100 Jahre lang Patente sammeln IBMs Hardware-Chef Marc Fischer im Jubiläumsinterview

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Rund 70.000 Patente hat IBM in den letzten 100 Jahren Firmengeschichte angesammelt. Warum diese „Sammelwut“ fest zum Konzern gehört und warum IBM mittelständischer rüberkommen will, erläutert Hardware-Chef Marc Fischer.

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Marc Fischer ist Vicepresident der Systems and Technology Group, was man als „Hardware-Chef“ übersetzen könnte.
Marc Fischer ist Vicepresident der Systems and Technology Group, was man als „Hardware-Chef“ übersetzen könnte.
( Archiv: Vogel Business Media )

ITB: Sie sind bei IBM für den Hardware-Bereich zuständig. Hier wurde die PC- und die Notebook-Sparte an den chinesischen Konzern Lenovo verkauft, die Drucker-Sparte ging an Ricoh. In anderen Bereichen, wie Storage, wurde hingegen aufgestockt. Welches Gesamtkonzept verfolgt IBM hinsichtlich der Hardware?

Fischer: IBM konzentriert sich auf die Bereiche, in denen mit eigener Innovationskraft die höchste Wertschöpfung erzielt werden kann. Alles was in Richtung Commodity geht – zum Beispiel PC – wird verkauft. Vor diesem Hintergrund spielt für uns die Musik im Hardware-Bereich hauptsächlich in den beiden Segmenten Server und Storage.

ITB: IBM ist seit Jahren bestrebt Konzerngehabe abzulegen. Sei es, indem das interne Motto „lower the center of gravity“ ausgelobt wurde, oder indem ein CeBIT-Auftritt unter das Motto „Ich bin Mittelständler“ gestellt wurde. Trotzdem klagen einige Partner – vor allem solche, die neu dazu kommen – über einen Dschungel an Incentives, Partnerprogrammen und Ansprechpartnern. Finden Sie, dass sich IBM signifikant gebessert hat und wenn ja, inwiefern?

Fischer: Aus dem Blickwinkel unserer Business-Partner gibt es sicherlich noch einiges zu tun. Wir sind aber auf dem richtigen Weg. Ein großer Schritt war die Einführung der Partnership Solution Center, kurz PSCs, mit dem Ziel, Systemintegratoren und Kunden – auch solchen, die bisher nichts mit IBM zu tun hatten – Zugang zu komplexen Strukturen zu verschaffen. So schlagen wir Brücken zu den unterschiedlichen Geschäftsfeldern, Produkten und Marktsegmenten und bieten eine Anlaufstelle mit einer klaren Agenda und Ausrichtung. Verbessern muss man sich aber laufend. Zu tun gibt es meiner Meinung nach noch einiges an der Schnittstelle zwischen Hardware und Software. Hier bewegt sich derzeit produktseitig auch viel, wenn man beispielsweise die Neuerungen im Bereich der Appliances betrachtet. Es gilt aber eben auch, diesem Zusammenwachsen in Hinblick auf die Channel-Programme Rechnung zu tragen.

ITB: Lenovo hat 2004 mit der PC- und Notebook-Sparte einen bis dahin zentralen Teil von IBM übernommen. Auch Sie wechselten in die Geschäftsführung von Lenovo und kamen später zurück zu Big Blue. Wie war der Ausflug in den Lenovo-Konzern rückblickend?

Fischer: Für mich waren es ziemlich genau vier Jahre bei Lenovo. Sehr spannend war das vor allem deswegen, weil ich zuvor kaum Berührung mit dem asiatischen Raum im Allgemeinen und China im Besonderen hatte. Die Erfahrung war auch deswegen wichtig, weil China wirtschaftlich extrem an Bedeutung gewonnen hat und sich für mich die „Black Box“ China aufgelöst hat, nachdem ich acht oder zehn mal dort persönlich vor Ort zu tun hatte. Außerdem war es eine spannende Herausforderung, einen neuen Brand zu etablieren, denn man muss sich vor Augen führen, dass 2004 die Marke „Lenovo“ außerhalb der asiatischen Märkte kaum bekannt war.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zu den Abmachungen mit Lenovo und dem angehenden Cloud-Zeitalter.

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