Ab 1. Oktober werden Macs und Ipods teurer Ingram Micro kalkuliert Apple-Produkte künftig mit Risiko-Aufschlag

Redakteur: Harry Jacob

Die deutsche Urheberrechtsabgabe ist durch die Neuregelung seit Jahresbeginn undurchsichtiger denn je. Trotzdem haben alle Hersteller einen Weg gefunden, Geschäftspartner vor dem Risiko einer plötzlichen Nachforderung freizustellen. Alle – bis auf Apple. Das rächt sich jetzt, denn nun kalkuliert Distributor Ingram Micro einen »Risiko-Zuschlag« mit ein. Tech Data bereitet Ähnliches vor.

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Nach monatelangen, zähen Verhandlungen mit Apple, die bislang ohne greifbares Ergebnis blieben, zieht Ingram Micro nun die Notbremse: Ab 1. Oktober werden die Preise auf Apple-Produkte wie Ipods, Notebooks und Desktop-Rechner nach oben angepasst. Hintergrund ist die Weigerung des Herstellers, das Risiko für die Urheberrechtsabgabe zu übernehmen. So bleibt dem Distributor keine Wahl, als selbst Vorsorge zu treffen. Da sich die nicht aus den geringen Hardware-Margen finanzieren lässt, müssen eben Aufschläge kassiert werden.

In einem Brief an ausgewählte Händler, unterschrieben von Managing Director Robert Beck und Vice President Sales Marcus Adä, bedauert Ingram Micro den Schritt außerordentlich, nennt aber keine konkreten Zahlen. Nach Angaben aus dem Markt seien bei Ipods Aufschläge von drei bis 25 Euro, je nach Speichergröße geplant, die Rechner würden mit »um die 40 Euro« belastet – jeweils netto, versteht sich. Für Endverbraucher dürfte nicht nur die Mehrwertsteuer, sondern auch die Margenkalkulation noch obendrauf kommen.

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Das Problem: Wie hoch die Urheberrechtsabgaben sind, weiß keiner. Es gibt Forderungen der Rechteverwerter, Zurückweisungen der IT- und CE-Industrie, Gegenvorschläge, eine gescheiterte Vermittlungsrunde der EU-Kommission und zahlreiche Schieds- und Gerichtsverfahren. So kommt es nun zu einer Situation, die Ingram-Chef Gerhard Schulz bereits anläßlich der IM.Top im Mai befürchtet hat: »Jeder kann das Risiko, also die zu erwartende Höhe der Urheberrechtsabgabe, frei kalkulieren. Das bringt das Preisgefüge durcheinander, vor allem, wenn schwarze Schafe überhaupt keine Risiko-Vorsorge treffen«.

Umso erstaunlicher, dass nun Ingram Micro den ersten Schritt macht und in die Offensive geht. Noch können Orders zu den aktuellen Preisen aufgegeben werden. Ab 1. Oktober sind dann die höheren Preise fällig. Aus den Mehreinnahmen bildet der Distributor Rückstellungen und kann nur hoffen, dass die Kalkulation am Ende aufgeht, das heißt: dass genügend Geld zurückgelegt wurde, bis die konkrete Höhe der fälligen Urheberrechtsabgaben irgend wann einmal feststeht.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, warum es ausgerechnet mit Apple Probleme gibt und wie es bei Tech Data, Gravis und Apple weitergeht.

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