Interview mit Ergortrade-Vorstand Peter Bundgard Im ITK-Gebraucht-Handel ist Ebay kein Maßstab

Redakteur: Regina Böckle

Wer Kunden Neuware verkauft, kann auch für die Entsorgung der Altgeräte sorgen – oder umgekehrt, gebrauchte Produkte preisgünstiger anbieten. Ergotrade-Vorstand Peter Bundgard erklärt, wie das Geschäft funktioniert.

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Peter Bundgard, Vorstand von Ergotrade
Peter Bundgard, Vorstand von Ergotrade
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Lohnt das Distributionsgeschäft mit gebrauchter IT- und TK-Ware über den Channel noch, angesichts des Preisverfalls und der Turbulenzen mancher Remarketing-Unternehmen?

Bundgard: Im Geschäft mit Gebrauchtware braucht man jahrelange Erfahrung, um die Mechanismen zu verstehen. Nicht nur für den Vertrieb, sondern auch für die Prozesse muss sehr spezifisches Know-how aufgebaut werden, das im Neuwarengeschäft nicht notwendig ist, da hier keine Produktionsprozesse anfallen. Das Distributionsgeschäft mit gebrauchter IT-Ware über den Channel ist nach wie vor sehr lukrativ, wenn man es versteht, unterschiedliche Produktgruppen auch in unterschiedliche Verkehrskreise hineinzuverkaufen. Beispielsweise wird heute ältere Ware fast komplett in Dritt- oder Schwellenländer verkauft, da hier ausschließlich der Preis ausschlaggebend ist, wogegen relativ neue Ware eher über den deutschen Fachhandel abzusetzen ist.

ITB: Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt?

Bundgard: Für Ergotrade hat es sich extrem positiv entwickelt. In den vergangenen zwei Jahren konnten wir die Mitarbeiterzahl verdoppeln. Dieses Jahr haben wir gegenüber dem Vorjahr den Umsatz auf einen zweistelligen Millionenbetrag verdoppelt. Auch der Blick in die nahe Zukunft sieht sehr positiv aus – die Auftragsbücher sind bis in das erste Quartal 2008 hinein bereits relativ gut gefüllt.

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ITB: Was hat Ergotrade anders gemacht als andere?

Bundgard: Ergotrade hat frühzeitig die wichtige Rolle des Fachhandels als Vermittler zwischen Firmen-Endkunden und Remarketing-Dienstleister erkannt. Wir haben ein Partnernetzwerk von loyalen Fachhandelspartnern aufgebaut, die wissen, dass Ergotrade nicht nur den Rückkauf der Altware hervorragend bewerkstelligen kann, sondern auch Dienstleistungen rund um den Hardware-Tausch anbietet.

ITB: Welche Dienstleistungen sind das konkret?

Bundgard: Hierzu gehören Dienstleistungen wie Rollout-Rollback-Logistik. Das heißt Annehmen, Lagerung und Vorbereiten der auszurollenden Neuware, inklusive Software-Betankung und Kommissionierung, Verbringung an die Kundenstandorte gemäß Rollout-Plan, das Aufstellen der Neugeräte bei den Kunden vor Ort, der Abbau der Altgeräte am Arbeitsplatz, das Verpacken und Abholen vor Ort sowie das Zurückbringen der Waren zu einem der Ergotrade Refurbishment-Center. Erst hier beginnt der klassische Prozess für Auditierung, Datenlöschung, Remarketing und Recycling.

Neben großen Lots wie beispielsweise Paletten-, Lkw- oder Containerladungen gebrauchter Ware, verkauft und versendet Ergotrade die Artikel bereits ab einem Stück. Zusätzlich können Fachhändler über längere Zeiträume hinweg einheitliche Ware in gleich bleibender Qualität beziehen. Beispielsweise bietet Ergotrade seit einem knappen Jahr ein festes standardisiertes Sortiment an. Dazu zählen zwei Fujitsu-Siemens-Notebooks – die Lifebook C+E Serie – sowie zwei FSC-PCs, Desktop und Tower-Gerät, sowie 17- und 19-Zoll-TFT-Monitore von LG. Die Geräte waren bis zur Rückgabe des Großkunden lediglich 30 Monate im Einsatz. Partner können daher die Verfügbarkeit dieser Geräte über den kompletten Projektzeitraum fest einplanen und entsprechende Marketing- und Verkaufsmaßnahmen betreiben.

Zudem sind bei Ergotrade stets mehrere 10.000 Gebrauchtgeräte aus fast allen Produkt- und Preisbereichen ab Lager verfügbar – inklusive persönlicher, telefonischer Betreuung durch Spezialisten.

Der Fachhandel profitiert vom speziellen Know-how von Ergotrade im Bereich Vorwärts- und Rückwärtslogistik und generiert dadurch Wettbewerbsvorteile. Ergotrade bekommt hierdurch seinen ständigen Warenzufluss – beide Partner befinden sich in einer Win-win-Situation.

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