Wichtigster Prozessor seit Intel-Gründung vor 40 Jahren Intels Atomkraft für Alltagsgegenstände

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Für Intel-Chef Paul Ottelini waren die Atom-Prozessoren die wichtigste Einführung seit Firmengründung. Schon die erste Generation führt neue Produktkategorien (Netbook, Nettop) ein. Die Weichen für die Zukunft stehen auf Alltagsgegenstände mit »Intel inside«.

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Atom-CPUs sollen weiße und braune Ware revolutionieren.
Atom-CPUs sollen weiße und braune Ware revolutionieren.
( Archiv: Vogel Business Media )

In welchen Bereichen muss die Technik für ein Szenario voran getrieben werden, in dem zum Beispiel die Waschmaschine warnt, wenn ein Kleidungsstück nicht auf der eingestellten Temperatur gewaschen werden darf? Zum einen müssten sich – trotz Datenschutzbedenken – RFID-Chips mit entsprechenden Informationen auf Produkten durchsetzen, zum anderen müsste es günstige und einigermaßen leistungsfähige CPUs für Alltagsgegenstände geben.

Zumindest für letztere Anforderung will Intel eine Antwort gefunden haben. Auch der vielfach prophezeite Kühlschrank, der Kochrezepte liefert und warnt, wenn das Haltbarkeitsdatum der Eier abgelaufen ist oder bei drohendem Mangel selbstständig Bier im Internet bestellt, fällt in die Kategorie »Zukunftsmusik für die nächsten Atom-CPU-Generationen«.

Warme Semmeln für die erste Welt

Bis dahin ermöglicht die Central Processing Unit, bei der das Credo »weniger ist mehr« gilt, neue Produktkategorien wie den Nettop oder das Netbook. Desktops und Notebooks mit minimaler und Strom sparender Rechenleistung verstehen genauso gut TCP/IP und HTML wie ihre großen Brüder und Schwestern, verbrauchen aber weniger Strom und kosten nur um die 200 Euro. War das Konzept des abgespeckten Notebooks ursprünglich für Schwellenländer vorgesehen, wissen die Hersteller spätestens seit dem Erfolg des Eee-PCs von Asus: Netbooks laufen auch in der ersten Welt nicht unter der Vertriebskategorie »saure Zitronen«, sondern vielmehr unter »warme Semmeln«.

Das Aldi-Netbook für 400 Euro lockte seit langem wieder mal so viele Käufer frühmorgens vor den Supermarkt, dass Schlangestehen angesagt war. Das Gros der Hersteller, die Netbooks von den Bändern rollen lassen, klagte über Lieferengpässe – so unerwartet stark war die Nachfrage nach mobilen Rechnern, deren Kernkompetenz in langen Akkulaufzeiten, der Textverarbeitung und beim Internet-Zugang liegen. Vom »Trend zum Drittnotebook« ist bereits die Rede.

Der nächste Evolutionsschritt bei den Atom-CPUs steht 2009 bis 2010 unter dem Codenamen »Moorestown« an. Atom-CPU, Chipsatz und Funkmodul landen dann in Hardware-Union auf einer Platine und sollen den Markt für Mobile Devices aufmischen. In nicht allzu ferner Zukunft stehen dann weiße und braune Ware auf der Agenda.

Wichtigste CPU seit 40 Jahren

Insgesamt, so der Intel-Chef Paul Ottelini, war der Launch der Atom-CPUs für Intel »die wichtigste Prozessor-Einführung seit 40 Jahren«. Man könnte auch sagen »seit jeher«, denn Intel hat erst vor kurzem den 40. Geburtstag gefeiert. Ob er damit recht behält, sprich, ob Intel mit Atom-CPUs den Einzug in Alltagsgegenstände schafft, wird die Zeit zeigen. Bislang ist der Markt jedenfalls noch nicht reif dafür, und die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über die neue Common-Building-Block-Komponente »Mainboard«.

CBB-Komponente »Mainboard«

Bis zur »Atom-Waschmaschine« wird jedenfalls noch viel Silizium durch die Intel-Fabs rauschen. Gegenwärtig prägt vor allem das Centrino-2-Geschäft den Intel-Alltag. Mit der Centrino-2-Markteinführung geht außerdem einher, dass Intel Notebook-Mainboards zur Common-Building-Block-Komponente quasi-standardisiert.

Im Jahr 2005 hat Intel die Common Building Blocks (CBBs) eingeführt. Bei diesem Standardisierungsprogramm wurden über die asiatischen Barebone-Größen sieben Kernkomponenten des Notebooks, wie beispielsweise Akku oder Netzteil, vereinheitlicht. Als achte Komponente kommen nun Notebook-Mainboards hinzu.

