Suchen

Zug um Zug gegen das Schachmatt Experton Group vergleicht die besten Cloud-Anbieter

Redakteur: Katrin Hofmann

„Die Schlacht der Systemhäuser ist in vollem Gange“, lautet eines der Ergebnisse des diesjährigen „Cloud Vendor Benchmark“ der Experton Group, der die Anbieter vergleicht und Trends aufzeigt.

Firmen zum Thema

Wer vorausschauend handelt, kann auch im Cloud-Business manchen Gegenspieler ausschalten.
Wer vorausschauend handelt, kann auch im Cloud-Business manchen Gegenspieler ausschalten.
(Bild: satori_Fotolia.com)

Steil nach oben zeigt die Kurve der Cloud-Investitionen, die voraussichtlich 2015 hierzulande getätigt werden. „Keiner hätte gedacht, dass Cloud Computing ein derart lang anhaltender Trend ist. Das Thema ist kein Hype, sondern vielmehr systemimmanent“, erläutert Heiko Henkes, Cloud Lead Advisor bei der Experton Group und Projektleiter des Cloud-Anbietervergleichs in der nunmehr sechsten Auflage.

Investitionsmotor brummt

Laut Prognose könnten die Cloud-Ausgaben der deutschen Firmen, vorangetrieben durch Big Data, Mobility, UC, Collaboration sowie die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung dieses Jahr bei rund neun Milliarden Euro liegen. Das entspräche einem Plus von 37 Prozent im Jahresvergleich. Erstmals sollen die Ausgaben für Cloud Services (+39% auf 4,6 Mrd. Euro) die Gesamtausgaben für Cloud-Technologien (+33% auf 2,9 Mrd. Euro) sowie Beratungs- und Integrationsservices (+38% auf 1,6 Mrd. Euro) überflügeln.

Was bleibt für lokale Systemhäuser?

Mit Blick auf die Top-Player, speziell bei IaaS in Self-Service-Public-Clouds, fragt sich Experton jedoch, ob „die großen Hyperscaler wie AWS, Microsoft und – schon abgeschlagen – Google in der hochgradig standardisierten IT-Welt verbleiben und somit für die lokalen Systemhäuser nur der Platz in der Managed-Service-Ecke reserviert ist“. In diesem Segment gibt es demzufolge lediglich einen Hoster beziehungsweise ein Systemhaus, das den Großen nennenswerten Gegenwind bietet. Auch generell rolle die Konsolidierungwelle bei den Systemhäusern weiter.

(Bild: Experton)

Darüber hinaus schrumpfe der klassische IT-Markt. Während traditionelle Hardware- und Software-Ausgaben stagnieren oder sinken, was unter anderem die klassischen ISVs unter Druck setze, steige das „Auffangbecken Services“ weiter an – durch Ausgaben in Cloud-Konzepte. „Der Software-Markt wird so wie bisher nicht weiterexistieren“, so Henkes – und das vielleicht schneller als manchem lieb sein wird. Experton schätzt, dass 2019 SaaS die Vorherrschaft übernimmt.

Feintuning nötig

Während einige Software-Schmieden derzeit beispielsweise noch auf Enterprise-ERP-Suiten mit individuellen Anpassungen setzen können, die sich unter anderem wegen längerer Release-Zyklen noch gegen die „Cloudisierung“ stemmen, müssten die meisten Reseller ihre Strategien eigentlich umgehend feintunen. Allerdings liegt derzeit die „Private Cloud Readiness“ der Anwender gerade einmal bei 10 bis 15 Prozent, die Cloud Readiness der Systemhäuser und Hosting-Dienstleister laut Experton nur bei 20 bis 25 Prozent. Vogel-Strauß-Politik, Resignation oder noch funktionierendes Geschäft?

Natürlich kann die komplette Service-Bandbreite im Cloud-Segment nicht jeder anbieten. „Generalisten sind zunehmend austauschbar“, gibt Henkes außerdem zu bedenken. Allerdings sei die Cloud „der Klebstoff zukunftssicherer Geschäftsmodelle, und Kooperationen dienen als Vehikel für Ökosysteme und Plattformen“. So sei etwa in der Distribution laut Experton Also „schneller und aggressiver unterwegs als der Rest“.

Und auch über die Zusammenarbeit mit großen Anbietern, beispielsweise Marktplatzbetreibern, hinaus, können sich lokale Systemhäuser mit Geschick vom zugegebenermaßen nicht ganz einfach zu erreichenden Cloud-Kuchen ein Stück abschneiden.

