Release42 geht in die Offensive Hidden Cloud-Champion von der Ostseeküste

Autor: Michael Hase

Die ostdeutschen ITK-Dienstleister Boreus, Gecko, Reventure und ihre polnische Schwester Codefit segeln inzwischen unter der Fahne Release42. Von der agilen Software-Entwicklung bis zum 24 / 7-Managed-Cloud-Betrieb deckt die Gruppe ein breites Spektrum ab.

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Der Managed Cloud Provider Boreus, Teil der Release42 Group, hat seinen Sitz in der Hansestadt Stralsund.
Der Managed Cloud Provider Boreus, Teil der Release42 Group, hat seinen Sitz in der Hansestadt Stralsund.
(Bild: © eyewave-stock.adobe.com)

Selbst Branchenkenner zuckten bis vor ein paar Monaten mit den Schultern, wenn sie über den Namen „Release42“ ­stolperten. Das hat sich ein Stück weit geändert, seit Cloudbuddies-Mitgründer und Ex-Claranet-Manager Nils Kaufmann im März bei der Rostocker Gruppe als Chief Operating Officer (COO) anheuerte. Schließlich verfügt der umtriebige Hosting- und Cloud-Experte, der im vergangenen September die Initiative Eurocloud Native (ECN) ins ­Leben rief, über ein großes Netzwerk.

Nils Kaufmann, COO bei Release42, will die Gruppe als führenden Cloud-MSP positionieren.
Nils Kaufmann, COO bei Release42, will die Gruppe als führenden Cloud-MSP positionieren.
(Bild: Release42)

Unter dem Dach der Release42 Group agieren drei ostdeutsche Dienstleister: der ­Managed Cloud Provider Boreus aus Stralsund, der Individualsoftware-Entwickler Gecko aus Rostock und der E-Commerce-Spezialist Reventure aus Gera. Vervollständigt wird das Konstrukt durch den Branchenspezialisten Codefit aus dem polnischen Kattowitz, der digitale Anwendungen für Kreuzfahrtlinien entwickelt. Alle vier sind in ihren Zielsegmenten etabliert und betreuen dort renommierte Kunden. So gehören zur Klientel der Gruppe etwa die Handelsunternehmen Baur, Heine und Quelle, das Modelabel Bonprix, die Medienhäuser Axel Springer, Looksfilm und Neue Osnabrücker Zeitung, die Kreuzfahrtgesellschaften Aida und MSC Cruises, das Biotech-Unternehmen Centogene sowie die Hochschule für ­Musik und Theater in Leipzig und die Universität Rostock. Bei einigen Kunden kommen zwei oder sogar drei Gruppenmitglieder zum Einsatz.

Veränderte Anforderungen

Der Name Release42 entstand erst 2019. Damals erkannte die Rostocker Holding JBM Technology, zu der die vier Dienstleister ­gehören, die Notwendigkeit, eine Dachmarke für sie aufzubauen. Dahinter stand die Beobachtung, dass sich die Kundenanforderungen im Zuge der Digitalisierung verändern. Um ihre Transformation voranzubringen, benötigen Unternehmen umfassende Unterstützung. Auf Seiten eines ITK-Dienstleisters sind dabei nicht nur Infrastruktur-Knowhow und Betriebskompetenz gefragt, sondern auch die Fähigkeit, Kunden bei der Modernisierung ihrer Applikationslandschaften zu helfen. Dass sich Boreus, Gecko, Reventure und Codefit mit ihren Skills komplementär ergänzen und gemeinsam ein ganzheitliches Spektrum an Leistungen erbringen können, war aber für Außenstehende nicht transparent. Daher musste ein Name her, der die Zusammengehörigkeit der Vier unterstreicht.

Eine Marke allein sorgt aber nicht automatisch für mehr Sichtbarkeit. Dazu braucht die Gruppe auch eine Marketingstrategie. Nicht zuletzt dafür hat sie Nils Kaufmann geholt, der den Hidden Champion „stärker ins Rampenlicht rücken“ soll. Damit gehen die Norddeutschen neue Wege. Für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit trieben sie bislang kaum Aufwand – ebenso wenig wie für Vertrieb. „In Rostock und Stralsund nennt man das hanseatische Zurückhaltung“, erläutert der Manager. Neue Kunden gewannen die Dienstleister in der Regel durch Mundpropaganda oder auf Empfehlung zufriedener Kunden.

Ehrgeizige Ziele

Alles in allem hat sich die Strategie bewährt. In Summe betreut Release 42 heute mit gut 200 Mitarbeitern mehr als 200 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Nach Überzeugung Kaufmanns, der als COO auch für Vertrieb und Business Development verantwortlich zeichnet, könnten die Dienstleister aber noch erfolgreicher sein, wenn sie konsequent als Einheit agieren würden. Deshalb sieht er eine Aufgabe darin, sie noch enger zu einer Organisation zusammenzuschließen. Erklärtes Ziel ist es, Release42 „als führenden Managed Service Provider im Multicloud-Umfeld zu positionieren“.

Das Vorhaben klingt nicht vermessen. Nach Einschätzung der Marktforscher von ISG besitzt die Gruppe dazu das Potenzial. In ihrer aktuellen Provider Lens zu „Next-Gen Private / Hybrid Cloud“, die in diesem Monat erschienen ist, stufen sie Release42 bei Managed Services für den Midmarket (Unternehmen mit 100 bis 4.999 Mitarbeitern) als „Rising Star“ ein: als Service Provider, der auf dem besten Weg ist, in den kommenden ein bis zwei Jahren in die Riege der Top-Anbieter vorzustoßen. Dazu muss die Holding den Analysten zufolge aber den Plan, Marketing und Vertrieb zu verbessern, in die Tat umsetzen und die eigenen Stärken offensiver in den Markt tragen.

Alles aus einer Hand

Als Stärken der Gruppe nennt Kaufmann das breite Kompetenzspektrum, das die Mitglieder gemeinsam abdecken, und dass sie Kunden von der Beratung über Lösungskonzeption und Implementierung bis zum 24 / 7-Betrieb ganzheitlich betreuen. Hinzu kommt langjährige Erfahrung. So agiert das Software-und Beratungshaus Gecko, das heute mit agilen Verfahren maßgeschneiderte Lösungen erstellt, seit 1990 am Markt. Boreus wurde 2003 gegründet und entwickelte sich vom Managed Hosting Provider zu einem ­Hybrid-Cloud-Spezialisten, der mit AWS (Advanced Partner), Microsoft (Gold Partner) und Ionos (Platin Partner) zusammenarbeitet. „Unser USP ist, dass wir ­neben Infrastruktur- und Plattform-Services auch Application ­Development & Modernization anbieten“, resümiert der COO. „Ich kenne keinen anderen MSP, der einen solchen Stack komplett aus einer Hand bereitstellen kann.“

Der Name Release42 ist übrigens eine Anspielung auf den Science-Fiction-Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“, in dem ein Supercomputer die Zahl 42 als Antwort auf alle Fragen ermittelt. Origineller kann man den Anspruch auf Ganzheitlichkeit kaum ausdrücken.

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