Interview mit Hannes Schwaderer Intel pusht Centrino, Google-Werbung und Notebook-Standards

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Intel treibt die Branche in die Richtung, die der Konzern für richtig hält. IT-BUSINESS sprach mit Intel-Geschäftsführer Hannes Schwaderer über den Santa-Rosa-Launch, die 100-Prozent-Subvention auf Google-Werbung und den Stand der Notebook-Standardisierung.

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Hannes Schwaderer, Geschäftsführer Intel Deutschland, nahm beim Gespräch mit IT-BUSINESS kein Blatt vor den Mund.
Hannes Schwaderer, Geschäftsführer Intel Deutschland, nahm beim Gespräch mit IT-BUSINESS kein Blatt vor den Mund.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das »Intel Inside«-Programm steuert nach einem komplexen Regelkatalog seit Jahren den Verbleib etlicher Marketing-Millionen. Intel hat das Programm nun für Online-Werbung optimiert und übernimmt die vollen Kosten für Google-Werbung aus den WKZ-Töpfen (Werbekostenzuschuss), die sich der Intel-Channel mit vier Prozent der Chipumsätze erarbeitet. Zu bewerben gibt es viel, und Intel treibt die gesamte IT-Branche in die Richtung, die der Konzern für richtig hält.

Die neue Centrino-Generation, die unter dem Arbeitstitel »Santa Rosa« bekannt ist, enthält nun Remote-Management-Funktionen für Notebooks, die auf Desktop-Ebene (vPro) bereits den Alltag vieler Systemadministratoren verändert haben.

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Auch sonst hat die weltgrößte Chipschmiede im Hintergrund diverse Strippen gezogen und sieben standardisierte Notebook-Komponenten durchgedrückt, die nun bei den drei weltweit größten Barebone-Herstellern vom Band rollen.

Verbraucher und B-Brands profitieren von günstigeren Einkaufskonditionen und Intel-Garantieabwicklung. Tendenziell wird es künftig also eher vermehrt baugleiche Notebooks geben.

ITB: Intel hat eine Werbeinitiative mit Google für den Channel gestartet. Was steckt dahinter?

Schwaderer: In erster Linie ging es darum, den Zugang zu Intel-Inside-Marketinggeldern zu vereinfachen und sich den Anforderungen der Online-Werbung zu stellen.

ITB: In welchem Rahmen bewegen sich denn die Werbekostenzuschüsse von Intel und was bedeutet diese Online-Optimierung konkret?

Schwaderer: An Schaltungen in Printpublikationen und im Fernsehen, in denen Intel entsprechend mit beworben wird, beteiligen wir uns in der Regel mit 50 Prozent. Das Marketing-Geld dafür »erarbeitet« sich der Reseller durch seine CPU-Umsätze, von denen vier Prozent in seinen Fund wandern. Sie können sich vorstellen, dass es insbesondere im TV- und Print-Bereich um große Summen geht und hierzu ein entsprechend großer Katalog an Regeln, wie die Gelder verwendet werden können, historisch gewachsen ist. Die Reglementierungen sind letztlich aber auch nötig, um hier unsere Marketinggelder in sinnvolle Bahnen zu lenken. Online-Werbung läuft anders, und wir wollen die Chancen dieses Werbemediums gezielt für unsere Channel-Partner nutzbar machen. Das bedeutet konkret, dass wir in diesem Bereich 100 Prozent der Schaltungskosten aus dem Marketing-Fund übernehmen, den komplexen Regelkatalog speziell dafür abgespeckt haben und für das Ganze ein einfach zu bedienendes Online-Portal einrichten werden.

ITB: Wann geht das Portal an den Start?

Schwaderer: Aller Voraussicht nach noch im zweiten Quartal. Alle unsere Teilnehmer am Intel-Inside-Programms werden hier einfach und schnell von Profis optimierte Online-Werbung schalten können. Darüber hinaus lassen sich über das Google-Tool auch Werbeprodukte für den Point of Sale bestellen, also beispielsweise Aufsteller, Flaggen und Werbe-Mousepads. Das wird im Tagesgeschäft einiges vereinfachen.

ITB: Intel hat gerade die vierte Centrino-Generation auf den Markt gebracht, die unter dem Arbeitstitel »Santa Rosa« lief. Welche Anreize gibt es für den Umstieg?

Schwaderer: Eine ganze Menge. Wir haben die Leistung bei gleichem Stromverbrauch im Vergleich zu Single-Core-CPUs verdoppelt, den Datendurchsatz über den neuen Standard 802.11n verfünffacht und die Reichweite verdoppelt. Wir unterscheiden jetzt zwischen Centrino Pro für Professionals und Centrino Duo für Privatanwender. Die Pro-Version ist stets auf den Wireless-LAN-Standard 802.11n ausgelegt, der gegenwärtig vor der finalen Veröffentlichung steht. Hardwareprodukte, die mit dieser Technologie arbeiten, erhalten von uns nach entsprechenden Testläufen ein Connect-with-Centrino-Logo, der Nutzern die Kompatibilität bestätigt. Außerdem haben wir in Centrino Pro jetzt Remote-Management-Funktionen implementiert, die bislang nur in der vPro-Technologie im Desktop-Bereich verfügbar waren.

