Von Leoparden lernen – Die Evolution der IT GfK: „B2B-Geschäft wird 2012 herausfordernd, aber positiv“

Autor / Redakteur: Dr. Rudolf Aunkofer / Katrin Hofmann

IT-BUSINESS hat einflussreiche Vertreter des IT-Marktes nach den Aussichten für das kommende Jahr befragt. Hier die Einschätzung von Dr. Rudolf Aunkofer, Global Director IT bei GFK Retail and Technology.

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Dr. Rudolf Aunkofer, Global Director IT der GfK Retail and Technology, nimmt die IT-Trends unter die Lupe.
Dr. Rudolf Aunkofer, Global Director IT der GfK Retail and Technology, nimmt die IT-Trends unter die Lupe.

Der britische Naturforscher Charles Darwin suchte Mitte des 19. Jahrhunderts Gründe für die Diversität des Lebens. In seiner Evolutionstheorie zeigte er schließlich auf, wie sich Pflanzen und Tiere durch einen über viele Millionen Jahre andauernden Optimierungsprozess an ihren Lebensraum anpassen. Dabei verändern sie sich und spalten sich in verschiedene Arten auf. Diese Gedanken halten auch Einzug in gesellschaftliche Forschungsbereiche und philosophische Fragestellungen. Selbst die Digitalisierung der technischen Welt bekommt durch die Evolutionsbrille betrachtet eine ganz neue Bedeutung.

Die von Darwin begründete Evolution beschreibt eine langsam fortschreitende Entwicklung, bei der aus einfachsten Lebensformen alle heute existierenden Lebewesen in ihren mannigfaltigen Ausprägungsformen entstanden sind. Alle biologischen Arten gehen somit auf einen gemeinsamen Ursprung zurück und sind folglich mehr oder weniger eng miteinander verwandt.

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Auch in der digitalen Welt lässt sich ein gemeinsamer Ursprung ausmachen: der in den 1930er und 1940er Jahren konzipierte Großrechner. Die drei „Stammväter“ Zuse Z3, Mark I und ENIAC standen am Anfang eines Entwicklungspfads, der Mitte der 1970er Jahre den Personal Computer hervorbrachte. Seine vielfältigen Variationen – wie der Xerox Alto, der MITS Altair 8800, der TRS-80 von Radio-Shack, der Apple I und II, der Commodore PET oder der IBM PC 5150 – bildeten wiederum die Basis für eine unglaubliche Vielfalt an neuen Arten.

Software – die DNA der digitalen Welt

Der Rechner hat sich über die Jahre rasant schnell und radikal verändert. Auch sein Innenleben, die Software. Mit der Erfindung des Mikroprozessors, ihrer kontinuierlichen Miniaturisierung und ihrer zunehmenden Leistungsfähigkeit sind Computer beziehungsweise integrierte Kleinstcomputer – so genannte Embedded Systems – in etlichen Produkten enthalten: sei es in Mobiltelefonen, Navigationssystemen, digitalen Kameras, portablen Media-Playern oder Netbooks, aber auch in Haushaltsgeräten und vielleicht bald in Kleidungsstücken oder Schmuck. Die digitale Technologie erobert nahezu alle Lebensbereiche. Diese neuen Produkte sind letztendlich eine Symbiose aus Hardware und Software, wobei die Software als ihre DNA bezeichnet werden kann, da ihre Bits entsprechend den Genen über konkrete Produktinformationen verfügen.

Man nehme etwa ein Smartphone: Äußerlich sieht das Touch-Screen-Design bei nahezu allen Herstellern sehr ähnlich aus. Der Unterschied liegt jedoch im Inneren: Durch die Installation von kleinen Softwareprogrammen, so genannten Applets, kann man das Gerät beliebig an seine individuellen Bedürfnisse anpassen. Und die Bedürfnisse der Nutzer gehen mittlerweile weit über das simple Telefonieren hinaus. Sie möchten eingebunden sein in virtuelle Welten, kurzfristig auf sämtliche Informationen im Internet zugreifen oder mobil fernsehen. Neben dem allgemeinen technischen Fortschritt ist es also das selektive Verhalten der Nutzer, das die Entwicklung der Produkte maßgeblich lenkt. Wie in der Natur gilt auch hier das Prinzip des „Survival of the Fittest“ – das am besten angepasste Gerät gewinnt.

Provokativ könnte man auch sagen: Das Smartphone in seiner heutigen Ausgestaltung ist lediglich ein an die Präferenz seiner mobil vernetzten Nutzer angepasster und miniaturisierter Monitor oder TV-Bildschirm.

Die Vielfalt in der digitalen Entwicklung sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch Produkte gibt, die sich nicht an die Veränderung der Nachfragestruktur anpassen konnten – und folglich einen endenden Ast in einer Evolutionsbetrachtung darstellen. Beispiele sind die Heimcomputer von Atari und Commodore, die PDAs von Psion und Palm oder der Newton von Apple. Ebenso gehören zum Beispiel klassische Scanner oder Nadeldrucker einer Spezies an, die lediglich in eng definierten Nischen überlebensfähig sind.

Mehr über die Triebkraft des Internets, die in der Vergangenheit erfolgte und mögliche künftige Entwicklung von All-in-One-Produkten und mehr über die Trends, die die GfK für das kommende Jahr im B2B- und B2C-Segment erwartet, erfahren Sie auf den nächsten drei Seiten.

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