Zukunft voller Plattformen Intel auf den Spuren des Aristoteles

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Ausrichtung. Früher hieß es „Intel Inside“ und gemeint waren Prozessoren. Heute stellt Intel „Plattformen“ her und der Claim heißt „Leap Ahead“. Intel verabschiedet sich von der „Megahertz-Manie“ und gibt sich eher philosophisch.

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Aristoteles. Der griechische Denker wusste: „Das Ganze ist mehr als seine Teile“
Aristoteles. Der griechische Denker wusste: „Das Ganze ist mehr als seine Teile“
( Archiv: Vogel Business Media )

Seit Anfang 2003 predigt Intel die Lehren des griechischen Denkers Aristoteles, der sagte: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Damals haben die Intellianer eine Stromspar-CPU, die entsprechenden Chipsätze sowie Komponenten für 802.11-Funktionen (WiFi) zur Plattform „Centrino“ verheiratet. Nur wenn die drei zertifizierten Intel Komponenten inside sind, darf seither das Centrino-Logo auf das Notebook. Hier geht es für die Techniker um aufeinander abgestimmte Komponenten und für Vertriebler um reichlich Werbebudget und immense Werbekostenzuschüsse. Dasselbe Strickmuster gilt für die anlaufenden Plattform-Generationen Viiv und vPro.

Intel-Strategietag

Einmal im Jahr bekommen Intel-Partner auf dem so genannten Strategietag ein informelles Update über die kommenden Jahre „aufgespielt“, um im Bild zu bleiben. Peter Gleißner, bei Intel als Geschäftsführer für den EMEA-Vertrieb zuständig, beschrieb den Philosophiewechsel bei der weltgrößten Prozessorschmiede wie folgt: „Zunächst hatten wir nur über Mikroprozessoren gesprochen, dann nur über Plattformen.“ Beides, so Gleißner, sei zu extrem gepolt. Nun werde man verstärkt beide Felder kommunizieren und auch wieder häufiger über CPUs sprechen.

Was Gleißner dann auch getan hat. Intel-Prozessoren werden „immer kleiner und immer cooler“, beschwor der Manager. Obwohl die Megahertz-Manie bereits für beendet erklärt wurde, sollen CPUs künftig im Jahresturnus auf den Markt kommen. Alle zwei Jahre wird sogar eine komplett neue Architektur entworfen. Die weitere Agenda ließ dennoch keinen Zweifel: Intel ist eine Plattform-Company geworden. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von der Firmen-PC-Plattform vPro, der Home-Entertainment-Plattform Viiv und auch die Centrino-Plattform geht mit der Zeit und wird neu ausgestattet.

vPro klingt „wie Pro“

Für die Professionals, also Firmenkunden, hat Intel aus einem Dual-Core-Prozessor, dem Q965-Chipsatz, der „Active-Management-Technologie“ und einer integrierten Virtualisierungssoftware die Plattform vPro geschnürt.

Eine Neuerung, die direkte Auswirkungen auf den Administratoren-Alltag haben wird, steckt in der Wartungsfreundlichkeit: Fremdzugriffe für Admins werden so ohne die Installation von Remote-Software möglich. Fernwartung nimmt damit einen wichtigen Schritt in Richtung Standard. So lassen sich vPro-Rechner im Netzwerk ab Werk per Fernzugriff aus dem ausgeschalteten Zustand heraus hochfahren. Lenovo demonstrierte auf dem Strategietag in diesem Zusammenhang die Verwendung der integrierten Virtualisierungstechnologie (VT) und der Active-Management-Technologie (AMT), die bei Inventarisierung, Diagnose und Reparatur eines PCs Kosten sparen sollen. Wertvolle Dienste liefert dabei das PC-Logbuch, das fernwartenden Admins anzeigt, was zuletzt geschehen ist, frei nach dem Motto: „Sie haben vor dem letzten Herunterfahren noch private Software über einen USB-Stick aufgespielt, die sich nicht mit dem System verträgt.“

Viiv klingt „wie V“

Die Viiv-Plattform ist Intels Antwort auf die Trends „Konvergenz zwischen CE und IT“, „Digitalisierung im Wohnzimmer“ und HDTV. Hier spannt Intel den Plattformbegriff noch weiter auf. Unter Zertifikatszwang fallen zum einen Komponenten der „CE-like“ Viiv-PCs, nämlich Chipsatz, Dual-Core-Prozessor, die „Windows XP Media Center Edition“ von Microsoft und TV-Komponenten. Darüber hinaus zertifiziert Intel darauf abgestimmte Inhalte, Online-Services sowie vernetzbare Geräte von Drittherstellern.

150 Content- und Softwarepartner haben sich bisher gefunden, die sich nach Viiv-Vorgaben ausrichten. Dafür soll der Umgang dann so stressfrei sein, dass einem Einzug auch in die Wohnzimmer der weniger technikaffinen Bevölkerungsteile nichts entgegensteht. Das Stichwort lautet: „Fernbedienung“. Auf dem Strategietag sollte demonstriert werden, wie der Viiv-PC auf Knopfdruck ein Netzwerk erstellt. Die Organisatoren hatten dabei allerdings die Rechnung ohne die technikverliebte Händlerschar gemacht. Die Suche nach immer weiteren möglichen Netzwerkgeräten im Raum sprengte das Zeitfenster.

Centrino goes Duo

Stromverbrauch, Akkulaufzeit und Gewicht bilden das „magische Dreieck“ beim Notebook und beeinflussen sich gegenseitig. Mit einem Benchmark zwischen dem Core 2 Duo und einem Core Duo verdeutlichte Intel, wie in diesem Dreieck bei der Centrino-Nachfolgeplattform „Centrino Duo“ ab 2007 Leistungsschübe erzielt werden. Im Benchmark zwischen „Core Duo“ und Nachfolger „Core 2 Duo“ demonstrierte Intel-Sprecher Martin Strobel, wie bei etwa gleich bleibendem Stromverbrauch unter CPU-Auslastung das aktuelle Modell rechenintensive Aufgaben um 22 Prozent eher beendete. Der Stromverbrauch wird also verringert, indem die Zeiten intensiver Belastung minimiert werden.

Die mobile Melkkuh Centrino, die 2003 ins Feld geschickt wurde, um das Segment Mobile umzukrempeln, war lange Zeit die einzige Plattform im Intel-Portfolio. Das war jedoch nur der Anfang, denn inzwischen durchdringt der Plattform-Gedanke den Konzern vollends. Kein Wunder, denn schon Aristoteles wusste: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“

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