Ulmer Startup mischt Cloud-Markt auf Innovations On: Mit dem Mut zum Risiko

Autor: Michael Hase

Tom Simon wagte bereits im Alter von 20 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Sein Unternehmen Innovations On beschäftigt heute 30 Mitarbeiter, kommt auf 50 Kunden und ist Advanced Partner von AWS. Selbst große Systemhäuser kooperieren mit dem Startup.

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Junge Menschen haben Wissenschaftlern zufolge eine höhere Toleranz fürs Ungewissese und sind deshalb eher bereit, unbekannte Risiken einzugehen.
Junge Menschen haben Wissenschaftlern zufolge eine höhere Toleranz fürs Ungewissese und sind deshalb eher bereit, unbekannte Risiken einzugehen.
(Bild: inamar – stock.adobe.com)

Jugendlichem Leichtsinn schrieben es die Eltern zu, als Tom Simon zur örtlichen Sparkasse ging, um wegen eines Existenzgründerkredits zu verhandeln. Gerade einmal 15 Monate hatte der Ulmer seinen Abschluss als Fachinformatiker in der Tasche, und schon wollte er in die Selbständigkeit starten. Auch wenn er keinen Businessplan ausgearbeitet hatte, gab der Banker grünes Licht. Denn der 20-Jährige machte den Eindruck, dass er genau wusste, was er wollte: einen Cloud-Dienstleister aufbauen. Zu Hause gingen jedoch die roten Alarmleuchten an. Was sollte später aus der Rente des Sohnes werden, wenn er sich jetzt schon über beide Ohren verschuldete?

Tom Simon, Gründer und Geschäftsführer von Innovations On, positioniert das Unternehmen als „Next Level MSP".
Tom Simon, Gründer und Geschäftsführer von Innovations On, positioniert das Unternehmen als „Next Level MSP".
(Bild: Innovations On)

Inzwischen haben sich die Gemüter in Ulm wieder beruhigt. Heute, zweieinhalb Jahre später, beschäftigt Simons Startup Innovations On gut 30 Mitarbeiter. Mehr als 50 Kunden hat der Dienstleister bislang gewonnen, von denen er einige dauerhaft als Managed Cloud Provider betreut. Im AWS Partner Network (APN) haben die Schwaben als Advanced Consulting Partner bislang den zweithöchsten Status erworben. Einen Merger – mit der Münchner Neugründung Cloudbuddies – und eine Akquisition – den Kauf von Di-On.Solutions aus Burgau bei Günzburg – hat Simon auch schon hinter sich. Zum Ende des Quartals wird das Startup voraussichtlich den Break Even erreicht haben. Die ersten Schritte als Unternehmer hat der heute 22-Jährige also erfolgreich zurückgelegt.

Kooperation mit All for One

Nicht nur Kunden sind bislang mit Innovations On ins Geschäft gekommen, sondern auch namhafte Systemhäuser, die mit dem Cloud-Spezialisten zusammenarbeiten, weil ihnen auf bestimmten Feldern die spezifische Kompetenz fehlt. So haben die Ulmer gerade eine Kooperation mit dem Beratungshaus All for One angekündigt. Die beiden Dienstleister werden gemeinsam Kunden dabei unterstützen, SAP-Systeme auf die AWS-Plattform zu migrieren und dort zu betreiben. Dabei sind die Aufgaben klar aufgeteilt. Innovations On kümmert sich um die Infrastruktur, der Kooperationspartner aus Filderstadt, der bei Cloud eher in der Azure-Welt zuhause ist, um die Anwendungen.

Die Verantwortung für den Cloud-Spezialisten ruht allerdings nicht auf Simons Schultern allein. Die Geschäftsführung teilt er sich mit Cloudbuddies-Gründer Oliver Schallhorn, der lange an der Spitze von Fritz & Macziol (heute Axians) stand und zuletzt im Management von Cancom tätig war, und Dagmar Ziegler, die bei beiden Systemhäusern im Vertrieb arbeitete. „Die Erfahrung, die Oliver und Dagmar in puncto Unternehmensentwicklung, Strategie und Vertrieb mitbringen, ist für mich durch nichts zu ersetzen“, sagt der junge Entrepreneur. Umkehrt profitieren die Mitgeschäftsführer von seinem technologischen Verständnis als Cloud Native. „Man braucht schon Einblick in die technischen Möglichkeiten der Cloud, um einem Kunden aufzeigen zu können, welche Lösungen sich für ihn realisieren lassen.“

Während seiner Ausbildung, die er beim Ulmer Service Provider Scanplus absolvierte, befasste sich Simon außer mit klassischen Infrastrukturkonzepten bereits mit IaaS und hybriden Szenarien. Nachdem er anschießend einige Monate bei Dell im Support gearbeitet hatte, wechselte der Schwabe zum Cloud-Beratungshaus Consort NT nach Wiesbaden. Dort wurde ihm nach einem Jahr klar, dass er selbst ein Unternehmen aufbauen wollte, um seine eigenen Vorstellungen umzusetzen.

Standardisierter Cloud-Betrieb

Die aktuelle Konstellation, ein junges Team mit einem jungen Chef, das angetreten ist, den Cloud-Markt „aufzumischen“, und zwei Geschäftsführer mit langjähriger Systemhauserfahrung, hält Simon für ideal. „Wir haben intensiv daran gearbeitet, wie man Dinge aus der alten Welt, wie etwa ITIL-Prozesse oder einen Servicedesk, in die Cloud-Welt übertragen kann.“ Als Zielgruppe adressiert Innovations On den klassischen Mittelstand. „In diesem Segment wird eine Welle von Migrationen kommen. Das kann gar nicht anders sein.“ Für gängige Anwendungsszenarien wie Backup oder virtuelle Desktops hat der Dienstleister fertige Lösungskonzepte entwickelt, um den Weg in die Cloud für mittelständische Unternehmen einfach zu gestalten. Ein Schwerpunkt der Ulmer liegt darauf, Cloud-Szenarien für Kunden zu betreiben, und zwar mit hohem Automatisierungsgrad auf Basis standardisierter Prozesse. 70 Prozent des Geschäfts wollen sie langfristig mit Managed Services erzielen. „Wir sehen uns als Next Level MSP für den Mittelstand.“

Im Unterschied zu manchen Startups in der ITK-Branche, die sich ausschließlich auf Technologie fokussieren, besitzt bei Innovations On der Vertrieb einen hohen Stellenwert. Der Managed Cloud Provider überlässt es nicht dem Zufall, dass potenzielle Kunden auf sein Leistungsangebot aufmerksam werden. So beschäftigt das Unternehmen fünf Mitarbeiter, die sich nur damit befassen, auf der digitalen und der analogen Vertriebsklaviatur zu spielen. „Wir kämpfen um jeden Kunden“, betont Simon.

Was seine Eltern als jugendlichen Leichtsinn interpretierten, nennen andere übrigens „erhöhte Toleranz fürs Ungewisse“. Wie Wissenschaftler von der Universität Yale vor einigen Jahren herausfanden, ist die Bereitschaft, unbekannte Risiken einzugehen, bei jungen Leuten tatsächlich größer. Allerdings sind ältere Menschen zumindest dann genauso risikobereit, wenn sie die Folgen einigermaßen abschätzen können. Ein gutes Beispiel dafür ist Schallhorn, der mit der Gründung von Cloudbuddies im Alter von 53 Jahren einen Neuanfang wagte. Nach einem Vierteljahrhundert in Führungspositionen bei Channel-Unternehmen wusste er genau, worauf er sich einlässt.

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Chefreporter