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Schlankheitskur sei Dank Gewinnsteigerung trotz Umsatzeinbruch bei SAP

| Autor / Redakteur: Joachim Benner, IDC / Katrin Hofmann

Ende Juli gab SAP seine vorläufigen Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2009, das am 30. Juni endete, bekannt. Insgesamt wurde in diesem Zeitraum ein Umsatz von 2.576 Millionen Euro erzielt. Mit Ausnahme des Software Supports ist der Umsatz in allen wesentlichen Geschäftsbereichen dramatisch eingebrochen. Insgesamt musste SAP Umsatzeinbußen in Höhe von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal hinnehmen. Trotz dieser wenig verheißungsvollen Entwicklung gelang es SAP, ihren Gewinn um 9 Prozent auf 647 Millionen Euro zu steigern.

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Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Gewinnsteigerung hat einen beindruckenden Anstieg der operativen Marge um 4,4 Prozentpunkte auf 25,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zur Folge. Dies ist umso beachtlicher, da die Walldorfer im zweiten Quartal 2008 hohe Lizenzerlöse verbuchen konnten und hohe Lizenzerlöse meist auch hohe Margen bedeuten.

Natürlich stellt sich die Frage, wie SAP dies erreichen konnte. Des Rätsels Lösung liegt in erster Linie an den Kosten. SAP verfolgte in den vergangenen Monaten einen eisernen Sparkurs. So gelang es dem Unternehmen, 336 Millionen Euro Kosten gegenüber dem Vorjahresquartal einzusparen, dies entspricht einer Kostenreduktion von rund 15 Prozent. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Einsparungen wurde durch den Abbau von Arbeitsplätzen erzielt. Insgesamt will das Unternehmen in diesem Jahr 3.000 Stellen streichen, 2.800 Arbeitsplätze wurden zum Stichtag 30. Juni bereits eingespart. Der Abbau von 600 Stellen in Deutschland ist bereits abgeschlossen. Die meisten Stellen wurden im Bereich Marketing und Vertrieb gestrichen. Allerdings kam es durch die Freisetzung von Mitarbeitern auch zu Mehrbelastungen, etwa durch Abfindungen, so dass sich die Einsparungseffekte erst in den kommenden Quartalen voll auswirken werden.

Neben den Kosteneinsparungen gelang es SAP aber auch, seine Umsätze im Geschäftsbereich Software Support um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal 2008 auf 1.337 Millionen Euro zu steigern. Dies ist allerdings als direkte Konsequenz der starken Steigerung der Lizenzerlöse im Vorjahr zu sehen. Daher ist davon auszugehen, dass die Software-Support-Umsätze in den kommenden Quartalen schrumpfen werden, sollten die Lizenzerlöse nicht bald spürbar zulegen können. Die Umsätze mit Softwarelizenzen brachen im zweiten Geschäftsjahresquartal um 43 Prozent auf 543 Millionen Euro ein.

Der einzige Bereich, der den Walldorfern weitere Umsatzzuwächse bescheren konnte, sind Subskriptions- und sonstige softwarebezogene Service-Erlöse, sie stiegen um 13 Prozent auf 73 Millionen Euro. Besonders enttäuschend ist hingegen die schwache Performance von Business byDesign (ByD), dem SaaS-Angebot von SAP für den Mittelstand. Als ByD eingeführt wurde, hatte SAP sehr ambitionierte Pläne mit der Mittelstandslösung und es sollte ein wichtiger Umsatztreiber im Konzern werden. Inzwischen ist es recht ruhig um ByD geworden. SAP hält sich hier bei der Markteinführung scheinbar zurück, bis das Problem der unverhältnismäßig hohen Bereitstellungskosten gelöst sind. Gerade aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation und des gestiegenen Kostendrucks, stellen SaaS-Lösungen für viele Unternehmen eine zunehmen attraktive Alternative zu herkömmlichen Bezugsmodellen dar. Hier tut sich gerade eine zusätzliche Absatzmöglichkeit auf, die SAP Gefahr läuft zu verpassen.

Der Bereich der Consultingservices schrumpfte im Berichtszeitraum um 18 Prozent auf 517 Millionen Euro, Training brach auf 70 Millionen ein (-39 Prozent) und die übrigen Servicesumsätze gaben um 12 Prozent auf 23 Millionen Euro nach. Gleichzeitig gelang es SAP aber, die Kosten im Servicebereich effizient zu drücken. Die Marge im Servicesgeschäft konnte so trotz des Umsatzrückgangs bei 29,5 Prozent gehalten werden, im Vorjahr waren es 32,2 Prozent. Die Margen im Consulting sind nach Firmenangaben etwa gleich geblieben. Den Walldorfern scheint es also besser als ihren Service-Partnern zu gelingen, ihre Margen im Beratungsgeschäft zu halten.

Schaut man sich die Entwicklung in den Regionen an, zeigt sich, dass der Rückgang der Lizenzverkäufe in der Region Amerika mit 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal am stärksten, verglichen mit einem Minus von 39 Prozent in EMEA und 27 Prozent in der Region Asien-Pazifik-Japan war. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in das SAP-Geschäft in den USA stärker von Großaufträgen abhängt.

Derzeit ist unklar, wann die Rezession ihr Ende findet und sich die Konjunktur wieder erholt. Im Moment gibt es allerdings erste Lichtblicke am Ende des Tunnels, so hellen sich Stimmungsindikatoren etwas auf und die Finanzmärkte scheinen an Stabilität zu gewinnen. Dies hat sich allerdings noch nicht bei der Nachfrage nach Geschäftsanwendungen niedergeschlagen. SAP geht verschiedene Wege, um seine Softwareumsätze zu steigern, beispielsweise durch das Bundlen von Produkten sowie den dazugehörigen Service- und Finanzierungsangeboten („Best Run Now“), der Intensivierung des Vertriebs von Add-ons und das Anschieben des Partnergeschäfts.

Alles in allem scheint SAP recht gut für das zweite Halbjahr 2009 aufgestellt zu sein. Ob dies genügen wird, um aus der Konjunkturkrise glimpflich davon zu kommen, bleibt abzuwarten. Gerade das vierte Quartal ist das kritischste für das Unternehmen und noch ist nicht klar, ob die Talsohle der Rezession tatsächlich erreicht wurde.

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