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ChannelVIP: Ralf Koenzen

Fliegen – und trotzdem auf dem Boden bleiben

| Autor: Wilfried Platten

Die Metapher vom Steuermann könnte glatt passen.
Die Metapher vom Steuermann könnte glatt passen. (Bild: Tillmann Franzen)

Lancom-Chef Ralf Koenzen ist mit der IT groß geworden und könnte glatt als der Prototyp eines mittelständischen „Selfmade“-Unternehmers durchgehen. Aber er selbst würde sich niemals so bezeichnen.

Glamour ist ihm ebenso fremd wie laute Auftritte oder markige Sprüche. Ralf Koenzen ist kein eloquenter Evangelist, sondern eher der stille Macher-Typ mit profundem technischem Wissen. „Schon in der Schulzeit in Mülheim/Ruhr hatte ich eine extreme Begeisterung für Technologie. Und ich betrachte es als Privileg, die IT-Welt quasi von Anfang an habe erleben zu dürfen.“

Die binäre Maschinenprogrammierung kennt er aus dem Effeff. Noch während der Schulzeit schreibt er eigene Compiler und bearbeitet Z80-Platinen. Fortbildungs-Magazine tragen bei ihm Titel wie „Elektor“. Mit einem Freund gründet er während der Abitur-Prüfungen die Firma „Höffken & Koenzen Computersysteme“ – mit gerade mal 18! Und das nicht aus hochfliegenden Plänen heraus, sondern auf Nachfrage: „Bekannte haben uns gebeten, Hardware zu bauen oder ein Buchhaltungsprogramm zu schreiben. Deshalb haben wir losgelegt, noch nass hinter den Ohren, ohne BWL-Kenntnisse und mit GmbH-Gründungsgeld von den Eltern.“

Ab Mitte der Achtziger Jahre weckt das neue Thema Datenkommunikation mit Akustikkopplern und Post-Modems das Interesse des Teenagers. Es hält ihn und seine Firma bis Anfang der Neunziger Jahre in Atem, bis sein Kompagnon lieber auf Weltreise geht. Allein weiterzumachen ist nicht so sein Ding.

Go West

Deshalb richtet er vom Ruhrgebiet aus den Blick nach Westen – und der bleibt bei der im Rückblick fast schon legendären Firma Elsa hängen. Denn diese ist quasi die Keimzelle der linksrheinischen IT-Welt. „Klaus Langner, einer der beiden Geschäftsführer, fragte mich, ob ich für Elsa nicht ISDN-Modems bauen könne. So bin ich nach Aachen gekommen.“

Das Geschäft boomt, die ISDN-Modems verkaufen sich „wie geschnitten Brot“, Elsa organisiert sich in vier Geschäftsbereiche und Ralf Koenzen übernimmt einen davon. Das bedeutet für ihn auch den schrittweisen Abschied von der geliebten Technik- und Produkt-Entwicklung hin zum kommerziellen Management.

Die ISDN-Geräte markieren den Übergang der Datenkommunikations-Welt vom reinen Modem-Betrieb in die Digitalisierung. Vom Internet ist da noch nicht die Rede, aber mit 128 kBit/s kann man sich schon in die ersten Mailboxen einwählen. Daraus erwächst die Idee, Netzwerke zu koppeln. Und Ende der Neunziger Jahre kommen die ersten Funk-Module dazu: Der Access Point ist geboren.

Lancom geht live

Trotzdem gerät Elsa ins Trudeln, am 30. April 2002 ist Schluss. Einen Tag später geht Lancom Systems live: „Wir hatten schon vorher darüber diskutiert, ob wir den eher B2B-orientierten Lancom-Teil eigenständig unter dem Elsa-Dach aufstellen. Dazu ist es aber nicht mehr gekommen.“ So wird aus der Technik-Koryphäe ein Firmen-Chef, der sich auch mit so trockenen Dingen wie Bilanzen beschäftigen muss: „Eines kann ich versichern: Wenn es um das eigene Geld geht, dann ist die Lernkurve extrem steil.“ Mittlerweile ist Lancom Teil von Rohde & Schwartz und Ralf Koenzen Chef des Geschäftsbereichs Networks & Cybersecurity.

Jemand wie ihn könnte man sich leicht auch in Forschung und Lehre vorstellen: „Darüber haben wir damals gar nicht nachgedacht. Das war wie vorgezeichnet. Und ich hatte Spaß dabei. Warum also hätte ich etwas anderes tun sollen?“ Deshalb hat er in den 16 Jahren der Lancom-Zeit trotz der damit verbundenen Verantwortung nicht eine einzige schlaflose Nacht. Dabei hilft ihm auch seine fliegerische Erfahrung. „Während der Finanzkrise 2008 haben wir uns gesagt: Vorsicht, anschnallen und auf Sichtflug gehen.“

Wer Ralf Koenzen kennenlernt weiß, dass ihm trotz seiner Flug-Leidenschaft eines ganz sicher nicht passieren wird: abheben.

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