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Vom RZ auf den Hof - das Pferd als Trainer

Führungskräfte lernen Führen

| Autor / Redakteur: Susann Breiter* / Ulrike Ostler

Wer führt hier wen? Legato zeigt deutlich seine Reaktion auf das Führungsverhalten des Managers.
Wer führt hier wen? Legato zeigt deutlich seine Reaktion auf das Führungsverhalten des Managers. (Bild: Academy for Horse Assisted Coaching)

„Komm!“ – Ein scharfes Kommando, ein Zug am Führstrick und es tut sich nichts. Wenn Legato nicht will, will er nicht. Der zehnjährige Wallach geht gar einen Schritt zurück. Der Strick ist gespannt und am anderen Ende zerrt ein ziemlich missmutig dreinschauender Juniorchef einer großen deutschen Bank. Doch wie ließe sich das widerwillige Pferd überzeugen? Und was bringt´s im Geschäft?

Oft haben Führungskräfte in ihrer Laufbahn an unzähligen Seminaren zu Führungsstilen oder –praktiken teilgenommen mit Frontalunterricht und langweiligen „Powerpoint“‐Schlachten. Sie fragen sich, was sie von einem Pferd lernen sollen, um es in ihrer beruflichen Praxis auch anwenden zu können. Häufig hört man, dass sie sich auch nicht gern etwas sagen lassen.

Beim pferdegestützten Coaching für Führungskräfte ist das auch nicht gefragt. Hier zählt vor allem die non‐verbale Kommunikation: die Körpersprache. Denn ein Pferd kann man nicht „anlügen“. Vielmehr sigelt das Pferd die Gedanken und Gefühle seines Gegenübers. Es reagiert auf geringste Veränderungen in seiner unmittelbaren Umgebung und zwar sofort. Hat man erst einmal das Vertrauen von Legato erlangt, dann folgt er mühelos, sogar ohne Führstrick.

Aber wie erlangt man das Vertrauen eines vollkommen fremden Wesens? Und was hat das mit Mitarbeiterführung zu tun?

Was soll ich hier?

Die meisten, die ein Führungskräfte-Coaching buchen oder von ihren „Chefs“ hingeschickt werden, fühlen sich deplatziert, unwohl und fragen sich: Was soll ich hier? Sie verlassen ihr sicheres Büro, wo sie sich hinter verschlossenen Türen verschanzen können, haben keine Sekretärin mehr, die am Telefon wichtige Termine oder Meetings vorschieben kann, wenn ein unbequemes Gespräch mit einem Mitarbeiter oder Kunden ansteht … und betreten unsicheres Terrain. Sie verlassen ihre Komfortzone.

Sie sind konfrontiert mit Stallgeruch, fremden Geräuschen und Tieren, die sie bisher nur im Fernsehen oder vielleicht bei einem Spaziergang weit entfernt grasend auf einer Weide gesehen haben, bestenfalls mit ein wenig Sympathie zu den Vierbeinern, den letzten John-Wayne-Western noch in bester Erinnerung. Oftmals wissen sie noch nicht einmal, wie groß Pferde wirken können, wenn sie direkt neben ihnen stehen. Doch beim Verlassen der Komfortzone greifen sie auf alte eingefahrene, unbewusste Verhaltensmuster zurück und zeigen so, wie sie wirklich sind und nicht so, wie andere sie sehen sollen.

Jeder Führungsstil hat sein Für und Wider; zu kumpelhaft, dann nimmt einen keiner mehr ernst; zu despotisch, dann macht jeder nur noch unmotiviert Dienst nach Vorschrift; cholerisch, dann ist man unberechenbar. Von anderen Menschen lassen sich gestandene Führungskräfte schlecht sagen, wie sie ihren Führungsstil erkennen und bewusst an dessen Schwächen arbeiten könnten.

