Computex 2015: Intel bringt Broadwell-H-Prozessoren Intel kommt aus dem Takt

Redakteur: Klaus Länger

Intels Tick-Tock-Strategie ist aus dem Takt geraten: Der Prozessorhersteller bringt zwar die nächste Fuhre an Broadwell-Prozessoren, ersetzt aber Haswell nicht komplett. Auf der anderen Seite wurden auf der Computex bereits die ersten Rechner mit dem Broadwell-Nachfolger Skylake angekündigt. Als neue Produktlinie kommen zudem Xeon-Prozessoren mit schneller integrierter GPU.

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Auf den Prozessoren mit integrierter Iris-Pro-6200-Grafikeinheit sitzt neben der CPU nich ein zusätzlicher eDRAM-Chip, der als schneller Pufferspeicher für die GPU dient.
Auf den Prozessoren mit integrierter Iris-Pro-6200-Grafikeinheit sitzt neben der CPU nich ein zusätzlicher eDRAM-Chip, der als schneller Pufferspeicher für die GPU dient.
(Bild: Intel)

Intel bringt die 14-Nanometer-Prozessoren auf Raten: Im letzten Jahr als Vorbote der extrem sparsame Core M, dann zu Beginn dieses Jahres mit den Core-Prozessoren der fünften Generation die stärkeren Dual-Core-Broadwells für Mobilrechner und nun endlich die ersten Quad-Core-Broadwells für Notebooks und Desktop-PCs. Allerdings liegt bei den zehn neuen Broadwell-CPUs mit 47 oder 65 Watt TDP der Fokus auf der schnellen integrierten Grafik. Ein Nachfolger für die 84-Watt-Desktop-Prozessoren steht immer noch aus. Damit ist Intels Tick-Tock-Strategie, also der Wechsel zwischen einer neuen Fertigungstechnik mit kleineren Transistoren (Tick) und einer neuen Prozessorarchitektur (Tock) aus dem Tritt geraten. Haswell war der letzte Tock, Broadwell mit dem Umstieg von 22 auf 14 Namometer ein Tick. Allerdings hat Intel die Grenzen auch immer mehr aufgelöst, denn auch mit Broadwell wurden einige neue Instruktionen eingeführt und vor allem die Grafikleistung erhöht.

Mehr Leistung bei der Grafik

Neun der zehn neuen Broadwell-H-Prozessoren warten alle mit vier Prozessorkernen und einer integrierten Iris-Pro-6200-Grafikeinheit auf. Die Ausnahme ist der Core i7-5700HQ mit Intel HD 5600, der wohl eher für Notebooks mit einer zusätzlichen AMD- oder Nvidia-Grafikkarte bestimmt ist. Bei den Prozessoren mit Iris Pro 6200 sitzt auf dem Prozessorgehäuse neben der eigentlichen CPU ein zusätzlicher Embedded-DRAM-Chip (eDRAM) als schneller Pufferspeicher, der den 48 Ausführungseinheiten in der GPU noch mal etwas auf die Sprünge hilft.

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Prozessoren mit zusätzlichem eDRAM gibt es schon länger: Die Haswell-R-Modelle mit Iris Pro 5200. Da Intel diese aber als nur als BGA-Modell mit spezieller Pin-Belegung zum Auflöten angeboten hat, blieben Rechner mit dieser CPU nur eine Randerscheinung. Die Broadwell-H-Prozessoren gibt es dagegen auch als C-Modelle mit LGA-Pinout für den Sockel 1150. Das gibt den PC-Herstellern und vor allem den Systemintegratoren mehr Flexibilität, da sie keine speziellen Mainboards benötigen. Für den Einsatz in All-in-One-Rechnern und Notebooks bietet Intel aber auch CPUs mit BGA-Sockel an.

Vier der neuen 47-Watt-Prozessoren sind Core-i7-Modelle mit vier Kernen und Hyperthreading. Daneben gibt es noch den Core i5-5350H mit zwei Cores und Iris Pro 6200. Diese Prozessoren sind primär für den Einsatz ein Notebooks bestimmt, werden aber sicher auch ihren Weg in einige All-in-One-Rechner oder Mini-PCs finden.

(Bild: Intel)

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Die 65-Watt-Prozessoren sind als C-Modelle für Mainboards mit Sockel 1150 oder als R-Modelle zum Auflöten verfügbar. Neben zwei Core-i7-CPUs mit vier Cores und acht Threads bringt Intel noch drei Core-i5-Prozessoren mit vier Kernen aber ohne Hyperthreading auf den Markt. Diese fünf Prozessoren sind alle mit Iris Pro 6200 und eDRAM ausgestattet. Die Prozessoren für den Sockel 1150 sind wie die bisherigen Haswell-S-Modelle aber eher für kompakte Desktop-PCs ohne zusätzliche Grafikkarte gedacht. Denn mit Taktraten von maximal 3,3 GHz dürften sie in der Leistung eher unter den 84-Watt-Haswell-CPUs liegen.

(Bild: Intel)

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Skylake in Sicht

Intel hat somit die schnelleren Desktop-Prozessoren noch nicht auf die Broadwell-Architektur umgestellt. Gleichzeitig gibt es auf der Computex aber bereits die ersten Mainboards mit Sockel 1151 zu sehen, die für den Broadwell-Nachfolger Skylake bestimmt sind. Asus hat mit Zen AiO sogar einen All-in-One-Rechner mit Skylake präsentiert, aber natürlich noch ohne konkrete Nennung des Prozessors. Dass in dem Rechner ein Skylake-Prozessor steckt ist daran ersichtlich, dass Asus in den Spezifikationen DDR4-Speicher angibt, den Skylake als erste Desktop-CPU von Intel unterstützt. Der neue Prozessor wird aber nur in der S-Version mit Sockel 1151 DDR4 nutzen, die Mobile-Varianten zunächst noch LPDDR3. Hier wird dafür der Chipsatz mit auf den Prozessor-Die wandern, Skylake-U wird also ein echter SoC. Bei Haswell-U, Core M und Broadwell-U sitzt der Chipsatz noch als zusätzlicher Chip neben der CPU auf dem Prozessorgehäuse. Zudem ist eine neue CPU- und GPU-Microarchitektur zu erwarten.

Skylake-S wird eine neue Chipsatz-Generation zur Seite gestellt. Die Serie-100-Chipsätze kommunizieren über eine schnellere DMI-3.0-Schnittstelle mit dem Prozessor. Zudem werden sie nun auch PCI Express 3.0 beherrschen. Das ist vor allem wichtig für die Anbindung von SSDs mit PCIe-Interface.

Broadwell-Xeon mit Iris Pro

Neben den Desktop- und Mobile-CPUs auf Broadwell-H-Basis hat Intel in Taipei auch noch fünf Xeon-E3-1200-v4-Modelle angekündigt, die ebenfalls zur ersten Generation der 14-Nanometer-CPUs gehören und auf Mainboards mit Sockel 1150 arbeiten. Die neuen Xeons haben alle eine Iris-Pro-P6300-GPU integriert. Sie verfügen alle über vier Cores mit Hyperthreading und unterscheiden sich nur in Taktfrequenz und Leistungsaufnahme. Intel sieht den Einsatzbereich der neuen Xeons vor allem im Videoencoding und als Remote-Workstation für Aufgaben, die nicht dir Leistung einer zusätzlichen AMD-Fire-Pro- oder Nvidia-Quadro-Grafikkarte erfordern.

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