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So langsam wird es ungemütlich

Fatales Problem-Trio: Demografie, Digitalisierung & Ungleichheit

| Autor: Wilfried Platten

Über den Industriestaaten ziehen heftige Gewitter auf.
Über den Industriestaaten ziehen heftige Gewitter auf. (Bild: © iLUXimage-stock.adobe.com)

Gehen wir aus sozioökonomischer Sicht turbulenten Zeiten entgegen? Die internationale Managementberatung Bain & Company prognostiziert in ihrer jüngsten Studie fatale Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Schon der Titel der Studie verrät die entscheidenden Faktoren für den alles andere als rosigen Ausblick auf die dritte Dekade des Jahrhunderts: „Labor 2030: The Collision of Demographics, Automation and ­Inequality“. Anders formuliert: Die Industriestaaten müssen sich auf eine Melange aus parallel verlaufenden Entwicklungen vorbereiten, die negative Konsequenzen sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung als auch die innere Verfasstheit der Gesellschaft befürchten lassen. Das 3-Faktoren-Phänomen umfasst:

  • Eine rapide alternde Gesellschaft, die die demographische Pyramide auf den Kopf stellt
  • Die rasend schnelle Entwicklung und praktische Umsetzung von Digitalisierung, Automatisierung und KI-Integration, die in den Industriestaaten bis zu einem Viertel der Jobs vernichten könnte
  • Die wachsende Ungleichheit zwischen den diversen sozialen Schichten, die die Konzentration von Vermögen und Produktivmitteln in immer weniger Händen befördert.

Die Vergreisung der Gesellschaft macht sich einerseits bemerkbar in einer schnell wachsenden Zahl von Rentnern, die von immer weniger Berufstätigen unterhalten werden müssen. In den Sozialsystemen (Rente, Pflege, Gesundheit, usw.) wird es in der Folge zu ernsthaften Finanzierungsproblemen kommen. Andererseits wächst dadurch der Druck auf Unternehmen, den damit verbundenen Arbeitskräftemangel durch Investitionen in neue Technologien zu kompensieren.

Schon zu Beginn der 2020er-Jahre werden Arbeitskräfte zur Mangelware. In den USA nimmt die Zahl der Erwerbstätigen dann nur noch minimal zu, in Westeuropa ist sie sogar rückläufig. Die Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungssektor steigert die Arbeitsproduktivität gegenüber 2015 im Schnitt um 30 Prozent. Da die Nachfrage deutlich langsamer wächst als das Produktionspotenzial, gehen Arbeitsplätze verloren. Bis zu 25 Prozent aller Jobs könnten in den USA verloren gehen. „Die kommende Dekade wird geprägt sein durch ein ungewöhnlich hohes Niveau an Volatilität“, folgert Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company.

Die Ungleichheit wird dadurch noch einmal zusätzlich verschärft. Die Verbindung von Generationenkonflikten und steigender Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen verschlechtern die ohnehin instabile politische Situation weiter. Es wird erwartet, dass Regierungen darauf mit strikterer Regulierung der Märkte, verschärftem Kartellrecht oder höheren Steuern reagieren. Weltweit nehmen deshalb die Risiken für Unternehmen durch möglichen Zinsanstieg, stärkere Regulierung und höhere Steuern zu.

Für Deutschland dagegen ist die Prognose günstiger. Es dürfte sich von dem Negativtrend nicht nur signifikant abheben, sondern von der Entwicklung sogar profitieren. Grund dafür ist die starke Position der heimischen Maschinen- und Anlagen­industrie bei Ausrüstungsgütern für die Modernisierung der Weltwirtschaft.

Allerdings werden sich auf Arbeitnehmerseite darüber nur die etwa 20 Prozent der Berufstätigen freuen dürfen, die über die dafür nötigen Qualifikationen verfügen. Parallel droht eine wachsende Erosion der Mittelschicht, die die schon heute bestehende Ungleichheit bei den Einkommen und damit auch bei den Vermögen weiter verschärft. Daraus droht gegen Ende der 2020er-Jahre eine Wachstumsbremse zu entstehen. In Verbindung mit der dann weitgehend abgeschlossenen Digitalisierung und der dadurch abflauenden Investitionstätigkeit drohen weltweit Stagnation­ oder gar Rezession.

Dies hat auch Konsequenzen für die Situation an den Finanzmärkten. Bain sieht hier die Gefahr erheblicher Zinsschwankungen. Der Investitionsboom könnte ­zunächst einen abrupten Zinsanstieg auslösen. Doch bei schwächelnder Wirtschaft zum Ende der Dekade sinken die Zinsen wieder in Richtung Nulllinie.

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