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Aufnahme in Entitätsliste

Huawei kritisiert US-Sanktionen als willkürlich und warnt vor Folgen

| Autor / Redakteur: dpa-AFX / Heidemarie Schuster

Huawei rechnet aufgrund der Exportbeschränkungen der USA mit schwerwiegenden Auswirkungen auf eine Reihe globaler Industriebranchen.
Huawei rechnet aufgrund der Exportbeschränkungen der USA mit schwerwiegenden Auswirkungen auf eine Reihe globaler Industriebranchen. (Bild: Pixabay)

Der Streit zwischen Huawei und der US-Regierung geht in die nächste Runde. Huawei lehnt die vom US-Handelsministerium letzte Woche vorgenommenen Änderungen seiner Exportbeschränkungen, die speziell auf Huawei abzielen, kategorisch ab.

Huawei sieht sich nach der Ausweitung der US-Sanktionen gegen den chinesischen Technologiekonzern auf das Chip-Geschäft im Überlebenskampf. „Diese Entscheidung war willkürlich und droht, der gesamten Branche global Schaden zuzufügen“, warnte der amtierende Huawei-Chef Guo Ping am Montag auf der jährlichen Analysten-Konferenz. „Diese neue Regel wird sich auf den Ausbau, die Wartung und den kontinuierlichen Betrieb von Netzen im Wert von Hunderten von Milliarden US-Dollar auswirken, die in mehr als 170 Ländern unsere Technologie nutzen.“ Für Huawei gehe es nun ums Überleben.

Die USA hatten am Freitag die Sanktionen gegen den chinesischen Huawei-Konzern weiter verschärft. Die neuen Maßnahmen sollen dem Smartphone-Anbieter und Netzwerk-Ausrüster speziell den Zugang zu amerikanischer Halbleiter-Technologie abschneiden. Es geht dabei sowohl um die Entwicklung als auch um die Produktion der Chips.

Huawei entwickelt inzwischen zwar verstärkt eigene Prozessoren, ist aber bei der Herstellung durch Auftragsproduzenten wie den taiwanesischen Konzern TSMC auf Technologien angewiesen, die in den USA entwickelt wurden. Huawei könnte zwar mit seinem Chip-Design auf Zulieferer in der Volksrepublik China ausweichen. Hersteller wie die Semiconductor Manufacturing International Corporation (SMIC) hinken nach Experteneinschätzungen aber aktuellen technischen Entwicklungen zwei bis drei Jahre hinterher.

Huawei ist der führende Ausrüster von Mobilfunk-Netzen und der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Die USA werfen dem Konzern Spionage und die Verletzung von Sanktionen unter anderem gegen den Iran vor. Huawei kam deswegen auf eine schwarze Liste von Unternehmen, mit denen amerikanische Firmen Geschäfte nur mit einer speziellen Erlaubnis der US-Behörden machen können. Huawei kann deswegen unter anderem keine neuen Smartphone-Modelle mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen, was den Absatz der Geräte außerhalb des chinesischen Heimatmarktes bremst.

Guo erklärte, die US-Regierung habe Huawei am Freitag ohne überzeugende Begründung in die sogenannte Entitätsliste aufgenommen. „Seit diesem Zeitpunkt und trotz des Umstands, dass uns eine Reihe wichtiger industrieller und technologischer Elemente nicht mehr zur Verfügung standen, haben wir uns weiterhin verpflichtet, alle Regeln und Vorschriften der US-Regierung einzuhalten.“ Gleichzeitig habe Huawei seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten erfüllt und trotz aller Widrigkeiten überlebt und das Geschäft und die Entwicklung neuer Produkte vorangebracht.

Huaweis Stellungnahme zu den Änderungen der Exportbeschränkungen der US-Regierung:

Die US-Regierung hat Huawei am 16. Mai 2019 ohne überzeugende Begründung in die sogenannte Entitätsliste aufgenommen. Seit diesem Zeitpunkt und trotz des Umstands, dass uns eine Reihe wichtiger industrieller und technologischer Elemente nicht mehr zur Verfügung standen, haben wir uns weiterhin verpflichtet, alle Regeln und Vorschriften der US-Regierung einzuhalten. Gleichzeitig haben wir unsere vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden und Lieferanten erfüllt und trotz aller Widrigkeiten überlebt und unser Geschäft und die Entwicklung unserer Produkte vorangebracht.

Nichtsdestotrotz hat die US-Regierung in ihrem unermüdlichen Bestreben, unser Unternehmen stärker unter Druck zu setzen, beschlossen, einen weiteren Schritt zu gehen und die Bedenken vieler Unternehmen und Branchenverbände vollständig zu ignorieren.

Diese Entscheidung war willkürlich und droht der gesamten Branche global Schaden zuzufügen. Diese neue Regel wird sich auf den Ausbau, die Wartung und den kontinuierlichen Betrieb von Netzen im Wert von Hunderten von Milliarden US-Dollar auswirken, die in mehr als 170 Ländern unsere Technologie nutzen.

Dies wird sich auch auf die Kommunikationsdienste für die mehr als drei Milliarden Menschen auswirken, die Huawei-Produkte und -Dienste weltweit nutzen. Um ein führendes Unternehmen aus einem anderen Land anzugreifen, hat die US-Regierung den Interessen der Kunden und Nutzer von Huawei-Technologie absichtlich den Rücken zugekehrt. Dies widerspricht der Behauptung der US-Regierung, dass sie an der Sicherheit von Netzen interessiert ist.

Diese Entscheidung der US-Regierung betrifft nicht nur Huawei. Dies wird schwerwiegende Auswirkungen auf eine Reihe globaler Industriebranchen haben. Auf lange Sicht wird dies das Vertrauen und die Zusammenarbeit innerhalb der globalen Halbleiterindustrie, von der viele Branchen abhängig sind, schädigen und Konflikte und Verluste in diesen Branchen verstärken.

Die USA nutzen ihre eigenen technologischen Stärken, um Unternehmen außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu attackieren. Dies wird nur dazu führen, das Vertrauen internationaler Unternehmen in US-amerikanische Technologie- und Lieferketten zu untergraben. Letztendlich wird dies den Interessen der USA schaden.

Huawei führt eine umfassende Prüfung dieser neuen Exportbeschränkungsregeln durch. Wir erwarten, dass unser Geschäft unweigerlich betroffen sein wird. Wir werden alles in Bewegung setzen, um Lösungen zu finden. Wir hoffen, dass unsere Kunden und Lieferanten weiterhin mit uns zusammenstehen und die Auswirkungen dieser diskriminierenden Regel minimieren.

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