Wegen Urheberrechtsabgaben wird Stand-Alone-Kopier-Funktion aus All-in-One-Geräten entfernt HP will VG-Wort-Forderungen umgehen

Redakteur: Harry Jacob

Lieber das Produkt-Design verändern als die Forderungen der VG Wort akzeptieren: nach diesem Motto will Hewlett-Packard seine All-in-One-Einstiegsgeräte umgestalten. So sollen Kunden – und Händler – vor den Folgen überzogener Urheberrechtsabgaben geschütz werden.

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Regine Stachelhaus, Mitglied der Geschäftsführung von HP, findet die geforderten Abgaben unfair.
Regine Stachelhaus, Mitglied der Geschäftsführung von HP, findet die geforderten Abgaben unfair.
( Archiv: Vogel Business Media )

Für den Sommer hat Hewlett-Packard neue beziehungsweise technisch veränderte Modelle seiner All-in-One-Einstiegsserien angekündigt. Betroffen sind die Gerätefamilien Deskjet und Photosmart mit einem Verkaufspreis bis 150 Euro. HP wird die Multifunktionsgeräte so umgestalten, dass die Kopierfunktion nur noch dann nutzbar ist, solange der angeschlossene PC eingeschaltet bleibt. Sie wird künftig als »PC-Copy« angepriesen – eine Kopie auf Knopfdruck ist damit nach wie vor möglich. Bei den Laser-MFGs wird es dagegen keine Änderung geben.

Die hohen Forderungen der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort, die beispielsweise auch Ipods und Festplatten betreffen, haben den Hersteller bewogen, zu einem technischen Trick zu greifen. Die Überlegung dahinter: wenn das Kopieren nur noch im Zusammenspiel mit dem PC möglich ist, dann können die Geräte im Sinne der Urheberrechtsabgabe nicht mehr als »Kopierer« eingestuft werden. Das bringt erhebliche finanzielle Vorteile: laut HP forderte der Rechteverwerter für ein All-in-One-Modell, das heute für 80 Euro über die Ladentheke geht, 102 Euro Urheberrechtsabgabe, die sich am Satz von Kopierern bemisst. Zusammen mit der Mehrwertsteuer, die darauf noch fällig wird, würde der Verkaufspreis damit auf 200 Euro steigen. Dank »PC-Copy« sei das Gerät nur noch als Drucker und Scanner einzustufen, was deutlich geringere Abgabensätze nach sich zieht.

»Abagbenforderungen sind nicht fair«

Geschäftsführerin Regine Stachelhaus, verantwortlich für die HP Imaging & Printing Group (IPG) und damit für das Druckergeschäft in Deutschland, ist sich sicher: »Es wäre dumm zu glauben, die Verbraucher wären bereit, Abgaben zu bezahlen, die den Verkaufspreis der Geräte verdoppeln oder mehr als verdoppeln würden.« Die hohen Abgabenforderungen seien nicht fair, weder gegenüber den Kunden noch gegenüber dem Fachhandel. Als verlässlicher Partner des Handels habe man sich daher für die Einführung von PC-Copy entschieden. Die Kunden werden die veränderte Funktionalität nach ihrer Meinung nicht als Einschränkung empfinden, da sie es gewohnt seien, die All-in-One-Geräte bei eingeschaltetem PC zu nutzen.

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