dem Schirm. Packt also die verbliebenen Recken in eine große Halle und wir sehen uns im nächsten Jahr auf der Hannover Messe zum üblichen Zeitpunkt!

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