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abat Gruppe geht neue Wege

SAP-Berater aus Spanien gegen Fachkräftemangel in Deutschland

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Hinrich Meisterknecht ist abat-Mitgründer und Vorstand des Unternehmens.
Hinrich Meisterknecht ist abat-Mitgründer und Vorstand des Unternehmens.

Für den Mangel an Fachkräften im SAP-Umfeld gibt es viele Lösungsansätze: Mitarbeiterfortbildung, duale Studiengänge, Personaldienstleister. Die abat Gruppe mit Hauptsitz in Bremen hat für sich einen weiteren entdeckt und schnappt sich erfolgreich SAP-Profis auf dem spanischen Arbeitsmarkt.

ITB: Der Begriff Fachkräftemangel ist an sich schon umstritten. Für die einen gibt es ihn nicht, sondern nur unzureichenden Willen zur Mitarbeiterqualifizierung, für die anderen ist er ein akutes Problem. Welchen Standpunkt nehmen Sie ein?

Meisterknecht: Wir halten es für selbstverständlich, Mitarbeiter in ihrer Weiterentwicklung zu fördern. Dafür haben wir eigene Seminare entwickelt. Studenten können sich bei uns über Webinare in SAP-Modulen oder in ABAP zertifizieren. Für Seniorberater bieten wir sowohl interne als auch externe Fortbildungen. Außerdem legen wir großen Wert darauf, Erfahrungen aus Projekten intern weiterzugeben. Qualifizierung ist nicht das Problem. Wir brauchen zusätzlich Leute.

ITB: Auf Bewerbersuche nach SAP-Beratern sind Sie neue Wege gegangen und haben sich auch in Spanien umgeschaut, einem Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit 45 Prozent beträgt. Wie kam es dazu und wie sind Sie dabei vorgegangen?

Meisterknecht: Ein langjähriger abat-Mitarbeiter, selbst Spanier, brachte uns auf die Idee, doch auch in Spanien nach Bewerbern zu suchen. Also haben wir in einem spanischen Job-Portal eine Anzeige auf Deutsch geschaltet. Wir wollten sichergehen, dass die Bewerber Deutsch sprechen. Neun Leute haben wir zum Gespräch nach Madrid eingeladen. Zusammen mit dem spanischen Kollegen habe ich dann dort die Interviews geführt.

ITB: Wie erfolgreich war Ihre Suche?

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Zur Person

Meisterknecht: Insgesamt bekamen wir 39 Bewerbungen. Am Ende haben wir drei Kandidaten einen Vertrag angeboten. Alle drei haben unterschrieben. Sie fangen Mitte August beziehungsweise Anfang September als Junioren im Beratungs- und Entwicklungsbereich bei uns an.

ITB: Warum konnten Sie hierzulande keine passenden Bewerber finden?

Meisterknecht: Der SAP-Markt boomt, deshalb sind Leute mit Erfahrung rar. Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Fachkräften zur Verfügung. Gerade auch in diesem Bereich tun sich Mittelständler schwerer als große Beratungshäuser. Oft zieht allein der Name – selbst wenn wir ein super Betriebsklima und materielle Anreize bieten. Unsere Berater bekommen zum Beispiel zusätzlich zum Gehalt einen Bonus, der eng an die eigene Leistung und nicht ans Firmenergebnis gekoppelt ist. Natürlich haben wir auch in Deutschland sowohl erfahrene Mitarbeiter als auch Hochschulabsolventen gefunden und eingestellt, nur nicht in der Größenordnung, die wir anstreben.

ITB: Würden Sie diese Vorgehensweise als Modell-Lösung für Unternehmen sehen, die händeringend – wie es so schön heißt – neue Mitarbeiter suchen?

Meisterknecht: Warum nicht? Als Teil einer Gesamtstrategie finde ich das eine gute Sache vor allem für Firmen, die sich internationaler aufstellen wollen. Eines ist aber auch klar: Das ist keine Maßnahme, auf die man sein komplettes Recruting aufbauen sollte. Natürlich nutzen wir auch andere Möglichkeiten zur Personalgewinnung.

ITB: Wie helfen Sie dabei, mögliche Sprachbarrieren zu überbrücken und die neuen Mitarbeiter zu intrgrieren?

Meisterknecht: Die neuen Kollegen sprechen deutsch. Außerdem arbeiten bei abat-Berater und Entwickler aus verschiedenen Ländern, wie etwa China, Russland oder Südafrika. Da läuft viel auf Englisch. Und für die Anfangszeit steht den neuen Kollegen auch der langjährige spanischer Mitarbeiter zur Seite, der die ganze Aktion mit initiierte.

ITB: Wenn Sie Arbeitsmarktpolitik auf Bundesebene betreiben könnten – welche Maßnahmen würden Sie vornehmen, die Ihnen konkret helfen würden?

Meisterknecht: Bezogen auf den Markt für SAP-Berater denke ich, dass sich diese nicht über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen herbeizaubern lassen. Hier sind die einzelnen Unternehmen gefragt, die Personalgewinnung kreativ anzugehen, so wie wir das bei abat tun. Und zwar nicht nur indem wir auch in Spanien Bewerber suchen. Wir bieten Abiturienten und Studenten zum Beispiel ein duales Studium Informatik und SAP-Zertifizierungen. Seniorberater haben bei uns viele Gestaltungsmöglichkeiten. Und Projekte bei Kunden wie Daimler, VW/ Audi und BMW sind natürlich auch sehr spannend.

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