„Chefsein“ ist kein Türschild

Pferde jedoch belehren nicht. Sie halten den Managern einen Spiegel vor und zeigen ihnen, an welchen Stellschrauben sie drehen können, um ein „Chef“ zu sein und nicht nur, weil „Chef“ an der Bürotür steht.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die sich intensiv mit der Wirkungsweise des pferdegestützten Coachings beschäftigt haben. Der Coaching‐Prozess wird durch die Einbeziehung des Pferdes beeinflusst. Das Bewusstwerden der eigenen Denkmuster kann bereits Veränderungsprozesse in Gang setzen. Sowohl die gezielte Fragestellung, wie die Übung erlebt wurde (Selbstbild) als auch das Feedback des Coaches (Fremdbild) regen zur Selbstreflexion an.

Der Coaching-Prozess wird unter anderem begleitet von Video-Analysen.
Der Coaching-Prozess wird unter anderem begleitet von Video-Analysen. (Bild: Academy for Horse Assisted Coaching)

Menschen können sich verstellen und versuchen, verbal etwas auszudrücken, was so nicht gemeint ist oder ein unerwünschtes Verhalten, wie Angst durch Aktivitäten zu überspielen. Genau auf diese „Ausweichmanöver“ reagieren Pferde hingegen sehr sensibel, auf die Körpersprache. Emotionen werden durch das Verhalten der Tiere gespiegelt, das Einbeziehen dieser Emotionen in den Coaching‐Prozess ist unabdingbar, es setzt Veränderungen in Gang.

Eine ausführliche Video-Analyse verdeutlicht bei der Interaktion mit dem Pferd dieses unbewusste Verhalten des Klienten. Ganz besonders wichtig ist der Transfer in den Berufsalltag. Es werden Konzepte entwickelt, um neue Perspektiven zu eröffnen. Ohne diesen Transfer ist der ganze Prozess unvollständig.

Der Umgang mit Mitarbeitern und Kunden

Die Kommunikation, ob verbal oder non‐verbal, ist der Dreh‐ und Angelpunkt des Umgangs mit Mitarbeitern oder Kunden. Der Augenblick des Abtastens und Kennenlernens kann den Verlauf eines Gespräches beeinflussen. Ein fester Handschlag und ein offener Blick in die Augen des Gesprächspartners wirken anders als ein leidenschaftsloser Händedruck und ein Ausweichen.

Mimik und Gestik sind weitere Kommunikationskanäle. Sympathie oder Antipathie wird in Sekundenbruchteilen entschieden. Das sollte man sich immer bewusst sein.

Der erste Eindruck ist ausschlaggebend. Paul Watzlawick, österreichisch-amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe und Philosoph, sagte einst: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das Pferd ist nicht das Allheilmittel für vielfältige Problemstellungen, sondern wird gezielt als Vermittler eingesetzt, um die Wirkung des Coaching zu verstärken.

Susann Breiter mit einem Teil ihrer Co-Trainer.
Susann Breiter mit einem Teil ihrer Co-Trainer. (Bild: Academy for Horse Assisted Coaching)

*Die Autorin

Susann Breiter, Horse Assisted Coach, Business Coach und Gründer von German Academy for Horse Assisted Coaching in Warnau (Holstein) und Obertshausen (Hessen) ist. Auf der beruflichen Grundlage kaufmännischer Führungsaufgaben von im Rhein‐Main‐Gebiet ansässigen Unternehmen der Privatwirtschaft mit internationalen Ausrichtungen hat sie sich dem Thema Führungskräfte‐ und Team-Coaching gewidmet ‐ ein immer wichtiger werdendes Thema in unserer sich schneller ändernden Businesswelt.

Unterstützt werden die Seminare und Prozesse je nach Aufgabenstellung von einem Team erfahrender Manager unterschiedlicher Tätigkeitsfelder und Fachbereiche. Im Fokus steht die Aufgabe heutiger Unternehmen, ihre Mitarbeiter durch Einzel‐ und Team-Coaching in wichtigen Fähigkeiten, wie Zusammenarbeit im Team, Führungsverhalten und Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Damit wird eine Basis für den persönlichen und Unternehmenserfolg geschaffen oder ein nächster Karriereschritt vorbereitet.

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