Grundgedanke dahinter ist folgender: CBB-Mainboards für Notebooks verfügen über ein einheitliches Interface für alle relevanten Schnittstellen, die zum Mainboard führen, also beispielsweise USB-Anschluss, Strom, Ethernet. Notebook-Hersteller, die mit CBB-Mainboards arbeiten, können auf dieses zentrale Schnittstellen-Interface zugreifen und werden bei der Gehäusegestaltung unabhängiger. Zudem wird es möglich, das Notebook-Mainboard auszutauschen. Ansonsten gelten alle Vorteile, die auch für andere CBB-Komponenten gelten: Für die Hersteller werden auch Designs für Nischenmärkte rentabel, da sie nicht für jede Komponente hohe Tooling- und Rüstkosten auf die Losgrößen umlegen müssen. Sie bedienen sich einfach aus dem Fundus an Common Building Blocks und können kleinere Stückzahlen rentabel realisieren. Nach den gegenwärtigen Planungen werden noch im dritten Quartal 2008 CBB-Mainboards von den Bändern rollen.

Garantieabwicklung fällt weg

Ursprünglich war mit dem CBB-Programm eng verzahnt, dass die Garantieabwicklung der Komponenten über Intel abgewickelt wurde. Dieses Garantieprogramm wird es künftig nicht mehr geben, hieß es aus dem Unternehmen. Zum Startschuss der Common-Building-Block-Initiative sei es eine Möglichkeit gewesen, den beteiligten Channel zu unterstützen. Nachdem CBB inzwischen aber zu einem Selbstläufer geworden sei, ist diese Unterstützung nicht mehr vorgesehen, so die Auskunft von Dirk Claasen, dem Channel-Chef bei Intel in Feldkirchen bei München.

Lesen Sie auf der nächsten Seite Details zum Atom-Portfolio sowie einen Kommentar des Autors.

Intels Atom-Portfolio

Ein aktueller Mobile-Prozessor läuft mit einer Leistungsaufnahme von etwa 35 Watt. Die erste, einkernige Generation an Atom-CPUs aus dem Hause Intel kommt hingegen mit lediglich 0,65 (Z500, 0,8 Gigahertz) bis 2,4 Watt (Z540, 1,83 Gigahertz) aus. Diese Atom-CPUs aus der Z-Reihe sind für den Einsatz in PDAs optimiert. Die N-Reihe, die für die neue Produktkategorie der »Netbooks« ausgelegt ist, umfasst derzeit den Vertreter N270. Er rechnet mit einer Taktrate von 1,6 Gigahertz, bei einer Leistungsaufnahme in Höhe von 2,5 Watt.

Der Atom 230 ist für günstige Desktop-Systeme, so genannte Nettops ausgelegt und läuft bei einer Leistungsaufnahme von 4 Watt mit einer Taktrate in Höhe von 1,6 Gigahertz.

Kommentar des Autors: Geplanter Atom-Einstieg

Wer im Physikunterricht aufgepasst hat oder bei Wikipedia nachschaut, der weiß, dass das Wort »Atom« altgriechisch ist und »unteilbar« heißt.

Was der griechische Gelehrte Demokrit noch nicht ahnen konnte ist, dass sich das mit der Unteilbarkeit relativieren wird. Allein in Deutschland werden gegenwärtig in 17 kommerziellen Kernkraftwerken Uran-Atome geteilt, auch wenn sie bis spätestens 2021 vom Netz gehen sollen. Atom-Ausstieg hin oder her – was für die Energiekonzerne in Deutschland gilt, muss noch lange nicht für die Hersteller von brauner und weißer Ware gelten, deren Geräte den Strom verbrauchen. Auch auf die Gefahr hin, dass das Wortspiel zu billig ist: Branchenexperten erwarten hier eher einen »Atom-Einstieg«, denn »billig« ist ja auch die Haupteigenschaft der Atom-CPUs.

Doch welche Auswirkungen wird das auf den IT-Channel haben?

Ist damit zu rechnen, dass intelligente Waschmaschinen, Kühlschränke, Kaffeemaschinen und Ähnliches ins Sortiment des durchschnittlichen IT-Händlers wandern? Wohl eher nicht. Neben den Fachgeschäften werden hier lediglich die Online-Händler ihr Angebot erweitern, denn die verkaufen eh alles, was Marge bringt. Bei Amazon und Home-of-Hardware können schon jetzt Wäschetrockner bestellt werden. Profitieren werden aber auch die IT-Dienstleister, die Services rund um das vernetzte Heim anbieten. Noch ist das alles Zukunftsmusik, aber irgendwann wird man per Online-Zugriff aufs heimische Netzwerk auch überprüfen, ob die Vorräte für einen Kuchen reichen.

Übrigens: So unteilbar sind auch die Intel-Atome nicht. Noch im dritten Quartal 2008 sollen zweikernige Atom-CPUs auf den Markt kommen.

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