Survival-Tipps

  • Dass die Zeiten der reinen Kistenschieberei vorbei sind, ist nichts Neues. Der Trend hin zu mehr Cloud Computing beschleunigt diese Entwicklung jedoch immer mehr und verlangt nach neuen Strategien.
  • Beratungs-Services, unter anderem Knowhow über die Technologieanbieter im Cloud-Umfeld, helfen der Experton Group zufolge den Kunden, im Anbieter-Dschungel durchzudringen.
  • Wissen, warum der Service dieses oder jenes Anbieters in der speziellen Situation genutzt werden sollte, ist demnach wesentlich.
  • Darüber hinaus seien Compliance-Anforderungen für Unternehmen ein wichtiges Thema.
  • Etliche Systemhäuser kauften in jüngster Vergangenheit Security- und Datenschutz-Kompetenz hinzu.
  • In puncto Branchen-Knowhow, welche Bedürfnisse einzelne Wirtschaftsbereiche haben, sei noch viel Luft nach oben.
  • Auch Eigenentwicklungen, die ganz spezielle Anforderungen einzelner Industriezweige berücksichtigen und bestehende Lösungen ergänzen können, bergen Potenzial.
  • Dabei bieten die großen Cloud-Plattformen laut Experton eine „neue Chance“, speziell für Nischen-Player. Können diese doch damit den Long-Tail-Effekt des Internets nutzen. Außerdem lässt sich eher eine kritische Masse an Nutzern erreichen.

Weitere Details zu den Bewertungen gibt es auf der folgenden Seite.

Weitere wichtige Ergebnisse des Cloud-Vendor-Vergleichs

  • Distribution: Also ist schneller und aggressiver unterwegs als der Rest.
  • Broker: T-Systems liegt vorn, Deutsche Börse (DBCE) mit Potenzial.
  • Marktplatz: Die Deutsche Telekom an der Spitze wird zunehmend von Salesforce und AWS unter Druck gesetzt.
  • ISV: Microsoft ist führend im SaaS-Geschäft; Oracle, SAP und weitere ziehen nach.
  • SaaS CRM: Salesforce ist weiter auf dem Kunden-Kontakt-Thron; Microsoft und auch SAP folgen.
  • SaaS ERP für KMU: Sage hat die meisten Kunden, SAP ist weiter dran; Exact ist Rising Star.
  • Cloud Workplaces: Vorkonfektionierte und somit kostengünstige Arbeitsplätze finden Großunternehmen am besten bei T-Systems und der Mittelstand bei Cancom / Pironet – AWS wird aber immer interessanter.
  • (Unified) Communication as a Service: Standardisierte Kommunikation mit virtueller Telefonanlage aus der Steckdose gibt es in hervorragender Manier bei der Deutschen Telekom.
  • IaaS Self Service: Pionier AWS ist Primus und liefert jetzt auch aus Deutschland; Host Europe ist einziges Systemhaus beziehungsweise Hoster, der Gegenwind bietet; ProfitBricks ist Rising Star.
  • IaaS Hybrid Managed Enterprise: T-Systems, IBM, HP und BT führen in diesem Markt der Zukunft; Dimension Data ist neu im Kreis der Leader.
  • IaaS Managed Private: Cancom / Pironet NDH ist hier das führende Systemhaus; Century Link ist Rising Star mit großem Zukunftspotenzial; die Deutsche Telekom hat die größte Wettbewerbsstärke.
  • IaaS Mittelstand: IBM ist am attraktivsten; Dimension Data (Rising Star) versteht den Markt und holt mit großen Schritten auf.
  • Cloud Transformation: Reicht reine Infrastrukturtransformation im Jahr 2015 noch aus? Bestimmt nicht! Es zählt die kluge Verbindung aus technischer Architektur mit neuen Geschäftsmodellen. Lohnen sich Zertifizierungen und Normierungen sowie branchenspezifische Skills im Kontext Compliance-Konformität? Absolut, jedoch auch nicht im Alleingang und ohne technisches Verständnis. Canopy (Atos) besitzt auch im Jahr 2015 die höchste Portfolio-Attraktivität; EMC macht große Fortschritte, Acentrix ist Rising Star; Fritz & Macziol greift stark an und besitzt die meisten „Gold“-Abzeichen beziehungsweise Partnerschaften.
  • PaaS: Microsoft bietet das in sich rundeste und integrierteste Angebot im derzeit komplexesten Cloud Layer; Progress ist Rising Star; Parallels (Odin) nistet sich mit der Containertechnologie bei Open Stack ein; Red Hat schlägt mit OpenShift ähnliche Wege wie Cloud Foundry CF ein.
  • Inter-Connectivity-Plattformen: Cloud Colocation Hubs sind die Brücken ehemals getrennter privater und öffentlicher Infrastrukturen und sorgen über Best-of-Breed-Lösungen und kooperative Partnerlösungen für Enterprise-konforme (Ausfall-) Sicherheit und Performance auf Basis eines engen SLA-Korsetts. Equinix hat hier aktuell die besten Karten im Wettbewerbsvergleich.
  • Software Defined ist das große Schlagwort in modernen Rechenzentren. Möglich wird dies durch das Software-basierte Zusammenwachsen ehemals getrennter physischer Welten auf Netzwerk-, Storage- und Server-Ebene; Cloud Management- & Orchestrierungs-Lösungen müssen hier angreifen. VMware ist weiterhin Marktführer und verhält sich schlau; die Konkurrenz aus dem Open-Source-Lager rückt allerdings immer näher. Open Stack ist inzwischen gesetzt, muss aber zwingend individuell veredelt werden.
  • Safety first: Die Verschlüsselung von cloudbasierten Infrastrukturen und Services ist auf Anwenderseite ein Dauerbrenner und somit für Anbieter wichtiger denn je. Trend Micro fällt gemeinsam mit CipherCloud (T-Systems) am positivsten auf.

(ID:43452053)