Siemens will sich aus dem Joint-Venture FSC verabschieden Hat Fujitsu Siemens Computers eine Zukunft nach 2009?

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Offenbar will sich Siemens aus dem IT-Joint-Venture Fujitsu Siemens Computers verabschieden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird der Konzern von seinem Kündigungsrecht bis September Gebrauch machen, bevor sich der Vertrag um fünf Jahre verlängert. Die Zukunft ist ungewiss: Beide Vertragspartner hätten kein großes Interesse an den freiwerdenden Anteilen, heißt es.

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Man kennt die Klausel aus eigenen Verträgen: Ein Jahr vorher ist zu kündigen, ansonsten läuft der Vertrag weiter. Was im kleinen Maßstab für beispielsweise die Brandschutzversicherung gilt, steht in großem Maßstab auch im Vertragswerk für Konzern-Joint-Ventures.

Der IT-Hersteller Fujitsu-Siemens-Computers, an dem jeweils hälftig der deutsche Siemens-Konzern und der japanische Fujitsu-Konzern beteiligt sind, könnte vor diesem Hintergrund in seiner jetzigen Form aufgelöst werden. Der im Herbst 1999 geschlossene Kooperationsvertrag ist auf zehn Jahre ausgelegt, also bis September 2009. Sollte Siemens oder Fujitsu nicht an einer Weiterführung von FSC interessiert sein, besteht eine Kündigungsmöglichkeit mit Jahresfrist bis September 2008. Erfolgt keine Kündigung bis zu diesem Zeitpunkt, verlängert sich das Gemeinschaftsprojekt um weitere fünf Jahre.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters in Erfahrung gebracht hat, will Siemens den Vertrag bis Herbst dieses Jahres kündigen. Was dann mit FSC geschehe, sei noch offen und werde gegenwärtig verhandelt.

Szenarien für die FSC-Zukunft

Es besteht das übliche vertragliche Vorkaufsrecht über die Anteile des jeweils anderen Joint-Venture-Partners. Deswegen könnte nach einer Vertragskündigung einer der Vertragspartner – Fujitsu oder Siemens – FSC komplett übernehmen und dann (voraussichtlich unter anderem Namen) weiter führen oder als Komplettpaket verkaufen.

Sollte der jeweils andere Vertragspartner die Übernahme der Anteile ablehnen, dürfen diese Dritten angeboten werden.

»Mit dem Vorgang vertraute Personen«, so Reuters, hätten bestätigt, dass Fujitsu kein Interesse an der Übernahme der Siemens-Anteile habe. Siemens-Chef Peter Löscher hat sich seit seinem Amtsantritt mehrfach unzufrieden über die Renditesituation bei Fujitsu Siemens geäußert. Er ist gerade dabei, den Konzern von »Randaktivitäten« zu befreien – die IT-Produktion gehört offenbar nun auch dazu. Demnach dürfte eine Fortführung in Alleinregie unter dem Siemens-Dach ebenfalls keine Option sein.

Fahrplan ist offen

Es ist davon auszugehen, dass sich die Verhandlungen noch über Monate hinziehen werden; das Ergebnis ist ungewiss. Aus diesem Grund wollte sich auch ein Sprecher von Fujitsu Siemens Computers nicht zu den Folgen der möglichen Änderungen bei den Eingentumsverhältnissen äußern. Zu spekulativ und theoretisch wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein offizielles Statement.

In einem internen Brief an seine Mitarbeiter stellt Bernd Bischoff jedoch in Aussicht, dass es eine Geburtstags- und keine Abschiedsparty zum 10-jährigen Bestehen geben werde.

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