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#ITfightsCorona Homeoffice durch die Kostenbrille

Autor: Sarah Böttcher

Gerade beim Thema Homeoffice haben sich Unternehmen bisher hinter Datenschutzthemen, gesetzlichen Vorschriften sowie einem großen Kostenberg versteckt. Laut Frank Roth, Vorstand und CEO von Appsphere, muss auch nach der Covid-19-Pandemie noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

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Frank Roth, Vorstand und CEO von Appsphere
Frank Roth, Vorstand und CEO von Appsphere
(Bild: Appsphere)

Viele Systemhäuser werden in der aktuellen Situation von ihren Kunden damit beauftragt, Remote-Arbeitsplätze in der Cloud einzurichten. Welche Beobachtungen machen Sie gerade in Ihrer Klientel?

Roth: Viele unserer Kunden waren recht gut vorbereitet, da wir mit ihnen ja bereits Projekte im Sinne des Modern Workplace umgesetzt haben und daher vielerorts schon die passende IT-Infrastruktur, Microsoft Teams, andere Collaboration-Lösungen sowie die technologische Ausstattung vorhanden waren. Dennoch gab es auch bei uns Anfragen, beispielsweise weil von 500 auf 5.000 Heimarbeitsplätze aufgestockt werden musste. Sehr interessant war zu beobachten, dass etliche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die bislang die Nutzung von Cloud-Diensten wie Office 365 (und damit auch Microsoft Teams) aus Datenschutzgründen vermieden haben, plötzlich alle Vorbehalte über Bord warfen und quasi über Nacht auf Cloud-Lösungen gesetzt haben. Das war im Zuge der erforderlichen schnellen Umstellung auf das Homeoffice und aufgrund des Bedarfs von flexiblem und komfortablem Remote-Arbeiten notwendig geworden.

Collaboration-Plattformen, die es Teams erlauben, unabhängig vom Ort zusammenzuarbeiten, gibt es seit mindestens zehn Jahren. Warum haben viele Unternehmen diese Möglichkeiten noch nicht oder nur wenig genutzt, sodass sie jetzt Nachholbedarf haben?

Roth: Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Da gibt es natürlich den Hierarchen, der sich nicht vorstellen kann, dass seine Mitarbeiter genauso produktiv zuhause wie im Büro arbeiten. Andere Unternehmen denken, sie sind „zu klein“ dafür – dabei muss es ja gar nicht immer das große All-Inclusive-Paket sein! Effizienz wurde zudem oft vor allem mit der Kostenbrille betrachtet. Im ersten Schritt sehen Unternehmen also, was das Umsetzen einer flexiblen IT-Infrastruktur kostet, nicht aber, was es am Ende bringt. Da muss man schon auch Aufklärungsarbeit leisten. Viele haben sich bislang auch hinter dem Datenschutzthema und den gesetzlichen Vorschriften versteckt – gerade beim Thema „Homeoffice“.

Rechnen Sie damit, dass Ihre Kunden nach Beendigung der Coronakrise wieder zum alten Arbeitsstil zurückkehren werden oder werden sie die neuen Möglichkeiten nicht mehr missen wollen? Was sollte Ihrer Meinung nach unbedingt beibehalten werden?

Roth: Ich denke, es wird sich eine Mischform etablieren und halte das auch für richtig. Schließlich ist Arbeit auch etwas Soziales, Menschen treffen sich, tauschen sich aus – das ist persönlich schon nochmal etwas anderes. Unternehmer sollten sich jetzt aber vor Augen führen, wie viel Flexibilität sie durch die IT gewonnen haben – und wie viel Entgegenkommen das auch von den Mitarbeitern gefordert hat. Deswegen sollte man ihnen auch nach Corona das Vertrauen schenken, das man ihnen jetzt ganz automatisch gegeben hat, und ihnen flexibleres, ortsunabhängigeres Arbeiten zugestehen. Ich denke auch, dass unsere Kunden das Thema „Business Continuity“ nach der Krise neu betrachten und da spielen viele Elemente von „New Work“ eine ganze erhebliche Rolle.

Wird die aktuelle Situation nach Ihrer Erwartung dazu führen, dass die Akzeptanz von Cloud-Angeboten in Deutschland generell einen zusätzlichen Schub bekommt? Welche Vorteile, die für eine Nutzung von IT as a Service sprechen, werden gerade jetzt besonders deutlich?

Roth: Die Cloud hat aus meiner Sicht kein Akzeptanzproblem, sie hat ein Vertrauensproblem! Fast jedes Unternehmen, selbst Banken und Versicherungen oder kritische Infrastrukturen, sind inzwischen in oder machen irgendetwas mit der Cloud. Es schwingt jedoch immer ein gewisses Unwohlsein wegen Sicherheitsbedenken mit. Wenn wir durch die Corona-Zeit kommen, ohne dass es zu mehr Hacker-Angriffen kommt oder diese zumindest gut abgewehrt werden, könnte sich das reduzieren. Ich denke aber, dass jeder gerade merkt, dass es keine teuren Einmalkäufe oder komplizierten Lizenzierungsmodelle braucht, um eine gute IT-Lösung nutzen zu können. Bemerkenswert ist, dass sowohl die Cloud-Kapazitäten in den weltweiten Rechenzentren als auch die Internet-Infrastruktur diesem enormen Ansturm Stand hielt und das Schlimmste, nämlich der totale Stillstand, damit vermieden wurde. Die Digitalisierung wird durch Corona einen gewaltigen Schub erhalten!

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin