Schärfster Einbruch des PC-Markts in Deutschland seit 10 Jahren HP erobert die Führungsposition zurück

Redakteur: Harry Jacob

PCs, Notebooks und Netbooks waren im ersten Quartal 2011 alles andere als ein Renner – der Markt hat im Vorjahresvergleich ein Sechstel eingebüßt. Besonders hart traf es Acer, während Samsung einen überraschenden Zuwachs vermelden konnte und HP wieder an der Spitze des Feldes steht.

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Die Top-5-Hersteller vereinen mehr als die Hälfte des Marktes auf sich.
Die Top-5-Hersteller vereinen mehr als die Hälfte des Marktes auf sich.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Verbraucher in Deutschland haben ihr Einkaufsverhalten massiv verändert. Gartner-Analystin Meike Escherich verweist darauf, dass erstmals seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 ein Rückgang im zweistelligen Bereich zu vermelden ist: 16,5 Prozent weniger Geräte als im Vorjahr konnten die Hersteller in Deutschland absetzen.

Gereifter Markt

Die Analystin hat dafür gleich mehrere Gründe ausgemacht: Zum einen greifen die Kunden statt zu Netbooks zu Mini-Tablets. Der Absatz von Netbooks hat sich gegenüber dem Vergleichszeitraum glatt halbiert. Zudem sind auch Notebooks und Consumer-PCs weniger gefragt. Bei den mobilen Rechnern war insgesamt ein Rückgang um 21 Prozent festzustellen.

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Dies sei die Entwicklung eines „reifen Marktes“ konstatiert Escherich. Dazu gehört auch, dass sich Produkte nicht mehr so leicht über den Preis verkaufen lassen. Stattdessen suchten Consumer-Kunden lieber hochwertige Geräte, die zwar etwas mehr kosten, dafür aber auch eine längere Lebensdauer versprechen. Alternativ stecken sie ihr Geld auch in Konsolen und andere Devices – die begrenzten Budgets der Käufer führen hier zu ganz neuen Wettbewerbs-Situationen.

Ein Lichtblick ist lediglich das Business-Segment. Replacement von ausgedienten PCs und Notebooks hält diesen Markt am Laufen.

Starke Verschiebungen bei HP und Acer

Bei den Top-5-Herstellern im deutschen PC-Markt kam es zu starken Verschiebungen. So profitierte HP vom Business-Markt und konnte dem Markttrend trotzen. Gegenüber dem ersten Quartal 2010 legte HP sogar leicht zu. Nach Angaben von HP war der Absatz im Business-Segment gegenüber dem Markt fast fünfmal so schnell gewachsen. Beispielsweise bei den Business-Notebooks habe man den Marktanteil (nach IDC-Zahlen) von 15,4 auf 21,6 Prozent steigern können. Bei Desktops meldete HP eine Zunahme sowohl im Consumer- wie im Business-Segment.

Kalt erwischt wurde dagegen Acer: ein Rückgang von mehr als 45 Prozent ist hier zu verzeichnen. Damit hat sich der Trend der beiden vorangegangenen Quartale sogar noch verschärft. Gegenüber dem Weihnachtsquartal hat sich der Absatz fast halbiert – eine Entwicklung, die nach Informationen von IT-BUSINESS auch von der Distribution nicht vorhergesehen wurde. Dementsprechend voll sind die Lager, und der Absatzdruck steigt.

Neue Namen in den Top-5

Asus dagegen kam etwas glimpflicher weg. Hier gebe es Wachstumssegmente abseits der Netbooks und Billig-Notebooks, stellte die Gartner-Analystin heraus. So sank der Absatz nur um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vergleicht man jedoch die aktuellen Zahlen mit denen des Weihnachtsquartals 2010, in dem sich Asus um ein Haar an HP vorbei auf den zweiten Platz geschoben hätte, dann sieht man auch bei Asus einen sehr starken Einbruch.

Dell entwickelte sich mit einem Minus von 16,7 Prozent fast genau auf Marktniveau. Großer Gewinner ist dagegen Samsung mit einem Plus von 29,0 Prozent beim Absatz, was den Koreanern 2,5 Prozent mehr Marktanteile einbrachte und den Einzug in die Top-5. Im vergangenen Jahr waren hier neben HP, Acer und Dell noch Lenovo und Toshiba vertreten, im Q4/2010 dagegen Asus und Aldi-Hoflieferant Medion.

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