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Handsets für DECT, WLAN und LTE ersetzen Femto-Zellen

Geschäftliche Funktelefonate mit Komfort

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Sprachübermittlung per WLAN ist für Avaya eine mögliche DECT-Alternative.
Sprachübermittlung per WLAN ist für Avaya eine mögliche DECT-Alternative.

Mobile Sprachtelefonie auf dem Unternehmensgelände funktioniert grundsätzlich per WLAN, DECT oder Mobilfunk. Lesen Sie, welche Technik zu Ihnen passt!

Mit internen Testläufen probt Mobilfunkprovider Vodafone derzeit, wie gut sich der Mobilfunkstandard LTE für die Kommunikation innerhalb von Unternehmen eignet. Der Konzern denkt dabei nicht nur an reine Sprachtelefonie und erwägt, auch WLAN- oder DECT-Infrastrukturen per Mobilfunk zu ersetzen.

Details und marktreife Produkte wird es wohl zur CeBIT 2012 zu sehen geben, eines scheint jedoch schon jetzt klar: Femto-Zellen spielen bei den Überlegungen des Dienstleisters bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Femto-Zellen sind Basisstationen, die breitbandige Internetanschlüsse als Backhaul verwenden und den Handy-Empfang innerhalb von Gebäuden verbessern. Als Begründung verweist der Anbieter auf die hohe Reichweite und Spektraleffizienz von LTE. Auch die Deutsche Telekom verweist in ähnlichem Zusammenhang auf eine sehr gute Mobilfunknetzabdeckung und setzt nur vereinzelt auf Femto-Zellen.

Die Strategien der Telekommunikationsanbieter verwundern, denn gleichzeitig vervierfacht Halbleiterexperte Qualcomm die Kapazität der eigenen Femto-Chipsätze für UMTS/HSPA+-Netze auf bis zu 32 gleichzeitige Verbindungen. Damit realisierte Access Points sollen zudem den komplementären Betrieb von WLAN- und Mobilfunk-Geräten erlauben.

Zweifel bleiben auch, wenn man annimmt, dass Qualcomm ausschließlich Märkte außerhalb Deutschlands im Auge haben sollte. So legt Testanbieter Ixia im kürzlich veröffentlichten Whitepaper "Cellular Offload: Site Deployment Best Practices" eine drohende Überlastung von Mobilfunknetzen nahe. Die könne sich wiederum durch WLANs abfangen lassen. Flankierend weisen Netzwerkexperten auf mögliche Kapazitätsprobleme hin. Das Argument: Die mit LTE erreichbare Downloadrate von 100 Megabit pro Sekunde entspreche in etwa dem, was ein einzelner WLAN-Access-Point zu leisten vermag.

Mobilfunk als ergänzender Sprachkanal

Ulrich Pohl, Manager Product Marketing Networking bei Avaya glaubt zudem, dass selbst die Reichweite von LTE in einer professionellen Unternehmenslösung schwerlich mit DECT oder WLAN konkurrieren könne. Bereits in Tiefgaragen, Kellerräumen oder im Rechenzentrum sei man von der Außenwelt abgeschottet.

Eine volle Erreichbarkeit sei so nicht mehr gewährleistet, eine Behelfslösung über Repeater zu teuer. Für Anwender stellt sich außerdem die Frage, inwieweit reine Mobilfunklösungen die Funktionen einer voll funktionalen Telefonanlage abbilden können, beispielsweise Rufbereitschaft, Umleitungen oder Line Status.

Unternehmen müssen damit für sich grundlegend klären, welche Komfortfunktionen benötigt werden und welches Übertragungsmedium für mobile Handsets das passende ist.

In Sachen Funktionalität müssen Mobilfunklösungen dabei nicht von vornherein ausfallen und können ein Business-Kommunikationskonzept ergänzen. So bietet beispielsweise Avaya mit one-X Mobile eine Client-Software an, die Smartphones zur Nebenstelle einer Telefonlage macht. Für Gespräche wird dabei der reguläre Sprachkanal genutzt, Steuerbefehle werden per Datenkanal übermittelt.

