Samsung, Acer und Asus sollen Nokia ersetzen Intel schwenkt von MeeGo zu Tizen

Redakteur: Harry Jacob

Nachdem die Partnerschaft mit Nokia zerbrochen ist, braucht Intel neue Unterstützer für sein Tablet-Betriebssystem. Das soll nun eine neue technische Basis bekommen – unter neuem Namen.

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Eines der wenigen Meego-Vertreter auf dem deutschen Markt: Der Asus Eee PC X101.
Eines der wenigen Meego-Vertreter auf dem deutschen Markt: Der Asus Eee PC X101.

Seit Jahren bastelt Intel an einem Betriebssystem für mobile Gadgets unterhalb der Notebook-Klasse – doch richtig Fuß gefasst hat der Chip-Riese in diesem Markt noch nicht.

Nachdem das deutsche Wetab im vergangenen Jahr weitgehend floppte und in diesem Jahr auch noch Entwicklungspartner Nokia zu Microsoft und Windows überlief, mussten neue Partner her, die bereit sind, zusammen mit Intel die Plattform weiter zu entwickeln und auf ihrer Hardware in den Markt zu bringen. Mit Samsung ist bereits ein gewichtiger Akteur gefunden.

Nun könnte es also weitergehen. Doch mit dem neuen Partner kamen auch neue technische Spezifikationen. Denn Samsung hatte als Sponsor die Limo-Foundation unterstützt, die ein eigenes „Linux mobile“ (Limo) entwickelte. Auch das geht in die Partnerschaft ein. Und so wird aus MeeGo und Limo nun „Tizen“.

Der radikal neue Ansatz: Anwendungen für Tizen sollen ausschließlich in HTML5 und Standards der Wholesale Applications Community (WAC)programmiert werden. Ziel sei es, vollkommen unabhängig von der verwendeten Hardware zu werden. Ob Handy, Smartphone, Tablet, Netbook oder irgendetwas dazwischen oder daneben, die Anwendungen sollen auf allen Geräteklassen gleichermaßen laufen.

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Vor den Kopf gestoßen

Neben den Hardware-Herstellern hat Intel bei Tizen auch die beiden Organisationen Limo Foundation (Linux Mobile) und die Linux Foundation an Board. Sie sind wichtige Kumulations-Punkte für die Entwicklergemeinde, die für den Erfolg einer neuen Plattform extrem wichtig ist.

Doch so einfach wie die beiden Dachorganisationen wollen nicht alle Programmierer den Schwenk mitmachen. Sie haben genug davon, dass vielversprechende Projekte immer wieder kurz vor der Marktreife umgeworfen werden.

Der Traum vom mobilen Linux hat sich dadurch immer weiter verzögert – iOS und Android sind die Gewinner. Hier eine kleine Zeitleiste:

  • 2005: Nokia startet Maemo auf Basis von GTK
  • 2007: Intel gründet das Moblin-Projekt, ebenfalls mit dem GFK-Framework
  • 2008: Nokia kauft Qt und macht dies zur Basis für Maemo
  • 2009: Nokia und Intel schließen eine Allianz zur Vereinigung von Maemo und Moblin unter dem Namen MeeGo, auf Basis von Qt
  • 2011: Nokia verkündet im Februar eine Allianz mit Microsoft zugunsten von Windows Phone 7. Langfristig soll die hauseigene Plattform Symbian auslaufen. Nokio bringt noch das MeeGo-basierte N9 auf den Markt und verabschiedet sich dann vom MeeGo-Partner Intel. Inzwischen ist statt MeeGo die Plattform Meltemi im Gespräch, ebenfalls ein Linux-basiertes Betriebssystem für einfachste Geräte zu extrem niedrigen Preisen
  • 2011: Intel macht im September nach zahlreichen Zusicherungen, an MeeGo festzuhalten, einen radikalen Schwenk: neuer Hardware-Partner wird Samsung, aus MeeGo soll „Tizen“ werden – ohne Qt-Basis, stattdessen rein auf HTML5 und WAC-Standards aufgebaut.

Die Anwendungsprogrammierer mussten immer wieder auf neue Entwicklungsplattformen umschwenken und haben bis heute keinen nennenswerten Markt, da es kaum Geräte unter MeeGo gibt. Durch den Wechsel zu „Tizen“ gerade in dem Moment, als erste Produkte mit MeeGo verkauft werden, sehen sie sich erneut um den Lohn ihrer Arbeit gebracht – wer kauft schon Software für ein Gerät, dessen Betriebssystem soeben beerdigt wurde? Sie drohen nun, sich von der Intel-Plattform endgültig abzuwenden.

Doch viele Entwickler laufen Sturm gegen diese Pläne. Sie glauben nicht, dass HTML5 und Java geeignete Plattformen für schnelle, stabile und sichere Anwendungen sind und dass es sich lohnt, MeeGo-Applikationen darauf zu portieren. Auch die Art und Weise, wie Intel sie zum wiederholten Male um die Früchte ihre Arbeit bringt, treibt die Entwickler auf die Palme (Siehe Kasten: „Vor den Kopf gestoßen“).

Erste Tizen-Geräte sollen frühestens Mitte 2012 auf den Markt kommen. Und die benötigten Entwicklungswerkzeuge sind noch gar nicht fertig.

Hersteller ziehen mit

Neben Samsung haben inzwischen auch Acer und Asus angekündigt, Tizen unterstützen zu wollen. Beide Hersteller haben bereits ein MeeGo-Gerät auf dem Markt: Asus den Eee PC X101, das angeblich „dünnste und leichteste Netbook der Welt“, Acer das Netbook Aspire One D257, das auf der IFA vorgestellt wurde. Sie haben keine Wahl: Entweder ziehen sie in die gleiche Richtung wie Intel, oder sie geben den Versuch auf, neben Windows und Android eine weitere Betriebssystem-Alternative zu etablieren. Auch bei den MeeGo-Geräten hatten sie intensive Unterstützung von Intel erhalten. Diese Partnerschaft soll also anscheinend auch unter den neuen Vorzeichen fortgesetzt werden.

Inzwischen hat sich auch der Hersteller des in Deutschland entwickelten Tablets Wetab zu Wort gemeldet, die 4tiitoo AG. Der einstige Vorzeige-Partner von Intel hält ebenfalls an der Kooperation fest und kündigte an, „den offenen Ansatz des Wetab OS mit der Integration von Tizen und HTML5“ zu erweitern.

„Die Tizen-Version des Wetab OS wird zunächst auf Tablet-PCs, Netbooks und All-In-One-PCs ausgerichtet und kompatibel mit den Geräten der Partner des Tizen-Projektes sein. Die derzeit unterstützten Technologien des Wetab OS einschließlich des Qt-Frameworks werden auch zukünftig unterstützt“, betont Gründer und Geschäftsführer Tore Meyer.

Nur ein Angebot unter vielen

Auch Panasonic sowie mehrere Telekommunikations-Unternehmen unterstützen. Nach Branchengerüchten soll auch HTC prüfen, die Betriebssystemplattform von Intel und Samsung zu nutzen.

Nach wie vor wird Samsung neben Tizen übrigens auch die hauseigene Entwicklung Bada weiterführen. Und ob Tizen tatsächlich endlich den Durchbruch schafft, ist noch lange nicht entschieden. Für MeeGo hatten die Marktforscher von Gartner kürzlich eine düstere Prognose abgegeben. Sie erwarteten von 2012 bis 2015 einen starken Rückgang der Absatzzahlen für MeeGo-Geräte – in einem stark wachsenden Markt.

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