Gastkommentar

Gier frisst Hirn beim Cloud Computing

| Autor / Redakteur: Achim Heisler, Geschäftsführer, A-H-S / Dr. Stefan Riedl

Welche Rolle spielt menschliche Gier beim Thema Cloud?
Welche Rolle spielt menschliche Gier beim Thema Cloud? (Bild: Prazis - stock.adobe.com)

„Kann eine Floskel oder ein Spruch zu abgedroschen sein?“, fragt sich Gastkommentator Achim Heisler, Geschäftsführer des Systemhauses A-H-S. „Gier frisst Hirn“ sei als Floskel schließlich nicht neu. Heisler stört, was via Funk, Fernsehen und Internet von Fachleuten verkündet wird.

Wenn wir selber und die großen Anbieter uns befragen, dann mag es so erscheinen, dass die Frage nach der Cloud kein „ob“ mehr beinhaltet, sondern höchstens ein „wann und wieviel“. Bei den Anbietern aus Gier und bei uns in einer Art Fatalismus nach Don-Quichote-Manier. Denn nur, weil bei vielen von uns der Widerstand erloschen ist oder per Produktabkündigung beziehungsweise massiver Lizenzkostenerhöhung Alternativlosigkeit künstlich erzeugt wird, bedeutet hier Schweigen keine Zustimmung.

Stimmungsbild der Branche

Ich habe in letzter Zeit wieder an ein paar Veranstaltungen teilgenommen, wo ich es mir auch zur Aufgabe gemacht habe ein Stimmungsbild bei uns in der Branche und unseren Kunden aufzunehmen. Beispielhaft möchte ich mir die Veranstaltung der Software AG anschauen auf der ich eingeladen war. Dort sollte neben anderen Dingen auch die IOT Cloud der Software AG und Cumulocity vorgestellt werden. Dies geschieht im Verbund mit den führenden Maschinenbauern Deutschlands, die eine gemeinsame Plattform bilden wollen. Das sieht auf den ersten Blick gut aus und könnte im Idealfall dazu führen, die von vielen geforderte gemeinsame Plattform in den Bereichen in denen Deutschland weltweit stark ist, zu realisieren. Das was ich von dem technischen Ansatz bei Cumulocity und deren Vielfältigkeit mitbekommen habe, erscheint mir der Weg durchaus sinnvoll. Die Erkenntnis, dass nicht alles in die Cloud gehört und das Edge-Device on Premise leben sollte ist zwar nicht neu, aber richtig. Somit würde dies auch meine Unterstützung finden.

Hirn und Gier

Ich fürchte aber, dass es leider beim technischen Ansatz (Hirn) nicht bleibt und der betriebswirtschaftliche Ansatz (Gier) bereits auch in dieser frühen Phase die Oberhand gewonnen hat. Denn, um zu diesem Club zu gehören, sind hohe Eintrittsgelder zu zahlen. Da der Vorstand natürlich gewillt ist, dies für die potentiellen Mitglieder attraktiv zu gestalten, sahen die Profit-Erwartungskurven auch nicht flach und linear aus sondern exponentiell. Prinzipiell spricht natürlich nichts gegen den alten Grundsatz „Make more Money“ und dies ist aus Sicht der Investoren völlig verständlich. Aber mir stoßen bei einem solchen Ansatz einige Dinge auf, die ich nun näher erläutern werde.

„Wer soll das bezahlen?“ und weitere Fragen

Achim Heisler, Geschäftsführer, A-H-S
Achim Heisler, Geschäftsführer, A-H-S (Bild: Achim Heisler)

