Umsatzwachstum in der Fachkräfte-Vermittlung Freiberufler-Portale werden zur treibenden Kraft im IT-Geschäft

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Stefan Riedl / Dr. Stefan Riedl

Studien und Firmenumfragen weisen auf einen wichtigen Trend hin: Die Bedeutung von IT-Freiberuflern und von vermittelnden Online-Portalen steigt. Die Umsätze gehen nach oben und die Marktakteure geben sich bei einem Blick in die Zukunft teilweise euphorisch.

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Insbesondere bei IT-Projektarbeit greifen Firmen gerne auf Freiberufler zurück. (Lorelyn Medina - Fotolia.com)
Insbesondere bei IT-Projektarbeit greifen Firmen gerne auf Freiberufler zurück. (Lorelyn Medina - Fotolia.com)

Was die Plattform www.my-hammer.de für den Fließenleger ist, sind Portale wie www.gulp.de, www.twago.de oder www.etengo.de für den IT-Freiberufler.

Für das Marktforschungsunternehmen Lünendonk fallen diese Recruiting-Sites in den „Markt für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung freiberuflicher IT-Experten in Deutschland“, der in einer gleichnamigen Studie analysiert wurde. Das Ergebnis: Im Jahr 2010 ist dieser Markt infolge des Mangels an qualifizierten IT-Spezialisten stark gewachsen. Um fast 20 Prozent konnten Plattform-Anbieter aus diesem Bereich umsatzmäßig zulegen.

Weniger Kettengeschäfte

In dieselbe Kerbe schlagen Umfrageergebnisse des Freiberufler-Platzhirschens Gulp aus dem vergangenen Sommer. Demnach werden externe IT-Spezialisten immer seltener von Unternehmen direkt beauftragt. Zunehmend übergeben die Firmen die Rekrutierung von IT-Freiberuflern an Projektvermittler, die in der Regel online agieren.

In Dreiviertel der Vermittlungen sind ein bis zwei Instanzen zwischengeschaltet – neben den Projektvermittlern selbst sind das Systemhäuser, IT-Dienstleister oder IT-Berater. Nicht mehr so häufig zu finden wie vor neun Jahren sind allerdings so genannte „Kettengeschäfte“. Hier überträgt der Vermittler den Auftrag zum Beispiel einem IT-Dienstleister, der wiederum ein Systemhaus anfragt und so weiter. 229 Gulp-Kunden aus Deutschland und der Schweiz hatten an dieser Online-Umfrage teilgenommen.

Hohe Wachstumsraten

Gulp hat als größte Plattform aus diesem Bereich hierzulande eine Rolle als Vorreiter inne. Aber auch die Wachstumsraten bei so manchem anderen Anbieter sind enorm. Bei den 20 von Lünendonk analysierten Anbietern legte die Etengo AG am stärksten zu. Das Mannheimer Unternehmen steigerte seinen Umsatz von 1,6 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 8,7 Millionen Euro im Jahr 2010.

Sicher – extrem hohe Wachstumsraten beruhen häufig darauf, dass die Basis, auf die sich das Wachtum bezieht sehr gering ist. Auch bei Etengo kommt dieser statistische Effekt zur Geltung, denn die Firma wurde erst 2008 gegründet und befindet sich daher noch in der Aufbauphase. Dennoch hört sich ein jährliches Umsatzwachstum von rund 540 Prozent beeindruckend an. Für das nicht mehr lange währende Jahr 2011 erwartet Etengo einen Umsatz von 24 Millionen Euro, was einem erneuten Wachstum um 175 Prozent entsprechen würde. Auch für die Zukunft ist Nikolaus Reuter, Vorstandsvorsitzender von Etengo, sehr optimistisch: „Projektarbeit ist ein Megatrend, der noch in den Kinderschuhen steckt und deshalb enormes Potenzial hat. Unserer Einschätzung nach wird sich der Anteil externer Ressourcen in Projekten bis zum Jahr 2020 auf 50 Prozent erhöhen“, so der Etengo-Chef.

Ein Branchenphänomen

Die Marktforscher von Lünendonk gehen von großem Optimismus aus, der sich quer durch die Branche zieht. Die Marktsegment-Studie sowie Gespräche mit Vertretern des Staffing-Marktes ergaben folgendes Fazit: Die Anbieter von Freiberufler-Portalen rechnen für ihr eigenes Unternehmen mit einem durchschnittlichen Jahresumsatzanstieg in Höhe von 25,3 Prozent. „Die positiven Umsatzentwicklungen werden auch durch die Anzahl der Projekte und Projektanfragen gestützt“, fügt Hartmut Lüerßen, Partner der Lünendonk GmbH, hinzu. Im Jahr 2010 wurden durchschnittlich 3.473 Projekte von den Kundenunternehmen angefragt – das entspricht einer Steigerung von mehr als 35 Prozent im Vergleich zu 2009. Rund 780 dieser angefragten Projekte wurden letztendlich auch realisiert. Die Erwartungen für das bald endende Jahr 2011 sehen sogar noch besser aus: Die analysierten Dienstleister rechnen durchschnittlich mit 4.221 Projektanfragen der Kundenunternehmen, von denen sie laut Statistik 988 Projekte umsetzen wollen.

Schlussfolgerung

Diese Zahlen deuten für Lünendonk auch auf einen Fachkräftemangel hin. In den Firmen in Deutschland dürften nicht ausreichend qualifizierte IT-Profis für die laufenden und geplanten Projekte zu finden sein. Die auftretenden Engpässe müssen dann durch freiberufliche IT-Experten geschlossen werden.

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