ITB: Die Remote-Management-Funktionen, die Sie ansprechen, sind mit vPro nun schon seit etwa einem Jahr auf dem Markt. Wie hat sich das Konzept denn im Administratorenalltag bewährt?

Schwaderer: Ein gutes Praxisbeispiel ist die Asklepios-Klinik in Hamburg, die in einem Pilotprojekt zum »Future-Hospital« umgebaut wurde. Asklepios ist eine privatwirtschaftlich geführte Klinik-Kette, die die gleichen Krankenkassensätze wie die staatlichen Kliniken erhalten, damit aber profitabel arbeiten. Der wohl wichtigste Grund dafür ist eine effiziente IT. Dabei ist vPro ein ganz entscheidender Baustein, denn wir haben in diesem Zusammenhang dank Fernwartung die Anzahl der Vor-Ort-Einsätze des Systemadministrators um 87 Prozent senken können, was die Total-Cost-of-Ownership pro Rechner um 35 Prozent gesenkt hat.

ITB: Dank vPro ist die Klinik profitabel? Das kann doch nicht der alleinige Grund sein…

Schwaderer: Natürlich steckt da noch mehr dahinter. Wir haben in diesem Pilotprojekt einige Problemfelder im Krankenhausbetrieb lösen können – viele Kleinigkeiten, die die Gesamtabläufe optimieren. So war das Klinikpersonal häufig bis zu zwei Stunden täglich mit der Beschaffung von Patientenakten oder Röntgenbildern beschäftigt. Nun sind die Ärzte mit Tablet-PCs ausgestattet und können per WLAN auf digitale Patientenakten inklusive Röntgenbilder zugreifen, via WLAN. RFID-Tags – auf Blutbeuteln oder am Krankenhausbett – verhelfen schnell zu den benötigten Informationen. Sie sehen: Es gibt eine Menge Ansatzpunkte, wie Technologie im unterfinanzierten Gesundheitssystem Ausgleiche schaffen kann.

ITB: Der Notebookmarkt, den Intel mit Centrino adressiert, ist schon lange kein Erstkäufermarkt mehr, sondern inzwischen erwachsen geworden. Wie entwickelt sich denn die Dynamik?

Schwaderer: Weltweit betrug das Notebook-Wachstum im Jahr 2005 etwa 35 Prozent. 2006 waren es 28 Prozent und von 2007 bis 2011 prognostizieren die Marktauguren durchschnittlich 18 Prozent Wachstum. Ich denke, vor diesem Hintergrund kann man sagen, die Dynamik ist ungebrochen. Übrigens: In Deutschland wird für die nächsten Jahre ein höheres Durchschnittswachstum von jährlichen 25 Prozent erwartet. Betrachtet man den Gesamtmarkt, gingen im Jahr 2006 in Deutschland 48 Prozent Notebooks und 52 Prozent Desktops überdie Ladentheken. Den Cross-Over hin zu mehr verkauften Notebooks als Desktops erwarten wir noch 2007.

ITB: Vor geraumer Zeit begann Intel damit, die Normierung von sieben Komponenten im Notebook voranzutreiben, so dass beispielsweise die Akkus verschiedener Notebook-Hersteller ausgetauscht werden können. Auch sollten durch gesteigerte Losgrößen der Komponenten in der Fertigung die Kosten gesenkt werden, wovon insbesondere kleinere Hersteller profitieren. Das käme der Artenvielfalt in der Herstellerlandschaft zugute. Inzwischen ist es fast ein Jahr her, dass diese »Intel Interchangeability Iniciative« gestartet wurde. Was ist aus diesem Zungenbrecher geworden?

Schwaderer: (lacht) Zungenbrecher trifft es recht gut. Das Programm heißt inzwischen auch anders, nämlich »Verified by Intel«, oder kurz VBI. Es läuft sehr erfolgreich, auch wenn naturgemäß nicht so viel davon nach außen dringt. Die sieben standardisierten Komponenten – Common Building Blocks genannt – sind im einzelnen die Batterie, die Tastatur, das optische Laufwerk, die Festplatte, das Keyboard, der Power-Adapter und das Panel. Die Firma Breitpoint, ein TK-Distributor, sammelt für das VDI-Programm die Aufträge seitens der Distribution. So erreichen wir die Volumina, die man für günstige Einkaufskonditionen bei den Barebonegrößen Quanta, ASmobile und Compal braucht. Unsere Partner, die daraus entsprechende Notebooks assemblieren, können dann von einer Garantieabwicklung seitens Intel profitieren. Ein Brief, der die Barebonekompatibilität und zweijährige Garantie auf die Komponenten bestätigt, wird den Notebooks beigelegt. Wir erhalten sehr positives Feedback vom Channel auf das Programm. Zusammen mit dem Barebonehersteller Mitac sind wir das Thema Santa Rosa angegangen und haben ein Barebone mit Common Building Blocks auf Centrino-Pro-Basis aufgesetzt.

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