Bei all den tollen neuen Möglichkeiten war immer nur die Rede von der Software AG und dem Mitgliedern der Plattform. Mit keinem Wort wurde derjenige erwähnt, der am Ende alles bezahlen soll. Denn die Maschinen (und damit deren IoT-Funktionen) werden ja nicht als Machbarkeitsstudien gebaut, sondern sollen beim Endkunden Produkte erzeugen oder veredeln, sprich einen Mehrwert generieren. Somit dürfte die Frage des Endkunden sein, wo denn nun die Mehrwerte für ihn liegen. Funktionen wie Wartungsoptimierung oder Predictive Maintenance bieten durchaus einen Mehrwert im Sinne der Ausfallvermeidung. Aber wird dies als Argument für den Endkunden ausreichen? Sind die Apps der Maschinenhersteller, die ja einen Schlüsselfaktor im Gesamtpaket der Plattform darstellen, „Closed Shops“ oder besitzen sie APIs, die der Endkunde nutzen kann? Kann ich die Daten der App für meine Zwecke beispielsweise im Sinne der Produktionsplanung bei Industrie 4.0 anpassen? Was passiert mit meinen Daten in der App, da ich natürlich mit erweiterter Sensorik auch auf Produkte, Mengen und Auslastung rückschließen kann?

Erst das Mehl, dann der Kuchen

Dies alles wären Fragen, die ich mir als Endkunde stellen würde, und somit über den Einsatz der App entscheiden würden. Oder herrscht bei den Betreibern eine ähnliche Monopolhaltung wie bei Adobe oder Microsoft. Hersteller also, bei denen ich meine Kunden zwangsbeglücken kann? Wenn nicht, habe ich das Gefühl, dass hier der Kuchen verteilt wird, bevor das Mehl gemahlen wurde. Und wie wird die Rolle der Systemhäuser in diesem Spiel gesehen? Es wurde durchaus richtig erkannt, dass die IT der Maschinenbauer in den meisten Fällen nicht ihre Kernkompetenz in der App-Entwicklung hat. Aus Sicht der Systemhäuser eine positive Erkenntnis und vielleicht die Möglichkeit an diesem Modell zu partizipieren. Doch dann müsste plötzlich die Welt der Maschinenbauer (Planungshorizont <30 Jahre) mit der agilen Scrum-Welt der App-Entwickler (Planungshorizont >6 Monate) zusammenpassen. Wenn ich dort ein gewisses Konfliktpotential erkenne mag dies meiner bisherigen Erfahrung geschuldet sein. Da es dem Hersteller schon an Kompetenz und Ressourcen mangelt, was ist dann erst mit dem Endkunden. Um die potenziellen Mehrwerte einer Lösung zu nutzen, braucht es dort auch entsprechendes Know How. Dies bezieht sich vor allen Dingen auch auf die Edge-Komponenten, denen als On Premise Device eine hohe Bedeutung zukommen wird, wenn es um die Themen Echtzeit, Datenfilterung und Datenschutz geht. Hier müssen die Ansprüche der Endkunden ebenfalls berücksichtigt werden, da nur so gewährleistet ist, dass auch die richtigen Daten in der App oder dem weiterverarbeitenden System landen.

Hinter vorgehaltener Hand

Bis dato gibt es sicherlich Kritikpunkte an der Lösung, aber auch Potenzial bei der richtigen Umsetzung. Weil mir aber immer noch das menschenverachtende Bild gieriger Manager als Vorbild präsentiert wird, habe ich Zweifel ob der Gemeinverträglichkeit einer solchen Lösung für alle Beteiligte. Denn im Gegensatz zu beispielsweise Uber und Flixbus haben unsere Endkunden noch Assets in der Bilanz und gerade im Mittelstand eine Verantwortung für die Mitarbeiter.

Wäre da nicht die Gier nach schnellem RoI, ließe sich aus der Idee bei einem ausreichenden Vorinvestment eine tolle Gesamtlösung in der Maschinenbauindustrie erschaffen, welche uns weltweit unseren Vorsprung sichert. Nur liegt es letztendlich in unserer Verantwortung, den Kunden zu erklären wo der Mehrwert von Cloud, IoT und Industrie 4.0 für sie liegt. Mittlerweile nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand, sondern auch bei offiziellen Veranstaltungen höre ich, dass die Kunden ihre Hersteller beziehungsweise Systemhäuser nicht verstehen. Dies ist wohl der schwerwiegendste Grund dafür, dass zwar die Notwendigkeit erkannt wird aber keine Umsetzung stattfindet. Somit werden wir aus globaler Sicht am Ende alle verlieren.

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