Auch CNT kündigt eine vergleichbare Lösung für den eigenen Call Manager an. Die beschriebenen Produkte richten sich allerdings vorwiegend an besonders mobile Mitarbeiter im Außendienst. Für größere, standortgebundene Unified-Communication-Installationen empfehlen beide Anbieter DECT beziehungsweise WLAN.

Stärken von DECT im internen Einsatz

CNT setzt dabei ausschließlich auf DECT. Vorstand Christian Renze begründet das mit den architekturbedingten Schwächen aktueller WLANs. In der Branche gilt DECT außerdem als ausgereifter Standard für Sprachkommunikation.

Auf der Haben-Seite gegenüber WLAN nennen Experten einer geringere Sendeleistung. Daraus folgen längere Akkulaufzeiten der Handsets. Je nach Umgebung decken DECT-Basisstationen im Innenraum dennoch zwischen 15 und 30 Meter ab – vergleichbar mit WLAN und ausreichend, denn im Schnitt verarbeiten die Stationen lediglich zwischen sechs und acht gleichzeitige Gespräche.

Außerdem nutzt DECT ein geschütztes Frequenzband zwischen 1,8 und 1,9 Gigahertz. Störungen durch drahtlose Computerperipherie – etwa drahtlose Tastaturen oder Mäuse – sind damit nicht zu befürchten. Gleiches gilt für andere Störquellen, wie im Bereich zwischen 2,5 und fünf GHz arbeitende Mikrowellenherde. Als regulatorische Besonderheit für DECT-Installationen gilt: Betreiber müssen sicherstellen, dass fremde Grundstücke vor Funkstrahlen geschützt bleiben. Bei WLAN-Infrastrukturen sind sich die Experten hierüber von Standard zu Standard noch uneins; aus Sicherheitsgründen sollte man aber auch diese Funknetze auf das eigene Grundstück begrenzen. Möglich ist das beispielsweise durch gerichtete Funkstrahlen oder eine gedrosselte Sendeleistung.

Aufrüsten vorhandener WLANs

Für WLAN spricht möglicherweise auch eine schon vorhandene und bislang ausschließlich für den Datenaustausch genutzte Infrastruktur sowie eine größere Zahl an Messwerkzeugen für die Umfeldmessung (Site Survey). Die sollten jedoch auch wirklich genutzt werden, denn zusätzliche Sprachdienste stellen auch erhöhte Anforderungen an die jeweilige Infrastruktur.

Dabei geht es nicht allein um Funkreichweiten oder, sondern auch um verfügbare Bandbreiten und Dienstgüten. So ist es gut möglich, dass beim VoIP-Upgrade nicht nur Zugangspunkte ausgetauscht werden müssen. Bei Bedarf sollten Administratoren auch das dahinterliegende Kabelnetz aufrüsten.

Zu beachten ist weiterhin: WLAN wurde ursprünglich nicht für die Verbreitung von Sprache vorgesehen. Dem entsprechend können vom Sender gesendete Datenpakete in falscher Reihenfolge oder mit zeitlichem Verzug ankommen. Ungewünschtes Ergebnis: Die Sprache ist nicht verständlich. Eine zufriedenstellende QoS (Quality of Service) lässt sich dennoch garantieren – mit proprietären Priorisierungsprozessoren oder Standards, wie Wireless Multimedia (WMM).

Fazit

Die endgültige Entscheidung für die mobile Sprachkommunikation im Unternehmen hängt letztlich von individuellen Anforderungen ab. DECT gilt als bewährter und ausgereifter Standard und in konvergente WLAN-Netze lassen sich zusätzliche Netzwerkgeräte einbinden. Inwieweit LTE für den stationären Einsatz taugt ist bislang jedoch fraglich.

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