Erklärungsversuche für Konzernumbau und Informationspolitik Hewlett-Packard stellt sich kritischen Reseller-Fragen

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

In einer Webkonferenz für Reseller erklärte PSG-Chef Frank Obermeier, warum sich im HP-Konzern nun so vieles ändert. Auch wenn der General Manager in den persönlichen Dialog ein paar gute Antworten lieferte – das ungute Gefühl wegen der ungewissen Zukunft bleibt im Channel.

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Frank Obermeier, General Manager und Vice President der Personal Systems Group (PSG), HP Deutschland
Frank Obermeier, General Manager und Vice President der Personal Systems Group (PSG), HP Deutschland

So ganz konnten es die rund 150 HP-Partner danach immer noch nicht verstehen, warum sich das Schwergewicht in Sachen Hardware von seiner PC-Sparte abwendet. Dabei nahm sich Frank Obermeier, General Manager bei der Personal Systems Group, viel Zeit für Erläuterungen und Fragen aus der Partnerlandschaft, die er im Dialog auf einer Web-Konferenz mit Resellern beantwortete.

Es seien „turbulente Tage“ gewesen, nachdem bekannt wurde, dass bei HP große Änderungen anstehen.

Die Hintergründe

Obermeier skizzierte die Hintergründe und konzerninterne Vorgänge folgendermaßen: Hinter allem stehe eine Transformations-Strategie hin zu mehr höhermargigem Geschäft. Langfristige Investitionen werden daher in die Bereiche gelenkt, in denen langfristig die höchsten Renditen winken. Bisher wurden demnach drei zentrale Entscheidungen getroffen.

Erstens ist geplant, den Daten-Analysierer Authonomy zu kaufen (Analysten rechnen mit einem Kaufpreis von rund 10 Milliarden US-Dollar).

Zweitens wird das Geschäft mit WebOS-Tablets (Touchpads) aufgegeben. Das Betriebssystem WebOS sei hingegen nicht aufgekündigt worden. Hier werde gerade geprüft, wie das geistige Eigentum dahinter sinnvoll genutzt werden kann, beispielsweise durch Lizensierung (Analysten haben sich hierzu aber eher skeptisch geäußert).

Drittens – und diese Entscheidung birgt für HP-Partner die größte Brisanz – ist unklar, wie es mit der PC-Sparte weiter gehen soll. Ein Reseller sagte gegenüber IT-BUSINESS beispielsweise, dass er nicht wisse, wie er seinen Partnerstatus halten soll, der ihm günstige Projektpreise ermöglicht. Seine Umsatzvorgaben erreicht er nur wegen eines überdurchschnittlich großen Anteils an PC-Verkäufen. Selbst wenn Umsatzvorgaben sinken, könne er allein mit Servern und Storage-Systemen wohl seinen Status nicht mehr halten. Die langfristigen Konsequenzen könne er noch nicht einschätzen.

Informationspolitik in der Kritik

Ein ungutes Gefühl der unangenehmen Überraschung war aus vielen Fragen der HP-Reseller in der Webkonferenz heraus zu hören. Ein Teilnehmer konnte beispielsweise nicht verstehen, warum HP mit halb zu Ende gedachten Strategien an die Öffentlichkeit ging. Obermeier begründete das Vorgehen damit, dass man solch gravierende Änderungen nicht im „stillen Kämmerlein“ austragen könne, weil es zu viele Beteiligte gebe, die in die Diskussion einbezogen werden müssen. Möglich sei alles: dass die PSG doch bei HP bleibe, dass es zu einem Leveraged-Buy-Out (fremdkapitalfinanzierte Übernahme) oder einem klassischen Spin-off komme oder zu einer Übernahme durch einen Konkurrenten.

Garantie und Service

Die Kernbotschaften von Obermeier waren weiterhin:

  • Geräte und Portfolio werden wie gehabt weiterentwickelt (außer Touchpad).
  • Die PSG werde aus seiner Sicht weiterhin Platz Eins im Hersteller-Ranking belegen.
  • Obermeier verwies auf Gartner-Analysten, die die PSG langfristig weiterhin auf Rang Drei bis Eins sehen.
  • Selbstverständlich müsse sich niemand Sorgen machen, was Garantien, Ersatzteile und Services angeht.

HP stehe „zu 100 Prozent zu allen alten vertraglichen Verpflichtungen“ und agiere aus einer Position der Stärke heraus.

Kritisiert wurde von einem Partner, dass HP die fünf Prozent Rendite der PSG nicht reichen würden. Der Vorteil, alles aus einer Hand liefern zu können, sei schließlich auch etwas wert. ?

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