IT Infrastruktur-Konzepte für kleine Netzwerke, Teil 2 Individuell passende Server und Betriebssysteme im Überblick

Autor / Redakteur: Frank Castro Lieberwirth / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Servergeräte mit den entsprechenden Anwendungen steigern die Arbeitsproduktivität. Für kleine Unternehmen reicht meistens schon ein einzelner Server aus. Dieser avanciert zum wichtigsten „Mitarbeiter“, denn auf ihm laufen alle unternehmenskritischen Anwendungen. Software und die passende Hardware sollen nicht nur so ausfallsicher wie nötig, sondern auch so kostengünstig wie möglich sein.

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Hot-Plug-Festplatten ermöglichen einen schnellen Umbau – auch während des Betriebs.
Hot-Plug-Festplatten ermöglichen einen schnellen Umbau – auch während des Betriebs.
( Archiv: Vogel Business Media )

Bevor man sich an die Auswahl und Beschaffung von Server- und Betriebssystemen macht, muss eine Planungsanalyse das Anforderungsprofil umreißen. Die wesentlichen Fragen für eine optimale Infrastruktur-Planung lauten in Kurzform:

  • Welche Unternehmensprozesse können verbessert werden?
  • Läuft das Hauptgeschäft über die IT-Systeme?
  • Wie lange dürfte die IT im ungünstigsten Falle ausfallen?
  • Welche Mitarbeiter können bei der Administration und dem Wissenstransfer mitwirken?
  • Wie groß ist die zu verarbeitende bzw. zu speichernde Datenmenge?
  • Wie sicherheitskritisch sind die Daten?
  • Existieren passende Räumlichkeiten?
  • Wie hoch ist das Budget?

Vorteil „Server“

Unter Server versteht man einerseits ein Computergerät und andererseits eine Software, die so ausgelegt ist, Personen, Computern oder anderen Programmen zu „dienen“. So enthält viel Software den Beinamen „Server“, wie „Microsoft Exchange Server“, „IBM Lotus Notes Server“, „Microsoft Windows Server“ oder „VMware Server“, um nur einige Produkte zu nennen. Oft funktioniert eine Server-Software nur auf einem Server-Betriebssystem. Ein Server ist folglich nicht zwangsläufig ein Betriebssystem, sondern der Anbieter definiert den Namen nach der Art der Verwendung.

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Wenn alle Anwendungen auf ein einzelnes Gerät beschränkt sind, wird eine Absicherung gegen Ausfall besonders wichtig. Das gilt für ein Netzwerkszenario genauso, wie für ein einzelnes Gerät. Bei Geräten, die für einen Server vorgesehen sind, gibt es besonders ausgeklügelte Sicherungsmechanismen. Leider steigen auch die Kosten drastisch, je sicherer die Hardware ausgelegt ist. Einige akzeptable Sicherheitsstufe soll nun vorgestellt werden.

Kostengünstige Ausfallsicherheit für kleine Unternehmen

  • Redundante, d.h. doppelte ausgelegte Hardware (Speicher, Festplatten, Netzteile, Lüfter) in Servergeräten bieten eine ansprechende Ausfallsicherheit. In dem Servergehäuse können defekte Festplatten und Netzteile während des Betriebs ausgewechselt werden. Hierbei sind die Preise in der Einstiegsklasse im Laufe der Zeit drastisch gefallen.
  • Unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) schützen vor Stromausfall und Spannungsschwankungen.
  • Geräte für ein 19“(Zoll)-Rack sind etwas teurer als solche für herkömmliche Gehäuseformen. Sie erlauben aber eine höhere Packungsdichte und einen sauberen Aufbau.
  • Alternativ können Tower-Geräte auch über Fachböden in ein Rack gestellt werden, womit vielleicht einige hundert Euro gespart werden können.

Nicht zu empfehlen ist hingegen Hardware vom Supermarkt oder Discounter, weil „normale“ Computergeräte (PCs) nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt sind!

Standorte der Anlage

Die Hardware erzeugt oft eine hohe Abwärme und einen hohen Schallpegel. Verschiede Hersteller bieten daher schallisolierte Schränke mit einem Kühlsystem an. Praktikabel sind aber auch kühle und trockene (Keller)Räume, wo dann ein einfacher Schrank stehen kann. Selbstverständlich sollten eine Schließanlage und ein sauberer elektrischer Aufbau sein. Die Servergeräte sollten weder in der Küche, noch irgendwo in der Besenkammer unabgeschlossen stehen.

Betriebssysteme für einen Servergerät

Welches Betriebssystem das bessere ist, ist oft auch ein wenig persönliche Vorliebe oder Philosophie. Ohne den Anspruch auf eine Vollständigkeit zu erheben, kann man folgendes zusammenfassen:

  • Apple – Apple Server sind wenig verbreitet, da es wenige Hersteller gibt, die neben Apple Anwendungen programmieren. Die Basis des Betriebssystems ist ein Unix-Derivat (BSD). Die Anwendungsoberfläche ist einfach und stabil.
  • Linux – „Kostenloses Betriebssystem“ auf Basis von Unix. Relativ wenige Hersteller bieten kommerzielle Produkte für dieses Betriebssystem an. Hersteller, wie IBM oder Novell haben Linux weiterentwickelt, was aber heißt, dass gerade die wichtigen Anwendungen und Erweiterungen dennoch ihren Preis haben! Frei erhältliche Programme werden von der Internet Community „privat“ entwickelt und können daher auch fehlerhaft sein.
  • Microsoft Windows – Betriebssystem und Anwendungen sind kostenpflichtig. Windows ist sehr verbreitet, es gibt viele Anwendungen diverser Hersteller, eine breite Wissensbasis und auch einige nützliche kostenlose Programme. Windows ist oft intuitiv zu bedienen, was aber nicht heißt, dass es keiner Vorkenntnisse bedarf.

weiter mit: Verwaltungsdatenbank, Active Directory und Serveranwendungen, die sich lohnen

Verwaltungsdatenbank

Alle Betriebssysteme bieten viele Verwaltungsfunktionen. Damit ein Administrator bei vielen Computern den Überblick behält, gibt es Software, die eine gemeinsame Verwaltung ermöglicht. Diese Informationen werden in einer Datenbank gespeichert. Um alle Betriebssystem- und Server-Anwendungen zu verwalten, hat Microsoft die „Active Directory-Dienste“ und die „Domäne“ konzipiert. Zu beachten ist, dass eine Microsoft Domäne (außer der Namenskonvention) nicht viel mit einer Internetdomäne zu tun hat. Oben genannte Mitbewerber gehen ähnliche Wege.

Braucht eine kleine Firma Active Directory?

Active Directory ist obligatorisch, wenn eine Microsoft Server-Anwendung, wie Exchange Server laufen soll. Die Active-Directory-Dienste sind beispielsweise Bestandteil von Windows Server 2008 (R2) und kosten nichts extra. Für kleine Unternehmen hat Microsoft ein Gesamtpaket aus Betriebssystem und wichtigen Anwendungen zusammengefasst und vertreibt es unter dem Namen „Windows Small Business Server 2008“. Ein größeres Paket für mittelständische Unternehmen wurde bis zum 30. Juni 2010 unter dem Namen „Windows Essential Business Server 2008“ vertrieben. Beide Pakete haben gemeinsam, dass die Einzelpreise der jeweiligen Anwendungen wesentlich höher sind, als die des Pakets. Anders ausgedrückt – Ein Schnäppchen!

Gibt es Nachteile? Gegenüber den „großen Versionen“ sind die Produkte nur sehr wenig abgespeckt – dafür aber nur für ein bestimmtes Benutzerlimit verfügbar; also exakt auf die eigentliche Zielgruppe zugeschnitten: klein Unternehmen.

Serveranwendungen, die sich lohnen…

Serveranwendungen dienen der Datenverwaltung und der Steigerung der Produktivität. Hier einige Beispiele:

  • Mitarbeiter arbeiten im Team mit einer „Groupware“ (IBM Notes, Microsoft Exchange, Microsoft SharePoint Server, etc.).
  • Mitarbeiter arbeiten gemeinsam an einer Datenbank (Kundendatenbank, Werkzeugteile, usw.)
  • Server arbeiten als „Host“ und stellen virtuelle Computer oder Anwendungen für Benutzer oder Computer bereit.

Fazit

IT für kleine Unternehmen ist Dank der „Small Business-Produkte“ und Linux in den Bereich des Erschwinglichen gerückt. Die Preise für Soft- und Hardware mit einfachen Sicherheitsfunktionen sind gesunken. In einem Rack sollten sauber aufgebaut und verkabelt Switches, ein Servergerät, die USV und ein Backupgerät stehen. So kann ein kleines Unternehmen seine Produktivität mit nur einem Servergerät kostengünstig und sicher steigern.

weiter mit Teil 3

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